Entschlossenheit und Spielfreude sind bei ihr in jeder Szene zu erkennen: Alexandra Popp gibt dieser Tage im Team der deutschen Nationalmannschaft die Richtung vor. Sieben Treffer hat die Stürmerin bei der FIFA U-20-Frauen-WM 2010 vor heimischer Kulisse bereits erzielt, und ihr Erfolgshunger ist noch lange nicht gestillt. Die Führende der Torschützenliste hat den WM-Titel ganz fest ins Visier genommen, weiß aber nur zu gut, dass auf dem Weg dorthin noch mehrere Hürden warten.
"Der Viertelfinalsieg gegen die Nordkoreanerinnen war sicherlich der bisher schwerste Schritt für uns. Nun gilt es, weiter äußerst konzentriert und vor allem hochmotiviert von Aufgabe zu Aufgabe zu blicken", erklärte die 19-jährige Ausnahmefussballerin vom deutschen Spitzenklub FCR Duisburg im exklusiven Gespräch mit FIFA.com, um hinzuzufügen: "Wir hoffen natürlich auf den Turniersieg. Aber wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, zu denken, dass wir sowieso alle packen. Es ist wichtig, dass wir weiterhin diszipliniert spielen. Wir haben schließlich Respekt vor jedem Gegner und das ist bei einem solchen Turnier auch wichtig."
"Wir haben uns definitiv gefunden"
Popp ist sich durchaus bewusst, dass der Gastgeber nach dem Ausscheiden von Korea DVR und Titelverteidiger USA die alleinige Favoritenrolle inne hat. Am Donnerstag trifft das Ensemble von Trainerin Maren Meinert im Halbfinalspiel in Bochum auf die noch nie zuvor so weit gekommenen Südkoreanerinnen. Und auch in der zweiten Partie der Runde der letzten Vier, die am gleichen Tag in Bielefeld ausgetragen wird, stehen sich mit Nigeria und Kolumbien zwei Teams gegenüber, die noch nie das Semifinale erreicht haben. Daher gilt es aus deutscher Sicht, eine gefährliche Gradwanderung zwischen Selbstvertrauen und hohen Erwartungen zu meistern.
Bange ist dem Champion von 2004 vor dieser Herausforderung jedoch nicht. "Es passt bei uns im Moment einfach im Zusammenspiel, sowohl vorne als auch hinten. Wir hatten zwischenzeitlich ein paar Durchhänger in unserem Offensivspiel, aber nun haben wir uns definitiv gefunden", blickt Popp voller Zuversicht auf das Kräftemessen mit der Republik Korea. Es wirkt ein bisschen so, als wisse man im deutschen Lager, dass man sich in der derzeitigen Top-Verfassung eigentlich nur selbst ein Bein stellen kann.
Von der Allrounderin zum Torgarant
Bemerkenswert ist bei diesem Treffen der Welt-Elite in Deutschland vor allem die Entwicklung von Popp selbst. Zwar konnte die blonde Allrounderin zuvor schon sechs Einsätze im A-Nationalteam ihres Heimatlandes für sich verbuchen, eine feste Position hatte sie bislang jedoch weder im Auswahltrikot, noch bei ihrem Klub. Popp wurde bereits in der Verteidigung und im Mittelfeld eingesetzt, verfügt dank ihrer Zweikampf- und Kopfballstärke sowie ihres Spielverständnisses und ihrer Beidfüßigkeit über zahlreiche Qualitäten. Aber angesichts ihrer beeindruckenden Torausbeute bei diesem Turnier scheint die sympathische Modelathletin nun unter Beweis gestellt zu haben, dass ihre Zukunft voraussichtlich im Angriff zu finden ist.
"Die Trainerin hat mir die Aufgabe gegeben, einfach das Spiel und die Mannschaft zu führen. Ich denke, im Moment mach ich das ganz gut. Das Team füttert mich gut und ich muss die Bälle eigentlich nur reinschieben", sagte Popp mit einem zufriedenen, aber dennoch weiter hochkonzentrierten Blick. "Ich habe mich schon im Vorfeld riesig auf diese WM gefreut, weil ich wusste, dass ich ein Team hinter mir habe, das sehr gut zusammenspielt. Das sieht man auch an den sieben Toren, die ich geschossen habe." Sollte es so weitergehen, könnte die deutsche Erfolgsstory, aber auch die der Alexandra Popp, durchaus im ganz großen Coup gipfeln.
