Vor fast genau 14 Jahren, am 20. September 2002, feierte der jemenitische Fussball einen großen Erfolg seiner Junioren. Beim AFC U-17-Asienpokal siegte die Auswahl Jemens im Halbfinale gegen die VR China und qualifizierte sich damit für die FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2003. Das Turnier in Finnland ist bis heute das einzige FIFA-Turnier, an dem Jemen teilnahm.

In Finnland holten die Jemeniten zwar nur einen Punkt, schlugen sich aber dennoch recht achtbar. Dem damaligen Europameister Portugal lieferten die Schützlinge von Trainer Amen Al Sunaini im ersten Spiel einen heißen Tanz und verloren nur knapp mit 3:4. Es folgte ein 1:1-Unentschieden gegen Kamerun, den damaligen Afrikameister.

Am letzten Spieltag der Gruppe C verloren die jungen Jemeniten dann mit 0:3 gegen Brasilien, das sich später im Finale mit 1:0 gegen Spanien durchsetzte und damit den Titel gewann. Obwohl Jemen die Gruppe als Schlusslicht abschloss, reisten die Spieler mit zahllosen schönen Erinnerungen an die erste und einzige Teilnahme an einer U-17-Weltmeisterschaft aus Finnland ab.

Im Gespräch mit FIFA.com erinnerte sich Amen Al Sunaini nun ausführlich an diesen Wettbewerb: "Auf die damalige Teilnahme blicken die Jemeniten noch heute voller Stolz zurück. Wir waren glücklich und stolz auf unsere Mannschaft, die an der WM-Endrunde teilnahm. Ich denke, dass wir damit einen guten Eindruck in der Geschichte des jemenitischen Fussballs hinterlassen haben."

Der damals erst 38-jährige Coach sprach auch über die drei Partien gegen Portugal, Kamerun und Brasilien: "Die erfolgreiche Qualifikation für eine Weltmeisterschaft ist für jeden Trainer, jeden Spieler und jeden Verband eine große Ehre. 2013 in Finnland waren wir die einzige arabische Mannschaft im Turnier. Ich war sehr stolz auf unserer Teilnahme an diesem Wettbewerb.

Unsere Gruppe war sehr schwer. Wir hatten mit Brasilien den späteren Weltmeister und mit Kamerun den Afrikameister sowie mit Portugal den Europameister in der Gruppe. Wir trafen also auf zwei amtierende Kontinentalmeister und auf den späteren Weltmeister. Diese drei Partien waren eine enorm intensive Herausforderung für uns."

Neue Herausforderungen warten
Al Sunaini hofft darauf, mit seiner jetzigen U-17-Auswahl die Leistung von vor 14 Jahren wiederholen zu können. Vom 15. September bis 2. Oktober findet in Indien der AFC U-16-Asien-Pokal statt. Bei diesem Turnier werden die asiatischen Teilnehmer an der FIFA U-17-Weltmeisterschaft ermittelt, die im kommenden Jahr ebenfalls in Indien stattfindet.

Der heute 51-jährige Trainer unterstrich gegenüber FIFA.com sein Ziel, sich mit seinem Team für Indien 2017 zu qualifizieren: "Der gesamte Trainerstab, die Verbandsführung und natürlich auch die Spieler wollen natürlich die Erfahrung von Finnland 2003 wiederholen und sich erneut für die FIFA U-17-Weltmeisterschaft qualifizieren.

Doch die Umstände sind jetzt völlig anders, nämlich aufgrund der aktuellen Lage im Land, die sich auf alle Bereiche des Lebens auswirkt, und natürlich auch auf den Sport. Trotzdem wollen wir es für den jemenitischen Fussball und unsere Anhänger schaffen."

Dazu müssten sich die Schützlinge von Al Sunaini in Gruppe D gegen die DVR Korea, Usbekistan und Thailand behaupten. Der Trainer schätzt all diese Mannschaften zumindest auf dem Papier als stärker als sein Team ein.

"Diese drei Mannschaften sind zumindest von der Papierform her stärker als wir. Aber im Fussball ist bekanntlich nichts unmöglich. Wir werden jedenfalls trotz unserer eingeschränkten und kurzen Vorbereitung alles für den Erfolg tun. Wir gehen ambitioniert und mit großem Vertrauen in unsere vielversprechenden Spieler in das Turnier. Ich hoffe auf gute Resultate."

"Die DVR Korea und Usbekistan sind die beiden letzten Gewinner der U-16-Asienmeisterschaft und somit Favoriten auf den Sprung aus der Gruppe. Thailand ist nicht weniger stark als wir. Somit haben wir nur geringe Chancen, doch wir hoffen, die Prognosen widerlegen zu können", so der Trainer weiter.

Al Sunaini sprach auch die Schwierigkeiten an, die sein Team im Vorfeld der U-16-Asienmeisterschaft überwinden musste und deren Auswirkungen auf die Chancen des Teams bezüglich der Qualifikation für Indien 2017. "Wir haben uns erst nachträglich für den Asien-Pokal qualifiziert, aufgrund der Suspendierung Kuwaits. Somit haben wir schon Glück, überhaupt dabei zu sein.

Das hat aber natürlich auch Auswirkungen auf unsere Vorbereitung, ganz abgesehen von dem Krieg, der derzeit in unserem Land wütet und der zur Folge hat, dass sämtliche sportlichen Aktivitäten zum Erliegen gekommen sind. Ich hoffe trotz alledem, dass wir mit der Unterstützung des Verbandes und der Führung die gewünschten Resultate schaffen."

Und wer weiß, vielleicht eröffnet ja diese Qualifikation in letzter Sekunde Jemen und Al Sunaini tatsächlich die Gelegenheit, einen ähnlichen Erfolg wie vor 14 Jahren zu erreichen…