• Peñaloza widmet alle seine Tore seinem verstorbenen Bruder
  • Er führte Kolumbien mit drei Toren in die K.o.-Phase
  • "Individuelle Titel interessieren mich nicht, nur die Mannschaft zählt"

Eine Weltmeisterschaft zu bestreiten und das Nationaltrikot zu tragen sind normalerweise Motivation genug, damit ein Spieler vollen Einsatz zeigt. Der Kolumbianer Juan Peñaloza aber hatte einen zusätzlichen Anreiz, auf dem Rasen des Dr. DY Patil Stadium in Navi Mumbai alles zu geben. Ein Unentschieden gegen die USA hätte Kolumbien dazu verdammt, auf die anderen Ergebnisse zu warten.

Peñaloza schoss mit voller Kraft von der linken Strafraumecke. Der amerikanische Schlussmann hatte keine Chance, und Peñaloza lief zur Ersatzbank, um ein Trikot mit einem aufgedruckten Foto zu nehmen.

Traurige Erinnerung
Die Partie endete mit einem Sieg Kolumbiens, und Peñaloza traf sich im Anschluss zu einem Exklusivinterview mit FIFA.com. Auf die Frage, für was dieses Foto stehe, antwortete er: "Für meinen verstorbenen Bruder. Sein Schicksal hat mich sehr getroffen. Ich verdanke ihm alles."

Vielleicht wäre die großartige Leistung Peñalozas an diesem Tag nie zu beobachten gewesen, wenn ihm sein Bruder im Alter von fünf Jahren nicht seine Leidenschaft für den Fussball vermittelt hätte. "Nach jedem Tor hebe ich die Hände zum Himmel und denke an ihn. Er gibt mir die Kraft und Motivation, um mich zu verbessern und meinen Traum zu verwirklichen." 

Für das Team spielen
Nach der Auftaktniederlage gegen Ghana war Peñaloza gegen Indien doppelt erfolgreich und bescherte seinem Team einen 2:1-Sieg. Danach erzielte er den zweiten Treffer gegen die USA und legte Caicedo eine Torvorlage auf. Dank dieses Erfolgs schloss Kolumbien die erste Runde als Gruppenzweiter ab und qualifizierte sich direkt für die K.o.-Phase. Mit drei Treffern ist Peñaloza derzeit der zweitbeste Torschütze des Wettbewerbs, aber ist ihm der erste Platz wirklich wichtig? "Nein, das ist hier nicht meine erste Sorge. Ich denke immer an das Team und an das, was wir in dieser Schlussphase erreichen können. Vielleicht kommen dann die individuellen Auszeichnungen, aber ich konzentriere mich nie darauf."

"Die zwei Tore gegen Indien wären nutzlos gewesen ohne die drei Punkte. Gegen die USA haben wir nach dem zweiten Treffer zu mehr Sicherheit zurückgefunden. Wir sind dran geblieben und haben das dritte Tor erzielt, was uns den zweiten Platz gebracht hat. Die kollektive Arbeit ist grundlegend." 

Wie weit werden Peñaloza und seine Mitstreiter nach dieser tollen Leistung noch kommen? "So weit wie möglich. Heute werden wir uns erholen und morgen verlassen wir Mumbai. Dann werden wir an die nächste Partie denken. Wir wollen nichts überstürzen und die Konzentration verlieren. Wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen."

Juan und sein Vorbild: Juan
Die Stärken Peñalozas lassen vermuten, dass ihm eine glänzende Zukunft bevorsteht. Er kann beidfüßig und aus vollem Lauf schießen, außerdem den Ball auch unter Druck halten. Die Scouts der europäischen Teams sehen in ihm vielleicht schon einen zukünftigen Star. Auf die Frage nach seinen Zielen antwortet er: "Mein Vorbild unter den kolumbianischen Spielern ist Juan [Cuadrado]. Ich glaube, dass ich viele ähnliche Eigenschaften habe."

Visiert er eine Karriere im Spitzenfussball an? "Ja, aber ich weiß nicht, was Gott für mich entschieden hat. Ich werde ihm dankbar sein, wie auch immer meine Zukunft aussieht."