Der Trainer der brasilianischen U-20-Frauen-Nationalmannschaft sieht sich mit großen Herausforderungen konfrontiert, die angesichts der bevorstehenden FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Chile 2008 nicht einfacher werden. Nachdem Kleiton Limas Vorgänger Jorge Barcellos beim Turnier 2006 in Russland die Bronzemedaille gewonnen hatte, sind die Ansprüche in Brasilien naturgemäß sehr hoch.

Das Debüt von Kleiton Lima, der Barcellos im Januar dieses Jahres abgelöst hatte, könnte nicht verheißungsvoller sein. Es ist ihm gelungen, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen, die die Südamerika-Meisterschaft nach Belieben dominierte und somit eindrucksvoll ihre Titelambitionen untermauerte.

"Der Konkurrenzkampf wird bei dieser Weltmeisterschaft besonders intensiv sein. Unsere Gruppe ist zwar sehr ausgeglichen und stark, aber dennoch streben wir das Finale an. Es ist sehr wichtig, dass wir uns als eine der besten Mannschaften etablieren, denn nur so können wir die Arbeit weiterführen, die man in Brasilien in den Fussball steckt. Zudem wollen wir auch auf globaler Ebene an der Spitze des Frauen-Fussballs bleiben", sagte der brasilianische Trainer, der selbst als Profi in den USA aktiv war, wo er 1994 seine Liebe zum Frauenfussball entdeckte, im Gespräch mit FIFA.com.

"Mich hat vor allem die Power dieser Sportart in den USA beeindruckt. Als ich 1995 nach Brasilien zurückkehrte, gründete ich eine Frauenfussballschule in Itanhaém (an der Küste von São Paulo), und zwei Jahre später engagierte mich der FC Santos als Assistenztrainer für seine Frauen-Abteilung. Seit 1999 bin ich Cheftrainer und in dieser Funktion konnte ich mit den Mädels bereits mehrere Titel auf regionaler, bundesstaatlicher und nationaler Ebene feiern. Seit Januar dieses Jahres betreue ich auch die U-20-Nationalmannschaft", erklärte er.

Mit diesen jungen Spielerinnen strebt er nicht nur ein ehrgeiziges gemeinsames Ziel an, sondern möchte sich dabei auch einer persönlichen Herausforderung stellen. "Die Erwartungshaltung ist enorm. Der Triumph bei der U-20-Südamerika-Meisterschaft war sehr wichtig, doch angesichts unserer Vormachtstellung in dieser Region nichts Außergewöhnliches. Nun möchten wir unser Potenzial in jedem Spiel zeigen, um die WM-Trophäe erstmals nach Brasilien zu holen. Für mich persönlich ist das eine große Herausforderung, doch nachdem ich bereits so viel Zeit in den Frauenfussball investiert habe, fühle ich mich ausreichend vorbereitet, um meine Mädchen zur Goldmedaille zu führen."

Die Erben einer ruhmreichen Historie
Die FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft diente bereits vielen Stars - z. B. Cristiane, Bárbara, Daniela Alves oder Marta - als Sprungbrett für eine große Karriere. Es ist daher naheliegend, dass man auch in der aktuellen Mannschaft nach Talenten sucht, die diesen hohen Ansprüchen gewachsen sind. "Jede Spielerin hat ihren eigenen Wert, und das gilt auch für diese Generation. Meine Truppe bringt die idealen Voraussetzungen mit, um ein gutes Turnier zu spielen. Es wäre jedoch ungerecht, sie bereits jetzt mit den Stars zu vergleichen. Ich bin davon überzeugt, dass auch dieses Mal einige Spielerinnen den Durchbruch schaffen werden. Diese werden jedoch andere Eigenschaften haben und können daher nicht mit Marta, Cristiane oder Daniela verglichen werden", stellte der Trainer klar.

"Unabhängig vom Erfolg Brasiliens bei früheren Weltmeisterschaften weiß jede Spielerin im Team ganz genau, dass die Erwartungshaltung sehr hoch ist. Wer in dieser Mannschaft spielt, trägt eine große Verantwortung, denn Brasilien will immer zu den Besten der Welt zählen. Wir bereiten uns sehr gut auf die WM vor, denn wir wissen um den Druck, den es im brasilianischen Fussball gibt", fügte er hinzu.

Kleiton Lima möchte jedoch keine Spielerin als Führungspersönlichkeit hervorheben. "Wir haben viele sehr junge Spielerinnen, die sich ins Rampenlicht spielen können, aber auch einige Routiniers, die bereits bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen dabei waren, wie zum Beispiel Érika, die bereits zum dritten Mal an einer U-20-Weltmeisterschaft teilnimmt, oder auch Francielle [beide waren in Peking mit dabei]", sagte er.

Trotz einiger namhafter Ausfälle - wie jener von Torhüterin Bárbara, die nach ihrem Wechsel nach Italien darum bat, nicht mehr nominiert zu werden, oder jener von Stürmerin Fabiana, die verletzungsbedingt fehlen wird -, hält der Trainer seine Mannschaft für stark genug, um in der schwierigen Gruppe mit Norwegen, Mexiko und Korea DVR bestehen zu können. "Wir haben es hier mit drei unterschiedlichen Fussball-Philosophien zu tun, wobei alle drei Mannschaften ihre Spielweise perfekt beherrschen. Die Mexikanerinnen pflegen einen eher südamerikanischen Stil, während die Norwegerinnen was Technik und vor allem körperliche Stärke angeht den anderen Teams wohl voraus sind. Die Nordkoreanerinnen praktizieren ein sehr gutes Stellungsspiel und sind zudem wieselflink. Ich denke, unsere Gruppe ist die schwierigste von allen, denn alle Mannschaften haben das Potenzial, die nächste Runde zu erreichen."

Im Moment läuft alles nach Plan: Nach ihrer Ankunft in Chile feierten die Brasilianerinnen in einem Freundschaftsspiel gegen die Gastgeberinnen einen 3:0-Sieg. Die Stunde der Wahrheit kommt jedoch erst bei der Weltmeisterschaft, wenn man am 20. November auf Titelverteidiger Korea DVR trifft.