RÜCKBLICK AUF DAS TURNIER – 2016 war ein denkwürdiges Jahr für den nordkoreanischen Fussball. Wenige Wochen nach dem Titelgewinn der U-17-Auswahl in Jordanien triumphierte die Mannschaft von Hwang Yong Bong auch bei der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Papua-Neuguinea 2016. Von einem "historischen Erfolg, den es so noch nie gegeben hat", sprach der Trainer nach dem Endspiel gegen Frankreich. "Ich bin sehr glücklich über das Erreichte, aber es darf keinen Stillstand geben. Wir müssen weiter daran arbeiten, Titel zu gewinnen", so Bong weiter.

Mit 21 Toren stellte die DVR Korea die überragende Offensive des Turniers. Sie bot erfrischenden Angriffsfussball, die Spielerinnen agierten mit bemerkenswerter Konstanz. Hinzu kam eine beeindruckende mentale Stärke, mit der die Mannschaft auch schwierige Situationen zu meistern wusste – etwa im Viertelfinale gegen Spanien oder im Halbfinale gegen die USA, als die Partien in die Verlängerung gingen, oder im Endspiel, als Frankreich früh in Führung ging.

Da sahen sich die Französinnen wohl schon mit einer Hand an der Trophäe, doch dann kam die nordkoreanische Pressing-Maschine in Gang. "Der Tank war leer", fasste Frankreichs Trainer Gilles Eyquem die Niederlage trefflich zusammen. Schon in der Vorrunde hatten sich seine Bleuettes in Gruppe C schwer getan und waren mit zwei Unentschieden und einem Sieg wenig souverän weiter gekommen. Im Viertelfinale gegen Deutschland mussten sie dann zittern und im Halbfinale konnte Japan erst in der Verlängerung niedergerungen werden. Am Ende musste Frankreich diesem anstrengenden Turnierverlauf Tribut zollen.

"Positiv ist, dass wir auf so gute Mannschaften getroffen sind", fand Eyquem. "Das ist eine wertvolle Erfahrung für die Spielerinnen, die sie, wie ich hoffe, in die A-Nationalmannschaft einbringen können." In der Tat konnten sich Spielerinnen wie Delphine und Estelle Cascarino, Mylène Chavas, Hawa Cissoko oder Grace Geyoro für eine Zukunft bei den Bleues empfehlen.

Japan kann sich trösten, Deutschland und die USA nicht
Japan wurde Turnierdritter, die USA Turniervierter und doch fiel die Bewertung des jeweiligen Abschneidens höchst unterschiedlich aus. Von einem Rückschlag gegen Spanien abgesehen, gab sich Japan auf seinem Weg ins Halbfinale keinerlei Blöße. In der Vorschlussrunde zerschellte der fantastische Kombinationsfussball allerdings an der überaus soliden französischen Defensive. Dennoch bleibt festzuhalten, dass sich die Mannschaft von Asako Takakura, die mit 16 Toren den zweitbesten Angriff des Turniers stellte, nahtlos einreihte in die Tradition des japanischen Frauenfussballs, der zum Besten zählt, was die Welt derzeit zu bieten hat. Takakura, die zugleich die Nadeshiko genannte A-Nationalmannschaft trainiert, hat jetzt schon die Gewissheit, mit Yuka Momiki, Mami Ueno und Hina Sugita künftige Spielerinnen für den Seniorenbereich in der Hinterhand zu haben.

Weit weniger positiv fällt das Fazit beim dreimaligen Turniersieger USA aus, für den in Papua-Neuguinea einige Gewissheiten ins Wanken gerieten. Schon in der Vorrundengruppe C taten sich die Stars and Stripes schwer. Im Viertelfinale gegen Mexiko wurde es nicht wirklich besser und in der Vorschlussrunde gegen die DVR Korea war dann Endstation. Zum Lichtblick taugten allenfalls die individuellen Leistungen von Mallory Pugh, die ihrer Mannschaft auch in schwierigen Situationen voran ging und damit bestätigte, dass sie eine Weltklassespielerin werden kann.

Die überzeugendsten Teams
Von den Mannschaften, die über die Vorrunde hinaus kamen, überzeugte Mexiko insbesondere mit seinem fulminanten Angriffsduo aus der pfeilschnellen Maria Sanchez und der zweikampfstarken Kiana Palacios. Spanien kann sich damit trösten, den Nordkoreanerinnen im Viertelfinale das Leben tüchtig schwer gemacht zu haben und ansonsten in Gruppe B endlich einen Sieg gegen Angstgegner Japan gelandet zu haben.

Ein fader Beigeschmack bleibt hingegen für Titelverteidiger Deutschland, der nach tadelloser Vorrunde in Gruppe D schon im Viertelfinale gegen Frankreich ausschied. Die Brasilianerinnen wiederum zeigten bei aller individuellen Klasse Schwächen im Zusammenspiel, wie es auf der anderen Seite gerade die asiatischen Mannschaften in Perfektion zelebrierten.

Afrika enttäuscht, Gastgeber lernt
Die vielleicht größte Enttäuschung der Vorrunde war Nigeria, das seinem Nimbus als Finalist von Kanada 2014 nie gerecht werden konnte. Das lag auch und vor allem an einem katastrophalen Auftakt, den unterm Strich auch zwei Siege danach nicht mehr wettmachen konnten. Auch Ghana musste schon nach drei Spielen mit einer Niederlage und zwei Unentschieden die Koffer packen.

Die Gastgeberinnen konnten derweil feststellen, was und wie viel sie noch von der Weltspitze trennt. Für Papua-Neuguinea gab es drei deutliche Niederlagen mit insgesamt 22 Gegentoren. Einen Lichtblick gab es jedoch: den zwischenzeitlichen Ausgleich von Nicollete Ageva gegen die DVR Korea nach einer Viertelstunde. Die überschwängliche und mit allen geteilte Freude der Stürmerin über dieses historische Tor gehört zu den bleibenden Bildern des Turniers. "Das war unser Ziel für dieses Spiel: für uns und für ganz Papua-Neuguinea ein Tor zu schießen", erklärte sie hinterher freudestrahlend bei FIFA.com. Für manches Mädchen im Land mag das eine Initialzündung gewesen sein. Die Zukunft wird es zeigen.

Darüber hinaus bot das Turnier auch Gelegenheit, sich für Botschaften wie die Kampagne #ENDviolence stark zu machen, die sich die Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Kinder verschrieben hat. Auch das Programm zur Einbindung von Freiwilligen war ein großer Erfolg, der eine nachhaltige Zukunft für Papua-Neuguinea verspricht.

Teilnehmer
Brasilien, Deutschland, DVR Korea, Frankreich, Ghana, Japan, Kanada, Mexiko, Neuseeland, Nigeria, Papua-Neuguinea, Republik Korea, Schweden, Spanien, USA, Venezuela

Abschlusstabelle
1. DVR Korea
2. Frankreich
3. Japan
4. USA

Stadien (Port Moresby)
Sir John Guise Stadium, Bava Park, PNG Football Stadium, National Football Stadium

Erzielte Tore
113 (Durchschnitt pro Spiel 3,53)

Erfolgreichste Torjägerinnen
Goldener Schuh von adidas: Mami Ueno (JPN) (5 Tore, 2 Vorlagen)
Silberner Schuh von adidas: Gabi Nunes (BRA) (5 Tore, 1 Vorlage)
Bronzener Schuh von adidas: Stina Blackstenius (SWE) (5 Tore, 0 Vorlagen) 

Individuelle Auszeichnungen
Goldener Ball von adidas: Hina Sugita (JPN)
Silberner Ball von adidas: Kim So Hyang (PRK)
Bronzener Ball von adidas: Delphine Cascarino (FRA)
Goldener Handschuh von adidas: Mylène Chavas (FRA)

FIFA Fairplay-Preis: Japan

Zuschauer
159.099 (Durchschnitt pro Spiel: 4.972)