Es war die 106. Minute im ersten Viertelfinalspiel der FIFA U-20-Frauen-WM 2016. Man merkte den Teams aus Korea DVR und Spanien im National Football Stadium von Port Moresby den Kräfteverschleiß an, denn die Anzahl der Fehlpässe häufte sich zunehmend. Da fasste sich Kim Phyong Hwa ein Herz. Eine zu kurz geratene Faustabwehr von Spaniens Torhüterin Mariasun nahm die Angreiferin mit der Brust an, lief zwei Schritte und schlenzte das runde Leder aus 18 Metern flach ins untere Eck – 3:2 für die Nordkoreanerinnen. Das Halbfinale war erreicht!

"In diesem Moment musste ich mich entscheiden, ob ich lieber dribbeln oder schießen will. Normalerweise mag ich es, mit dem Ball nah am Fuß zu agieren und den Gegner auszuspielen. Diesmal aber war der Schuss genau das Richtige", so die Matchwinnerin nach dem Spiel gegenüber FIFA.com.

Dass es überhaupt so weit kommen musste, war durchaus überraschend. 2:0 lagen die Nordkoreanerinnen durch Ju Hyo Sim (18.) und Ri Hyang Sim (30.) nach einer halben Stunde in Führung. Zwar zeigte sich Rojita über die gesamte Spielzeit auf Augenhöhe, doch die Erfahrung sprach klar für Korea DVR, schließlich waren die Spanierinnen noch nie zuvor in die K.o.-Phase in dieser Turnierserie eingezogen.

Nach dem zweiten Gegentreffer schien der Vize-Europameister tatsächlich ein wenig angeschlagen, ehe Nahikari Garcia den Anschluss erzielte und ihrem Team damit wieder neue Hoffnung gab (38.). Mitte der zweiten Halbzeit mussten die Asiatinnen durch Lucia Garcia sogar den 2:2-Ausgleich hinnehmen – verdient, denn die Asiatinnen wackelten, auch wenn Kim verrät, dass "wir dennoch immer an uns geglaubt haben". Ob das am Ende der Schlüssel zum Sieg war?

Nichtsdestotrotz sieht sie ihre Leistung äußerst kritisch, genau wir ihr Trainer Hwang Yongbong. "Wir haben gerade in der zweiten Halbzeit nicht gut gespielt. Dennoch war ich mir sicher, dass wir ein Tor mehr schießen würden als Spanien. Vor der Verlängerung habe ich meinen Spielerinnen gesagt, dass wir uns bis zum Abpfiff zu 100 Prozent konzentrieren müssen. Dann werden wir die Chancen bekommen und treffen."

Nordkoreas Nummer 11 spielt in Papua-Neuguinea bereits ihre dritte Weltmeisterschaft. 2012 und 2014 hatte sie bereits mit der U-17- bzw. U-20-Auswahl ihres Landes die internationale Bühne betreten und wertvolle Erfahrungen gesammelt. "Natürlich hilft es einem, wenn man so etwas schon erlebt hat und bestimmte Situationen kennt. Dann wird man nicht so schnell nervös."

Beide Male übrigens gab es für die Asiatinnen gegen Frankreich im Finale sowie im Spiel um Platz drei bittere Niederlagen. Vor allem das 6:7 nach Elfmeterschießen im Endspiel von Baku hinterließ eine schwere Enttäuschung. Ein Wiedersehen mit den Europäerinnen könnte es auch in Port Moresby geben – und zwar im Finale am 3. Dezember. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Die Bleuettes kämpfen am Freitag gegen Titelverteidiger Deutschland erst einmal um den Einzug in die Runde der letzten Vier. Die Nordkoreanerinnen sind seit heute bereits einen Schritt weiter und treffen am kommenden Dienstag (29. November) in der Vorschlussrunde auf Mexiko oder die USA.

"Ich bin sehr glücklich, dass das Turnier für uns weiter geht. Wir wollen die hohen Erwartungen und Hoffnungen aller Nordkoreanerinnen erfüllen - und das hoffentlich mit dem Titel", so Kim.