• 2015 in Chile schied Guinea schon in der Vorrunde aus
  • Für Indien 2017 qualifizierte sich das Land durch den dritten Platz beim CAF U-17-Afrikanischen Nationen-Pokal
  • Djibril Fandjé Touré war mit sechs Treffern bester Torschütze der U-17-Afrikameisterschaft

Zwischen 2014 und 2016 erlebte Guinea einen wahren Albtraum: Das Ebola-Virus wütete im Land. Es kostete insgesamt 2.543 Menschen das Leben, Tausende weitere erkrankten schwer und mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Guineas Vereinsmannschaften und die Nationalmannschaft mussten ihre Heimspiele an weit entfernten Orten austragen, bis sich das Leben endlich wieder normalisierte.

Wie die gelungene Qualifikation für die letzte FIFA U-20-Weltmeisterschaft und die für die FIFA U-17-Weltmeisterschaft Indien 2017 zeigt, hatten die Probleme jedoch keine nachteiligen Auswirkungen auf den Fussball. Möglich wurden diese Erfolge durch eine überaus talentierte Spielergeneration, die begierig darauf ist, der Welt ihr Können zu zeigen.

FIFA.com hat sich mit Trainer Souleymane Camara unterhalten. Dieser stuft die Qualifikation für die FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2017 als "verdient" ein. "Sie ist das Ergebnis eines langen Atems. Wir sind trotz der Schwierigkeiten, mit denen wir beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal zu kämpfen hatten, dabei. Ich bin ein junger Trainer, der immer wieder auf viel erfahrenere Kollegen trifft, aber unseren Platz bei der U-17-Weltmeisterschaft konnten wir uns dennoch erkämpfen."

Überhaupt, betont Camara, seien die Voraussetzungen für eine Qualifikation alles andere als günstig gewesen: "Potenzial ist in Guinea vorhanden und demnächst auch Leistungszentren. Der Verbandspräsident lässt gerade ein Leistungszentrum bauen, das in sechs Monaten seine Pforten öffnen soll. Die Ebola-Epidemie hat uns schwer zu schaffen gemacht, aber wir haben der Herausforderung getrotzt. Der Erfolg war möglich, weil wir talentierte Fussballer haben. Man nennt uns ja nicht umsonst das Brasilien Afrikas."

Komplizierte Gruppe
Mit Deutschland, Costa Rica und Iran erwischte Guinea dann allerdings schwere Gegner für die Vorrunde in Indien. "Das ist eine schwierige Gruppe", räumt denn auch Trainer Camara ein. "Die Iraner haben drei Spiele gegen Japan bestritten, von denen sie eines gewonnen und zwei unentschieden gespielt haben. Ich stufe sie entsprechend als ganz stark ein. Mit dem Trainer von Costa Rica habe ich mich mal unterhalten. Seine Mannschaft halte ich ebenso wie Brasilien für eine der stärksten bei der U-17-WM. Und über Deutschland ist ohnehin schon alles gesagt."

Für das Turnier gibt Camara folgendes Ziel aus: "Erst mal müssen wir die K.o.-Phase erreichen. Es ist zu früh, über mehr zu sprechen. Es wird schwierig genug, da wir noch einige Nachwuchskräfte in unseren Reihen haben. Und die treffen dann auf Profis, die in den zweiten Mannschaften von Klubs wie Paris, Lyon und Marseille gestählt wurden. Trotz dieser Kluft werden wir alles geben, um weit zu kommen. Aber leicht wird es nicht."

"Jeder Trainer hat seine eigene Philosophie", sagt Camara. "Ich persönlich halte das Überstehen der Vorrunde insofern schon für einen Erfolg, als das noch nie eine Mannschaft aus Guinea geschafft hat. Danach denken wir von Spiel zu Spiel. Wir wollen versuchen, bis zum Schluss dabei zu sein. Man darf nicht vergessen, dass uns Spiele auf höchstem Niveau erwarten. Wir dürfen uns also nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Wir müssen unsere Gegner respektieren."

Gute Vorbereitung, großer Ehrgeiz
Wie alle in Indien vertretenen Mannschaften ging auch Guinea seine WM-Vorbereitung sehr seriös an. "Nach dem CAF U-17-Afrikanischen Nationen-Pokal 2017 in Gabun haben wir den Spielern erst mal ein paar Wochen Erholung verordnet", erzählt Camara. "Die Vorbereitung lief dann wie geplant. Wir hatten ein einmonatiges Trainingslager in Italien und ein zehntägiges in Abu Dhabi. So professionell wollen wir uns auch weiterhin vorbereiten, um bei der WM möglichst für eine Überraschung zu sorgen."

Abschließend betont Camara, für wie wichtig er es hält, bessere Ergebnisse als 2015 zu erzielen. In Chile holte Guinea einen Punkt gegen England und unterlag anschließend gegen die Republik Korea und gegen Brasilien. "Ich hoffe, wir schneiden besser ab als vor zwei Jahren. Der Niveauunterschied zwischen der Afrikameisterschaft und der Weltmeisterschaft ist allerdings groß. Da heißt es, hart zu arbeiten. Persönlich halte ich mich für einen sehr ehrgeizigen Trainer. Ich will immer positive Ergebnisse erzielen."

Der Spielplan von Guinea in Indien
7. Oktober: Iran – Guinea
10. Oktober: Costa Rica – Guinea
13. Oktober: Guinea – Deutschland