Einige der größten Stars im Weltfussball hatten ihren ersten Auftritt im internationalen Rampenlicht bei einer FIFA U‑17‑Weltmeisterschaft. Bevor Spieler wie Alessandro Del Piero, Ronaldinho, Kanu, Xavi, Landon Donovan oder Cesc Fàbregas zu etablierten Stars wurden, waren sie nichts anderes als nervöse Teenager auf der Jagd nach einem großen Ziel.

FIFA.com hat sich mit einigen früheren FIFA U‑17‑WM‑Teilnehmern unterhalten, sie nach ihren Erinnerungen an das erste große Turnier befragt und auch um Ratschläge für die Stars von morgen gebeten, die im Oktober in Indien  bei der 17. Endrunde der FIFA U‑17‑Weltmeisterschaft auflaufen werden.

"Das Turnier ist zwar schon sehr lange her, aber ich erinnere mich daran, als ob es gestern gewesen wäre", erklärte der mittlerweile zurückgetretene Torhüter Roberto Pato Abbondanzieri, wenn er an die WM 1989 in Schottland denkt, als er mit Argentinien im Viertelfinale den beeindruckenden Portugiesen mit Luis Figo unterlag. "Es war ein Traum, der wahr wurde, und ich durfte zum ersten Mal das Trikot meines Landes tragen und dessen Farben vertreten. Es war eine Weltmeisterschaft mit Argentinien und für mich eine ganz große Sache."

Für Abbondanzieri war das Turnier das Sprungbrett zu einer großen Karriere, bei der er es auf 50 Länderspiele für die argentinische A-Nationalmannschaft, Repräsentation  bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ in Deutschland 2006, sechs argentinische Meisterschaften und vier Copa Libertadores-Titel brachte. Doch trotz eines prall gefüllten Trophäenschranks und zahlloser Erfolge im Seniorenbereich sind die Erinnerungen an die FIFA U‑17‑WM für ihn unvergesslich. "Unsere Niederlage gegen Portugal schmerzt mich noch heute", gestand er ein. "Aber es war der erste Schritt auf dem Weg in den großen Fussball. Dadurch bin ich schneller erwachsen geworden." Am Ende hat er noch einen Ratschlag für die neue Generation der großen Talente parat, die in Indien ihr Glück versuchen wird: "Ihr könnt sehr froh sein, bei einer Weltmeisterschaft spielen zu dürfen, also genießt jeden Augenblick." Soweit die Worte dieses großen Schlussmanns, der 2006/07 bei Getafe mit der begehrten Trophäe als Spaniens bester Torwart der Saison ausgezeichnet wurde.

Iker Casillas ist eine weitere Legende zwischen den Pfosten, dessen ruhmreiche Karriere auf U‑17‑Ebene begann. Bevor er so etwas wie ein Heiliger für die Fans von Real Madrid und der erste spanische Spieler in der Geschichte des Fussballs wurde, der - 2010 in Johannesburg - den FIFA WM-Pokal überreicht bekam, vertrat Casillas sein Land in Ägypten 1997, wo man bis ins Halbfinale vorstieß. Dabei war er keineswegs der einzige große Spieler, der aus dieser Mannschaft hervorging, denn auch Xavi glänzte schon damals als großer Dirigent.

"Es ist eine absolut einmalige Erfahrung", erzählte Casillas FIFA.com, bevor auch er sich an die nachrückende Generation wendet: "Selbst wenn sie bereits bei ihren Vereinen spielen, müssen sie im Turnier Alles geben und sich große Ziele setzen. Es ist eine wunderschöne Sache", fügte er noch hinzu. Zwei Jahre später sollte Casillas mit Spanien den Titel bei der FIFA U‑20‑Weltmeisterschaft in Nigeria holen.

Im Jahr 2001 fand sich im karibischen Inselstaat Trinidad und Tobago der Nachwuchs zu einer FIFA U‑17‑WM ein, bei der erneut zukünftige Stars wie Fernando Torres, Carlos Tevez und Javier Mascherano geboren wurden. "In diesem Alter an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen, ist etwas ganz Besonderes. Man kann sich also vorstellen, wie es ist, wenn man dann noch den Titel holt", erzählte Florent Sinama-Pongolle, der für Weltmeister Frankreich noch die Krone des Torschützenkönigs holte und außerdem zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde.

"Es hat mir sehr viele Türen geöffnet und mein Leben wirklich verändert", fuhr Sinama-Pongolle fort. "Wir reisten als Nobodys an und waren anschließend in aller Munde." Der Spielmacher des damaligen Teams, Anthony Le Tallec, sieht das ähnlich: "Es ist eine unvergessliche Erfahrung. Dieses Turnier hat mich bekannt gemacht."

"Der Titelgewinn war ein Traum, der wahr wurde - für mich und für Mexiko", erzählte Giovani dos Santos von Mexikos historischem Erfolg in Peru 2005. "Es war der erste Weltmeistertitel für Mexiko und zu Hause empfingen uns alle als Helden. Wir haben den Leuten so viel Freude bereitet, es war einfach großartig." Spielführer Patricio Araujo, der mittlerweile bei Chivas Guadalajara spielt, sieht das ebenso: "Dieser Titelgewinn hat unser Leben komplett verändert. Plötzlich wussten die Leute, wer wir sind."

"Es war eine tolle Erfahrung", lautete auch die Einschätzung von Danny Welbeck, Englands Star in Korea 2007, der zur Zeit in der Premier League für den FC Arsenal spielt. "Für uns war es eine tolle Chance, im Ausland zu spielen und uns mit Spielern aus anderen Ländern und allen Teilen der Welt zu messen. Wir haben davon alle profitiert. Es gibt nichts Besseres, als sein Land zu vertreten, besonders wenn man so jung ist."

Raheem Sterling, der derzeit die Nationalmannschaft Englands und Manchester City vertritt, erinnert sich mit Vorliebe an seine U-17-Erfahrungen in Mexiko 2011. "Es ist etwas Besonderes, für dein Land zu spielen, egal in welchem Alter. So einfach ist das."

Die nächste Generation von Fussballstars wird am Freitag  bei der Turnierverlosung in Mumbai erfahren, gegen wen sie bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft Indien 2017 antreten werden.