Chile ist das erste südamerikanische Land, das den Zuschlag erhalten hat, eine FIFA Frauen-Weltmeisterschaft auszurichten. Dies zeigt, welchen Stellenwert das Land, das als eines der reichsten und stabilsten der Region gilt, im Ausland genießt.

Der Fussball ist zweifelsohne die beliebteste Sportart in Chile, wo 67% der Bevölkerung Anhänger eines der 32 Vereine des chilenischen Profifussballs sind.

Die Pioniere dieser Sportart waren Engländer, die in der Stadt Valparaíso lebten. Der erste Fussballverein wurde informell Mitte des Jahres 1889 gegründet. Aufgrund des herrschenden Bürgerkriegs musste seine offizielle Gründung allerdings bis zum 10. April 1892 warten.

Der britische Einfluss war entscheidend für die Gründung der Football Association of Chile, einem Verband, dem sich rasch Tausende von Mitgliedern anschlossen. Die erste Mannschaft, die offiziell registriert wurde, war Valparaíso FC. Die Städte Santiago, Iquique, Antofagasta, Coquimbo, La Serena und Concepción folgten dem Beispiel, und die neue Sportart erfreute sich einer stetig wachsenden Beliebtheit.

Das wichtigste Ereignis in der Geschichte des chilenischen Fussballs war die FIFA WM-Endrunde, die 1962 im eigenen Land ausgerichtet wurde. Es war ein Fest, an das sich heute noch Tausende Chilenen erinnern. Bei den Spielen der eigenen Mannschaft hielt damals das ganze Land den Atem an.

Das Turnier war ein Meilenstein im chilenischen Fussball, denn nach dem Sieg gegen Jugoslawien konnten die Chilenen den dritten Platz feiern. Das war das bis heute erfolgreichste Abschneiden einer chilenischen A-Nationalmannschaft auf internationaler Bühne.

Die Namen von Humberto "Chita" Cruz, Raúl Sánchez, Eladio Rojas, Adán Godoy, Manuel Rodríguez, Luís Armando Eyzaguirre, Jaime Ramírez, Jorge Toro, Carlos Campos, Armando Tobar und Leonel Sánchez sind heute noch vielen ein Begriff. 38 Jahre später feierte man dann den Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney.

Es fällt schwer, den besten chilenischen Spieler aller Zeiten zu wählen, dennoch wird immer wieder der Name Elías Figueroa genannt. Auch erwähnt werden sollte Iván Zamorano, der überragende Spielführer der chilenischen Nationalmannschaft und Torschützenkönig der spanischen Liga in der Saison 1994/95, oder Marcelo Salas, Goalgetter der Nationalmannschaft und einer der besten Spieler Lateinamerikas der letzten Jahrzehnte.

Geschichte
In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebten in dem Gebiet des heutigen Chile verschiedene Eingeborenenstämme. Das 17. Jahrhundert war dann eine sehr bewegte Zeit, in der die spanische Krone ihre Kontrolle auf die entlegendsten Gebiete ausdehnte. Allmählich entstand nun eine Gesellschaftsschicht, die sogenannten Criollos, die in Chile geboren wurden, aber von Spaniern abstammten und schließlich zur Haupttriebkraft der Unabhängigkeitsbewegung wurden.

Nach einer kurzen Phase der Anarchie stabilisierte sich das Land 1818 unter einer republikanischen Präsidialregierung, auch wenn der 18. September 1810 als Tag der Unabhängigkeit in die Geschichte des Landes einging.

Eine starke Exekutive regierte das Land über vier Jahrzehnte, die durch soziales, wirtschaftliches und kulturelles Wachstum gekennzeichnet waren. Die Aristokratie und politische Parteien bekamen allmählich Zugang zur Präsidialmacht, insbesondere nach dem Pazifik-Krieg, der gegen Peru und Bolivien geführt wurde (1879-1884).

Diese Tendenz, die zunächst als "liberale Republik" und später als "Quasi-Parlamentarismus" in die Geschichte einging, dauerte bis Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts an. Dann wurde der Präsident erneut zur wichtigsten politischen Figur des Landes.

1970 wurde Salvador Allende gewählt, der einer Regierung vorstand, die mit vielen wirtschaftlichen Problemen und einer sehr starken Opposition aus dem übrigen politischen Spektrum zu kämpfen hatte. Am 11. September kam es zu einem Staatsstreich, der der Regierung Allende ein Ende setzte. Anschließend wurde eine Militärjunta installiert, der Augusto Pinochet, Oberkommandierender der Streitkräfte, vorstand.

Ende der 80er Jahre leitete Pinochet einen Prozess der Rückkehr zur Demokratie ein, der in die Volksabstimmung vom 5. Oktober 1988 mündete. Pinochet gab sein Amt am 11. März 1990 ab, und Patricio Aylwin wurde erster Präsident der sogenannten Übergangszeit, die durch die Wiederherstellung der demokratischen Ordnung und die Festlegung einer neuen nationalen Politik gekennzeichnet war.

Die 90er Jahre verzeichneten dank der Öffnung des chilenischen Marktes einen wirtschaftlichen Aufschwung, aber am Ende des Jahrzehnts verfiel das Land erneut in eine schwere Wirtschaftskrise. Nach der Jahrtausendwende erholte sich die Wirtschaft des Landes langsam wieder.

Am 15. Januar 2006 wurde Michelle Bachelet Jeria zur ersten Präsidentin in der Geschichte der Republik Chile gewählt. Sie ist auch die Ehrenpräsidentin des Lokalen Organisationskomitees der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft, der sie ihre volle Unterstützung zugesagt hat.

Geographie
Das Territorium Chiles ist lang und schmal und erstreckt sich über 4.200 Kilometer zwischen der Gebirgskette der Anden und dem Pazifischen Ozean im äußersten Südwesten Südamerikas. Es grenzt im Norden an Peru, im Osten an Bolivien und Argentinien, im Westen an den Pazifischen Ozean und im Süden an den Südpol.

Die Festlandsfläche beträgt 756.252 km², das Territorium in der Antarktis hat eine Größe von 1.250.000 km². Darüber hinaus gehören die Inseln San Félix, San Ambrosio, Salas y Gómez, das Juan-Fernández-Archipel, die Diego-Ramírez-Inseln sowie die Oster-Insel (Polynesien) zu Chile.

Chile weist viele verschiedene Klimazonen und geographische Besonderheiten auf, was seine große Attraktivität für Touristen aus aller Welt erklärt. Das Klima ist generell trocken im Norden, gemäßigt in der Mitte und feucht und kalt im Süden des Landes.

Im äußersten Norden des Landes liegt die Atacamawüste, die sich von den Anden bis zum Meer erstreckt. Dieses Gebiet zeichnet sich durch mineralischen Reichtum, reiche Fischbestände und größere Industrieansiedlungen aus. Die Touristen werden von den Stränden mit angenehmer Wassertemperatur, den Dörfern der Ureinwohner in den Anden und den zum Teil verlassenen alten Salpeterdörfern inmitten der Wüste angezogen.

Zwischen dem Norden der Hauptstadt und der Stadt Puerto Montt (etwa 1.000 km südlich) lebt der Großteil der Bevölkerung. Hier konzentriert sich auch die Wirtschaft des Landes. Die schönen Strände an der Küste, die Seen, die beeindruckenden Vulkane und die fischreichen Flüsse sind Hauptanziehungspunkte für die Besucher.

Südlich von Puerto Montt verändert sich die Landschaft erneut. Hier gibt es Hunderte von Inseln, Kanäle, vereiste Gebiete und Flüsse inmitten einer jungfräulichen Landschaft, die sich bis zu den ersten Hügeln des Gebirges erstreckt. Hier fühlen sich Abenteuertouristen zu Hause, die den direkten Kontakt mit der Natur suchen.

Im äußersten Süden und entlang des Gebietes von Feuerland erstreckt sich die Pampa Patagoniens. Die schöne Stadt Punta Arenas, mit ihren alten Herrenhäusern und ihrem besonderen Charme, ist Ausgangspunkt für Wanderungen zu besonders attraktiven Orten wie den Türmen von El Paine, der Festung Bulnes oder der Antarktis.

Wirtschaft
Die chilenische Wirtschaft ist eine der stabilsten des Kontinents und trotz verschiedener Krisen in den letzten Jahren auf Wachstumskurs geblieben. Wichtigste Aktivität ist die Ausfuhr und der Abbau von Rohstoffen.

Chile ist weltweit der größte Kupferproduzent. Auf die abgebauten Erze entfallen 41% der Ausfuhren des Landes, wobei Kupfer aus Chile 36% der weltweiten Nachfrage nach diesem Rohstoff bedient.

In den Regionen der Mitte und des Südens des Landes dominieren die Landwirtschaft und die Viehzucht. Der Export von Früchten und Gemüse hat nach der Öffnung der Türen zu den europäischen und asiatischen Märkten historische Rekordstände erreicht, was auch für die Produkte der Forst- und Fischereiwirtschaft gilt. In den letzten Jahren hat auch die Weinproduktion stark angezogen.

Die chilenische Industrie ist in erster Linie auf die Versorgung des einheimischen Marktes ausgerichtet. Gegenwärtig versucht man, den Agrar- und Lebensmittelsektor besonders zu fördern, um Chile in diesem Bereich zu größerer Bedeutung zu verhelfen.

Zahlen und Fakten
In Chile leben 16.598.000 Menschen. Das Land weist eine besondere Form auf. Es gibt kein Land, das ähnlich lang und schmal ist wie Chile.

Die wichtigste Religion des Landes ist die katholische. Etwa 70% der Bevölkerung praktizieren diesen Glauben. Der Name Chile leitet sich vom Wort trih oder chi ab, einem Mapuche-Wort, mit dem ein Vogel bezeichnet wird, der gelbe Flecken auf seinen Flügeln hat.

Landessprache ist Spanisch, in Chile auch Castellano genannt. Es wird ohne regionale Dialekte gesprochen. Andere lebende Sprachen, die in eingeschränkten Gebieten gesprochen werden, sind "Mapudungún" (eine Sprache des Mapuche-Volkes), "Rapa Nui" (auf der Oster-Insel) und "Aymara" (in den Bergen im Norden).