Hyang Sim Sung kommt in diesem Herbst kaum zur Ruhe. Ende Oktober holte sie bei der U-17-Frauen-WM in Jordanien den Titel mit Korea DVR und erhielt mit dem Gewinn des Silbernen Balles von adidas weltweite Anerkennung. Zudem wurde sie bei drei ihrer sechs Einsätze zur Live-Your-Goals-Spielerin der Partie gewählt.

Gerade einmal zehn Tage blieben ihr nach der Rückkehr in ihre Heimat Pjöngjang, ehe die Angreiferin schon wieder aufbrach, um mit dem älteren Jahrgang bei der FIFA U-20-Frauen-WM in Papua-Neuguinea den nächsten Triumph in Angriff zu nehmen. Bislang läuft auf dem Weg zum Titel alles nach Plan. Die Gruppenphase überstanden die Nordkoreanerinnen neben Deutschland als einziges Team souverän mit drei Siegen.

Sung kam bislang in zwei Spielen zum Einsatz und erzielte gegen den Gastgeber (7:1) einen Treffer. "Ich will immer ein Tor erzielen. Wenn ich auf dem Spielfeld stehe, gebe ich alles für die Mannschaft und hoffe, selbst zu treffen oder die entscheidende Vorlage beizusteuern." Mit ihrer Schnelligkeit spielte sie die gegnerischen Abwehrreihen trotz ihres jungen Alters bereits das ein oder andere Mal schwindelig - zu wenig findet die Stürmerin, die mit ihren Leistungen in Jordanien natürlich sehr zufrieden ist, aber selbstkritisch eingesteht. "Hier bei der U-20-Frauen-WM muss ich mich noch verbessern. Ich hoffe, dazu bekomme ich die Gelegenheit." Vielleicht schon Donnerstag gegen Spanien, einem "der besten Teams der Welt".

Der Regen bleibt im Gedächtnis

Mit gerade einmal 16 Jahren ist Sung die zweitjüngste Spielerin im nordkoreanischen Kader, lediglich Ersatztorhüterin Ok Kum Ju, die ebenfalls in Jordanien dabei war, ist vier Monate jünger. Dennoch haben nur wenige Spielerinnen mehr Erfahrung als die Angreiferin. Bereits 2014 gab sie bei der U-17-Frauen-WM in Costa Rica ihr Debüt. Dort allerdings schieden die Asiatinnen in der Vorrunde aus. "Damals war ich schon sehr aufgeregt und hatte viel Respekt und Angst vor den anderen Teams - besonders vor den europäischen Mannschaften mit ihren großen Spielerinnen", erinnert sich Sung gegenüber FIFA.com an ihre Anfänge auf der großen Bühne. "Aber inzwischen weiß ich, dass wir jedes Team der Welt schlagen können."

Seitdem ist Nordkoreas Nummer 2, die meist über den rechten Flügel angreift, reifer und erfahrener geworden und hat zum zweiten Mal in Folge an der U-16-Asienmeisterschaft teilgenommen. Nachdem sie bei der Auflage 2013 vier Treffer erzielte und mit ihrer Mannschaft die Silbermedaille gewann, erzielte sie beim Turnier in der VR China zwei Jahre später drei Treffer und durfte nach dem Finalerfolg gegen Japan die begehrte Trophäe in den Himmel recken. Es folgte der ultimative Höhepunkt mit dem WM-Triumph im Nahen Osten und das Ticket zum weltweiten Gipfeltreffen der U-20-Frauen.

Auch in dieser Turnierserie gehört Korea DVR neben Deutschland und den USA zu den stärksten Nationen. Vor exakt zehn Jahren holte das Team um Kim Song Hui und Jo Yun Mi den Titel. Damals war Sung gerade einmal sechs Jahre alt und dennoch hat sie die ein oder andere Erinnerung an die Auflage 2006 in Russland - besonders der starke Regen im Finale gegen China VR sei ihr im Gedächtnis geblieben, verrät sie mit einem Lächeln.  

Regen gab es in den vergangenen zwei Turnierwochen in Papua-Neuguinea zwar keinen, aber Sung wird gemeinsam mit ihren Teamkolleginnen sicherlich alles dafür tun, damit am Finaltag am 3. Dezember fernab des Endspielortes Port Moresby andere junge Mädchen dank eines nordkoreanischen Erfolges inspiriert werden und so eine neue Generation von nordkoreanische Spitzenspielerinnen auf den Weg gebracht wird.