Die Ernüchterung im deutschen Lager ist groß, nachdem das zweite Gruppenspiel bei der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft 2008 in Chile gegen Japan überraschend mit 1:2 verloren ging. Nun trifft das Team von Maren Meinert in der letzten und entscheidenden Vorrundenpartie auf Kanada. Gegen die Ahornblätter muss am Donnerstag in Coquimbo mindestens ein Unentschieden her, um die vorzeitige Heimreise zu verhindern.
Eine der wenigen, die sich gegen die starken Asiatinnen in Normalform präsentierte, war Alisa Vetterlein. Die 20-jährige Keeperin in Diensten des 1. FFC Frankfurt nahm sich Zeit für ein Gespräch mit FIFA.com und präsentierte sich ebenso selbstbewusst wie zuversichtlich.
Alisa, blickt Ihr noch mit Wut zurück auf die Niederlage gegen Japan, oder dreht sich jetzt alles nur noch um das entscheidende Duell mit Kanada?
Wut verspürt man schon, weil wir innerhalb von 90 Minuten einfach so viele Fehler gemacht und den Japanerinnen damit drei Punkte ermöglicht haben. Aber wir wollen jetzt nur noch eines: Eine Trotzreaktion, denn gegen die Kanadierinnen zählt einzig und alleine das Resultat. Und das werden wir auch zeigen.
Kanada ist immerhin Meister der Nord-, Mittelamerika- und Karibik-Zone. Das ist ein richtig schwerer Brocken...
Vollkommen richtig. Wir haben uns selbst mit dem Rücken an die Wand gestellt, jetzt müssen wir auch selbst wieder aus dieser Situation herauskommen. Natürlich ist es keine leichte Aufgabe für uns, aber ich bin überzeugt davon, dass wir weiterkommen.
Gegen die kleinen, quirligen und technisch starken Japanerinnen habt Ihr genauso wie Kanada den Kürzeren gezogen. Die Kanadierinnen spielen einen ganz anderen Stil, sie sind körperlich deutlich stärker. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil für Euch?
Wir sind flexibler, davon bin ich überzeugt. Ich denke, es kommt uns entgegen, dass Kanada ein robuster Gegner ist, gegen den wir von Anfang an volle Power geben müssen. Im Nachhinein betrachtet war die Niederlage gegen Japan vielleicht sogar der Schuss vor den Bug zur rechten Zeit. Einen günstigen Zeitpunkt für einen Weckruf wird es nie geben, aber von allen ungünstigen war das zweite Gruppenspiel eventuell noch der beste.
Du hast gegen Japan in einigen Situationen mit absoluten Klasseparaden sogar einen noch höheren Rückstand verhindert. Wie ist Deine Rolle im Team, und wie baust Du Deine Mannschaftskolleginnen wieder auf?
Ich kann meine Mannschaft nur so lange wie möglich im Spiel halten, Anweisungen geben und immer wieder motivieren. Jetzt ist es aber auch meine Aufgabe, immer mal wieder den jüngeren Spielerinnen auf die Schulter zu klopfen und zu sagen: 'Auf geht's, Kopf hoch. Jetzt erst recht!'
Habt Ihr das Gefühl, dass nach der Japan-Niederlage jetzt mehr Druck aus der Heimat kommt?
Ein bisschen bekommt man schon von Zuhause mit, aber es ist jetzt nicht so, dass wir unnötigen zusätzlichen Druck mitschleppen, denn Druck haben wir sowieso schon. Fakt ist, dass wir zu viele Fehler gemacht haben. Das wissen wir. Und wir werden es besser machen.
Eure ersten beiden Gruppenspiele fanden in La Florida statt, Euer Teamhotel war direkt in Santiago. Nun seid Ihr knapp 500 Kilometer weiter nördlich nach Coquimbo gereist. Wie ist das Gefühl, nun was Neues zu sehen?
Wir haben nun Abwechslung. Zudem spielen wir auf Naturrasen, obwohl ich sagen muss, dass der Kunstrasen in La Florida super ist. Aber ab und an tut was Neues schon gut, ganz klar. Wichtig ist, dass wir gegen Kanada punkten, ansonsten zählt gar nichts. Das Spiel der Kanadierinnen wird uns entgegenkommen, deshalb bin ich auch überzeugt, dass wir es schaffen werden.
