Das enorme Selbstvertrauen und die Entschlossenheit waren für den Halbfinaleinzug der jungen kolumbianischen Nationalmannschaft bei der erstmaligen Teilnahme an der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft von grundlegender Bedeutung. Ein ähnliches Kunststück war bis dato nur der DVR Korea, die bei der Weltmeisterschaft 2006 auf Anhieb den Titel holte und zwei Jahre später den zweiten Platz erreichte, und dem zweimaligen Vizeweltmeister China (2004 und 2006) gelungen.

Die Zwillingsschwestern Natalia und Tatiana Ariza sind der Inbegriff dieser Heldentat und des Kampfgeistes auf dem Platz und außerhalb davon. Natalia, die knappe fünf Minuten älter ist als ihre Schwester, bildet mit der Spielführerin Natalia Gaitán die Innenverteidigung, während Tatiana, die einen wichtigen Treffer der Cafeteras beim Viertelfinalsieg über Schweden erzielte, gemeinsam mit Yorely Rincón für den Spielaufbau und die Ballverteilung verantwortlich ist. "Die Disziplin und die Beständigkeit, die wir in den Trainingseinheiten erreicht haben, haben es uns ermöglicht, an der WM teilzunehmen und sogar das Halbfinale zu erreichen. Wir haben auf dem Platz und im Fitnesszentrum hart gearbeitet, um topfit nach Deutschland zu kommen. Wir haben nie an unseren Möglichkeiten gezweifelt. Unsere Gruppe war angesichts von Gegnern wie Deutschland und Frankreich sehr schwierig, doch wir haben uns für die nächste Runde qualifiziert", so Tatiana, die auf das bisher Erreichte sehr stolz ist.

"Doch wir wissen, dass wir noch nichts gewonnen haben. Das Wichtigste ist nun das Spiel gegen Nigeria. Wir werden versuchen, die Schnelligkeit und die starke Physis der Afrikanerinnen mit unserer Technik am Ball wettzumachen. Mit schnellem Kurzpassspiel und schönen Kombinationen konnten wir bereits einige Mannschaften besiegen, die uns körperlich und kräftemäßig überlegen waren. Wir haben guten Fussball zu bieten", fährt die jüngere der Ariza-Schwestern fort.

Natalia zeigt sich mit den bisherigen Leistungen der Mannschaft sehr zufrieden: "Unsere Eltern berichteten uns, dass die Menschen in Kolumbien von der Nationalmannschaft begeistert sind. Sie verfolgen alle Spiele und feuern uns an, als ob die A-Nationalmannschaft spielen würde. Und nun, da wir bereits im Halbfinale stehen, werden sie sicher noch begeisterter sein", betont die Abwehrspielerin, die sich auch zur Unterstützung der Fans in Deutschland äußerte: "Wir freuen uns riesig, dass so viele Kolumbianer, die hier leben, gekommen sind, um uns zu unterstützen. Sie haben uns ununterbrochen angefeuert und nun möchten wir, dass sie stolz auf uns sein können und uns in Erinnerung behalten werden."

Ein neues Ziel vor Augen
Seit dem Tag ihrer Geburt sind Natalia und Tatiana unzertrennlich. Sie waren von klein auf fussballbegeistert und spielen heute in der Liga von Bogotá. "Wir sind seit unserer Geburt zusammen. Wir können uns aufeinander verlassen, was eine große Hilfe für uns darstellt", sagen sie einhellig, "doch in dieser Mannschaft ist die Gruppe das Wichtigste".

Die Ariza-Zwillinge haben bereits zahlreiche Herausforderungen und Probleme gemeistert, wie etwa die Operation von Tatiana aufgrund eines Herzfehlers, und viele Erfolge gefeiert, wie zum Beispiel den Titel bei der U-17-Südamerikameisterschaft, den zweiten Platz beim kontinentalen U-20-Turnier oder die Teilnahme an der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft 2008. In naher Zukunft wartet auf die beiden eine neue Herausforderung in den USA, wo sie ein Stipendium erhalten haben und weiterhin Fussball spielen können. Doch bis es so weit ist, steht eine noch größere Herausforderung an: die Weltmeisterschaft 2010 in Deutschland.