Ein Jahr vor der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2019™  wird in Frankreich die neunte Auflage der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft ausgetragen. Während das WM-Turnier der weltbesten A-Nationalteams der Frauen in neun Spielorten, die über das gesamte Land verteilt sind, über die Bühne gehen wird, finden sämtliche Begegnungen der FIFA Frauen-WM in der U-20-Kategorie in einer einzigen Region statt. Und es war es sicher kein Zufall, dass die Wahl dabei auf die Bretagne fiel.

Die im Westen Frankreichs gelegene Küstenregion zählt zweifellos zu den schönsten Gegenden des Landes. Doch über ihre reizvollen Landschaften, ihre geografischen Eigenheiten und ihre kulturelle Identität hinaus ist die Bretagne auch eine Region, die eng mit dem Fussball verbunden ist. Ein Blick auf Frankreichs höchste Spielklasse zeigt, dass die Bretagne dort zu den meistvertretenen Regionen gehört. Aktuell spielen mit Stade Rennes, dem FC Lorient und EA Guingamp gleich drei bretonische Klubs in der französischen Ligue 1. Außerdem wäre da noch Stade Brest, das regelmäßig zwischen der zweiten und ersten Liga hin und her pendelt. Und was den Frauenfussball anbelangt, zählt EA Guingamp ebenfalls zu den größeren Vereinen in Frankreich.

Es ist übrigens der Klub, in dem Griedge M'Bock Bathy, derzeit eines der größten Nachwuchstalente im französischen Frauenfussball, ihre Ausbildung erhielt. Die in Brest geborene heutige Abwehrspielerin von Olympique Lyon, die bei der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Aserbaidschan 2012 mit dem Goldenen Ball von adidas und bei der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2014 mit dem Silbernen Ball von adidas ausgezeichnet wurde, begann bei EA Guingamp mit dem Fusssballspielen. "In der Bretagne wird der Frauenfussball sehr geschätzt", sagte M'Bock Bathy unlängst vor einem Länderspiel der Bleues in Lorient der Sportzeitung L'Equipe. Zudem stammen auch Clarisse Le Bihan, Eugénie Le Sommer und Camille Abily, die sich in der französischen Nationalmannschaft längst einen Namen gemacht haben, aus der Bretagne – und sie alle sind stolz darauf.

Die Bretagne im Kurzporträt
Die Bretagne ist eine von insgesamt 26 französischen Regionen. Sie besteht aus vier Départements: Côte d'Armor, Finistère, Ille-et-Vilaine und Morbihan, in denen 3,1 Millionen Menschen (rund fünf Prozent der französischen Gesamtbevölkerung) leben. Die im Norden an den Ärmelkanal und im Süden an den Atlantischen Ozean grenzende Region ist vor allem wegen ihrer traumhaften Küstenlandschaften bekannt. Ihre Küste erstreckt sich über eine Länge von 1.100 km. Rechnet man die vielen vorgelagerten Inseln hinzu, erreicht die Gesamtlänge der Küsten fast das Doppelte. Im Übrigen macht die Bretagne mit über tausend mittelgroßen und kleineren Inseln 70 Prozent der Inselgebiete des französischen Kernlandes aus.

Überdies gibt es in der Bretagne legendäre Orte wie den sagenumwobenen Wald von Brocéliande oder die im regionalen Naturpark Armorique gelegene Gemeinde Huelgoat. Auch kulinarisch hat die Bretagne Einiges zu bieten. Dazu zählen Spezialitäten wie Crêpes, Galettes, Cidre oder der typisch bretonische Kuchen namens Kouign amann. Ebenso berühmt sind die traditionsreichen Musik- und Tanzfestivals wie das Festival des Vieilles Charrues, die Transmusicales oder die Fest-Noz-Events. Dadurch wird diese Region, die einst von Kelten besiedelt wurde, auch bei Touristen immer beliebter. Bei all dem verweisen die Bretonen voller Stolz darauf, dass sie ihren ursprünglichen Wurzeln, aus denen sie ihre starke Identität beziehen, nach wie vor treu sind.

Hätten Sie's gewusst?

  • Aus der Bretagne kommen zahlreiche große Namen des französischen Fussballs. Neben den bereits genannten Spielerinnen wurden Yoann und Christian Gourcuff, Paul Le Guen, Corentin Martins und Stéphane Guivarc'h ebenso in der Bretagne geboren wie der prominente argentinische Angreifer Gonzalo Higuain, der im bretonischen Brest das Licht der Welt erblickte.
  • Nantes gehört verwaltungsmäßig seit 1941 nicht mehr zur Bretagne. Die Abspaltung beruhte auf der starken Rivalität zwischen Rennes, dem neuen Verwaltungszentrum der Bretagne, und der früheren Regionshauptstadt Nantes. Bis heute nutzen die Fans nahezu jedes Duell zwischen den Klubs der beiden Städte, das mittlerweile als "Bretonisches Derby" oder "Derby des Westens" bezeichnet wird, um an die historische Abspaltung zu erinnern.
  • Im Gegensatz zu den Frauen des SC Saint-Brieuc, die 1989 die französische Meisterschaft gewannen, kam bei den Männern bislang kein einziger bretonischer Klub zu nationalen Meisterehren. Lediglich im französischen Pokal konnten die Vereine aus der Bretagne einige Titelgewinne feiern. Den Anfang machte Stade Rennes (1965 und 1971). Danach folgten der FC Lorient (2002) und EA Guingamp (2009).
  • Mit 150.000 organisierten Fussballern in über 1.000 Vereinen weist die Bretagne im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl eine überdurchschnittlich hohe Dichte an Aktiven auf.
  • Außerdem verfügt die Region Bretagne mit der Mannschaft des Fussballverbandes der Bretagne (BFA), über eine eigene Profiauswahl. Das inoffizielle Auswahlteam aus Spielern, die in der Bretagne geboren wurden oder von dort stammen, steht unter der Schirmherrschaft des Fussballverbandes der Bretagne (BFA). Bisher spielte die Regionalauswahl unter anderem am 21. Mai 1998 gegen Kamerun, am 20. Mai 2008 gegen die Republik Kongo, am 21. Mai 2010 gegen Togo und am 2. Juni 2011 gegen Äquatorial-Guinea. Aktuell wird die bretonische Auswahl von keinem Geringeren als dem französischen Ex-Nationaltrainer Raymond Domenech betreut.