Jeder linksfüßige Spielmacher, der technisch versiert ist, Zug zum Tor hat und aus der Nachwuchsabteilung des FC Envigado hervorgeht, wird unweigerlich mit James Rodríguez verglichen. 

Allerdings treffen all diese Attribute nicht gerade auf viele Spieler zu. Nur ein einziger fand kürzlich in einem Buch über den Kolumbianer mit der Rückennummer zehn Erwähnung. "In Antioquia sind über 3000 Fussballmannschaften registriert. Alle Spieler wollen James sein. Einige wenige werden sich zu Stars entwickeln. Ich werde auf Yadir Meneses aufmerksam gemacht, einen Mittelfeldspieler…", schreibt Nelson Padilla, Autor der Biografie 'James, su Vida'.

Wir wollten wissen, was der Protagonist selbst dazu meint. "Ich wusste überhaupt nichts davon. Das kommt für mich völlig überraschend", erklärt Meneses in Bogotá am Mikrofon von FIFA.com. In Kürze wird er mit der kolumbianischen Nationalmannschaft zu einem Vorbereitungsturnier für die FIFA U-17-Weltmeisterschaft Indien 2017 reisen.

"Mir wurde immer gesagt, wir hätten ähnliche Eigenschaften, ich sei ihm ähnlich. Ich bewundere ihn, auch wenn ich ihn noch nicht persönlich kenne", fügt der Spieler hinzu, der am 1. April 2000 geboren wurde.

Ein solcher Vergleich kann unter Umständen zur Belastung werden. "Ich sehe das nicht als Druck an, sondern als Lob. Wir wissen alle, welche Rolle James für Kolumbien spielt. Das ist eine Motivation", erklärt er ohne zu zögern.

Auch als wir ihn nach seinen Vorbildern fragen, kommt die Antwort prompt. Außer James und Giovanni Moreno, einem weiteren linksfüßigen Spielmacher aus der Talentschmiede von Envigado, der mittlerweile in China spielt, nennt er noch einen ganz großen Namen: "Juan Román Riquelme".

"Ich habe ihn spielen sehen, als ich zehn oder zwölf Jahre alt war, und war begeistert von seiner Spielweise. Mir hat seine Intelligenz beim Spiel mit dem Ball gefallen, vor allem aber, wie er die Geschicke des Teams gelenkt hat. Ich sehe mir noch heute Videos von ihm an."

"Mit schönem Spiel gewinnen"
Langsam machen wir uns ein Bild von dem Spieler, der "als Profi anerkannt und anders" sein möchte, "nicht nur einer von vielen."

Anschließend führt er näher aus, was er damit meint. "Mir gefällt die Rolle der Nummer zehn als Vorlagengeber, denn das ist die Aufgabe des kreativen Mittelfeldspielers. Er kann Tore schießen, sollte aber auch Pässe durchstecken. Er muss sich in den Dienst der Mannschaft stellen."

Meneses stieß erst nach der U-17-Südamerikameisterschaft zu der Mannschaft, die sich auf die WM dieser Altersklasse vorbereitet. "Dadurch bin ich etwas im Hintertreffen, aber es ist eine schöne Herausforderung, dass ich für etwas so Großes berücksichtigt werde. Die Nationalmannschaft ist ein Segen."

Weil er erst so spät dazu gestoßen ist, trägt er nicht sein Lieblingstrikot mit der Rückennummer zehn. "Das hat ein Spieler, der schon seit der U-15 dabei ist, und ich respektiere das." Stattdessen trug er beim ersten Training das Shirt mit der Nummer acht, das auch Riquelme seinerzeit außer der Nummer zehn in der Nationalmannschaft getragen hat. "Das war purer Zufall", erklärt er.

Kein Zufall ist allerdings das hoch gesteckte Ziel für die WM 2017 in Indien. "Wir wollen die WM gewinnen und dabei gut spielen. Nicht schlecht oder irgendwie spielen. Darauf arbeiten wir hin."

Yadir Meneses im Kurzprofil

  • Andere Fussballer in der Familie? "Ich habe einen älteren Bruder, aber der spielt nur zum Spaß. Er kritisiert mich immer, aber ich bin ihm dankbar dafür."
  • Seine Traumliga? "Die englische. Sie ist nicht so vorhersagbar wie andere große europäische Ligen." 
  • Traummannschaft? "Liverpool. Wegen des Stadions und der Fangemeinde."
  • Lieblingsbeschäftigung in der Freizeit? "Fussball an der Playstation. Ich trete mit Liverpool an und jetzt auch mit Bayern München, weil James dort spielt."

Hätten Sie's gewusst?
Kolumbien hat gerade ein Vier-Nationen-Turnier in Mexiko bestritten, bei dem drei weitere WM-Teilnehmer vertreten waren. Das Team belegte nach einem 3:3 gegen Chile, einem 3:0 gegen Indien und einem 4:4 gegen Mexiko den zweiten Platz hinter dem Gastgeber.

Und wo wir gerade vom Gastgeber sprechen, Indien wird bei der WM in Gruppe B einer der Gegner Kolumbiens sein. Die beiden Teams treten am 9. Oktober gegeneinander an. Außerdem treffen die Kolumbianer auf die USA (am 6. Oktober) und Ghana (am 12. Oktober).