Anderthalb Jahre nach der Ausrichtung der letzten WM-Auflage dieser Altersklasse gibt es in Chile ein weiteres Fussballfest. Das Land ist nämlich Ausrichter der U-17-Südamerikameisterschaft, bei der vier Tickets für die FIFA U-17-Weltmeisterschaft Indien 2017 zu vergeben sind.

Spielorte der Veranstaltung, die im Zeitraum vom 23. Februar bis zum 19. März stattfindet, sind Rancagua und Talca. Die zehn Teilnehmer werden in zwei Fünfergruppen eingeteilt: Die ersten drei jeder Gruppe ziehen in die letzte Runde, die Hexagonal, ein, in der jeder gegen jeden antritt. Die vier bestplatzierten Teams lösen das WM-Ticket.

Der Gastgeber tritt in Gruppe A gegen Uruguay, Ecuador, Kolumbien und Bolivien an und will sich das WM-Ticket zum ersten Mal seit 1997 wieder über die Qualifikation sichern. "Wir wissen, dass wir uns seit 20 Jahren nicht mehr qualifiziert haben, und sehen uns deshalb in der Verantwortung. Wir werden von Anfang an das Heft in die Hand nehmen", so Trainer Hernán Caputo, der auf den hoch talentierten offensiven Mittelfeldspieler Giovanni de la Vega verzichten muss, der vom niederländischen Spitzenklub Ajax Amsterdam keine Freigabe erhielt.

Uruguay dürfte eines der größten Hindernisse auf dem Weg zur WM sein. Die Uruguayer, die bei der letzten WM nicht dabei waren, haben mit dem linken Mittelfeldspieler und Teamkapitän Juan Manuel Sarabia einen sehr interessanten Akteur in ihren Reihen. Das uruguayische Programm zur Nachwuchsförderung hat mit dem Titelgewinn bei der letzten U-20-Südamerikameisterschaft viel Bestätigung erfahren. Daher geht das Team mit großem Optimismus in den Wettbewerb. "Das Ziel ist natürlich die Qualifikation für die Weltmeisterschaft, aber wir wollen auch Meister werden. Dabei dürfen wir allerdings nicht vergessen, dass es sich um einen Qualifikationswettbewerb handelt. Es tut sehr weh, bei einer WM nicht dabei zu sein", so Trainer Alejandro Garay.

Die Kolumbianer können ein Lied davon singen. Sie haben die letzten drei Auflagen des Weltturniers verpasst und hoffen, diese Negativserie mit Orlando Restrepo auf der Trainerbank zu beenden. Restrepo hat bei der Ausbildung der erfolgreichen Nachwuchsteams des amtierenden Copa-Libertadores-Siegers Atlético Nacional Medellín mitgewirkt, bevor er das Ruder der U-17-Auswahl seines Landes übernahm.

Bolivien ist das Team, dessen letzte WM-Teilnahme am längsten zurückliegt. Die Bolivianer waren nämlich seit 1987 nicht mehr auf der Weltbühne vertreten. Trainer Ricardo Gutiérrez vertraut vor allem auf das Können der beiden akribischen zentralen Mittelfeldspieler Jaume Cuéllar Mendoza vom spanischen Spitzenklub FC Barcelona und Paolo Alcocer von Orlando City in den USA.

Ecuador, das bei der WM-Auflage von 2015 vertreten war, tritt mit einem Führungsspieler an, dessen Nachname allseits bekannt sein dürfte: Torjäger Gerly Delgado, der Neffe des legendären Stürmers Agustín Delgado. Außerdem hat Gustavo Alcocer fünf Spieler von Independiente del Valle ausgewählt, dem Überraschungsklub und Finalteilnehmer der letzten Copa Libertadores.

Zwei Schwergewichte
In Gruppe B gelten der dreifache U-17-Weltmeister Brasilien sowie Argentinien als Topfavoriten. Die beiden Teams haben die letzten elf Südamerikatitel unter sich aufgeteilt. Die Brasilianer konnten das Turnier neun Mal gewinnen, die Argentinier zwei Mal. Die restlichen Teams der Gruppe sind Venezuela, Paraguay und Peru.

Die brasilianische Auswahl basiert auf der U-15, die vor zwei Jahren die Südamerikameisterschaft gewann. Sogar Guilherme Dalla Déa, der Trainer des damaligen Teams, wurde als Assistent von U-17-Coach Amadeu übernommen. Hervorzuheben sind die Stürmer Vinicius (Flamengo Rio de Janeiro) und Vitinho (Corinthians São Paulo), mit acht bzw. sieben Treffern damals beste Torschützen des Turniers.

Acht Spieler des argentinischen Kaders stammen von den Boca Juniors, einige davon haben bereits Erstligaerfahrung gesammelt. Im Fokus wird vor allem Benjamín Garré stehen. Der offensive Mittelfeldspieler ist der Enkel von Oscar Garré, der 1986 mit Argentinien Weltmeister wurde.

"Er ist herausragend. Und zwar nicht nur am Ball. Er hat sich im Team eine gute Stellung erarbeitet. Er ist ein ausgesprochen explosiver Linksfuß. Allerdings sage ich ihm immer wieder, dass er die Geschwindigkeit in der Kurve auf 150 drosseln muss... Er ist immer mit 180 unterwegs. Er ist mit viel Leidenschaft bei der Sache", so die Beschreibung seines Trainers Miguel Ángel Micó.

Venezuela träumt nach dem Debüt im Jahr 2013 von einer zweiten WM-Teilnahme. Der talentierte Mittelfeldspieler Jesús Sahagún vom spanischen Klub FC Málaga sowie die aktuelle Hochphase des venezolanischen Fussballs bringen Trainer José Hernández zum Träumen. "Die Qualifikation der U-20-Auswahl für die WM in Korea motiviert und inspiriert unsere Mannschaft, doch wir müssen uns auf uns selbst konzentrieren und dürfen uns nicht ablenken lassen, wenn wir unser Ziel erreichen wollen."

In dem Bestreben, nach zehn Jahren wieder bei einer U-17-WM dabei zu sein, vertrauen die Peruaner auf Trainer Juan José Oré, der die Auswahl bei der WM-Auflage von 2007 in der Republik Korea bis in Viertelfinale führte.

Bei Paraguay setzt man derweil auf den argentinischen Trainer Gustavo Morínigo, der versuchen wird, die Albirroja zum vierten Mal auf die Weltbühne zu bringen. Dabei bleibt er jedoch bescheiden. "Ich glaube, dass alle Teams gut sind und dass wir um einen Startplatz mitspielen können. Wir müssen es weiter versuchen, denn darauf haben wir hingearbeitet."