Die Stürmerinnen der USA mögen zwar bei der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft 2016 die Schlagzeilen bestimmen, doch hinter jeder Erfolgsgeschichte verbirgt sich unweigerlich auch eine unbesungene Heldin. Im aktuellen Team der Stars and Stripes könnte Emily Ogle diese Person sein.

Im Vorfeld der WM 2016 in Papua-Neuguinea war Ogle zeitweise Spielführerin. Sie ist ein entscheidender Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld, verteilt die Bälle, wenn ihr Team in Ballbesitz ist, und macht die Räume eng, wenn man sich in der Defensive befindet. Sie selbst sieht ihre größten Stärken darin, dass sie "technisch versiert, analytisch und kampfstark" ist. Perfekte Eigenschaften für die Rolle eines Mittelfeldankers. Ogle hat sich die Aufgaben im defensiven Mittelfeld während der WM in Papua-Neuguinea bislang mit Katie Cousins geteilt und agiert in der Raute manchmal auf einer etwas vorgezogeneren Position.

Die Spielerin ist in Strongsville (Ohio) aufgewachsen und hatte früher Poster der U.S.-Ikonen Mia Hamm und Brandi Chastain an der Wand hängen. Schon damals träumte sie davon, es selbst im Fussball einmal weit zu bringen. Jetzt, über ein Jahrzehnt später, lebt sie ihren Traum und spielt Seite an Seite mit den weltbesten Spielerinnen ihrer Altersklasse. "Es war schon immer mein Traum, eines Tages für die Nationalmannschaft der USA zu spielen und bei einer WM dabei zu sein", so Ogle im Gespräch mit FIFA.com. "Es ist schon toll, dass ich jetzt tatsächlich hier bin und auch meine Eltern kommen konnten."

Tatsächlich trafen Ogles Eltern gerade rechtzeitig ein, um den denkwürdigen 2:1-Sieg der USA gegen Mexiko zu sehen, nachdem das Team anfänglich in Rückstand geraten war. Sie haben ihre Tochter bei diesem Anlass zum ersten Mal im Trikot der USA spielen sehen. "Ich bin so froh, dass sie mich spielen sehen konnten. Das war eine ganz emotionale Angelegenheit", meint Ogle. "Es war nicht einfach für sie, hierher zu kommen, weil ich zu Hause noch vier Brüder habe."

Bescheidenheit und Hartnäckigkeit
Ogle ist bei diesem Turnier eine von sechs Spielerinnen von der Penn State University – einer Institution, die für die Qualität und Quantität ihrer Fussballtalente bekannt ist. Mit Laura Freigang besucht sogar eine der deutschen Nationalspielerinnen, die 2016 in Papua-Neuguinea dabei sind, diese Universität.

Ogle, die im Hauptfach Kinesiologie studiert, möchte nicht viele Worte über ihre Führungsrolle im Team verlieren. "Jeden Tag übernehmen viele von uns Führungsrollen, aber ich habe Spaß daran und versuche, einer solchen Rolle gerecht zu werden", so Ogle. Man bekommt den Eindruck, dass die Spielerin Bescheidenheit bereits mit der Muttermilch aufgesogen hat.

Dennoch gibt es keinen Zweifel daran, dass dieses U.S.-Team mental ungemein stark ist. Der dreimalige Weltmeister war nur zehn Minuten vom Ausscheiden entfernt und fand dann doch noch einen Weg, das Viertelfinale gegen Mexiko für sich zu entscheiden. Zuvor hatte man bereits beim Unentschieden gegen Ghana in der Gruppenphase einen Rückstand aufgeholt.

"Wir wollen immer das Bestmögliche herausholen", erklärt Ogle, als wir sie nach der Einstellung des Teams fragen. "Wir glauben immer, dass wir gewinnen können, und die Partie [gegen Mexiko] war ein perfektes Beispiel dafür. Mit unserer Spielweise und der Mentalität der USA können wir uns durchboxen und das gewünschte Ergebnis erreichen."

Ogle spielt bereits seit 2010 für die Nationalteams der USA. Damals fing sie in der U-14-Auswahl an. Allerdings verpassten die Amerikanerinnen die Qualifikation für die FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2014, sodass Ogle erst jetzt zu ihrem ersten Auftritt auf der Weltbühne kommt.

"Das war bislang ein verrücktes Erlebnis, es ist wirklich toll", so die 20-Jährige weiter. "Für die meisten von uns ist dies das erste große Turnier. Aber noch ist es nicht zu Ende, und wir sind gespannt auf das nächste Spiel."

"Alle waren hier so nett und freundlich. Jeder winkt einem zu. Das ist wirklich cool, und man kommt nicht jeden Tag an Orte wie diesen. Ich finde, wir haben alle großes Glück, dass wir Länder wie dieses bereisen und gemeinsam mit unseren Teamkameradinnen die Welt sehen können."