Die FIFA U-17-Weltmeisterschaft Indien 2017 beginnt erst in relativ ferner Zukunft, doch schon jetzt hat in einem entfernten Winkel der Welt der lange Weg zum Turnier begonnen. Nämlich im Juli in Apia, der verschlafen wirkenden Hauptstadt Samoas, die mit ihren palmengesäumten Straßen einen Kontrast zur Hektik und dem Lärm im zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde darstellt, wie er stärker kaum sein könnte.

Vier polynesische Teams kämpften dort um ein Ticket für die OFC U-17-Meisterschaft, die im kommenden Februar in Tahiti stattfinden wird. Bei Turnieren mit den Konkurrenten Amerikanisch-Samoa, Cook-Inseln und Tonga galt Samoa lange Zeit als klarer Favorit. Doch die Fussballlandschaft im Osten der OFC ist im Umbruch begriffen. Erst kürzlich gewannen die Cook-Inseln die Vorqualifikation im Rennen um einen Platz bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft und in der ersten Runde der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ blieb Samoa am Ende nur aufgrund der besseren Tordifferenz im Rennen.

Jubel und Enttäuschung
Auch dieses Mal setzte sich Samoa am Ende hauchdünn durch, doch das überaus intensiv geführte und spannende Turnier zeigte ein weiteres Mal, dass die Dinge in Bewegung geraten sind. Die Cook-Inseln benötigten in ihrem letzten Spiel lediglich ein Unentschieden und träumten bis in die 90. Minute von einer Teilnahme in Tahiti. Dann aber zeigte sich erneut, dass im Fussball nahezu alles möglich ist. Samoa kam in der Nachspielzeit durch Osa Savelio und Kapitän Willie Saulima tatsächlich noch zu zwei Toren und versetzte die Zuschauer damit in Ekstase, während die Cook-Insulaner am Ende fassungslos und mit leeren Händen da standen.

Samoas jüngstes Nationalteam profitierte von der Erfahrung des Trainers und Starstürmers der A-Nationalmannschaft Desmond Faaiuaso, der gerade erst vom OFC Nationen-Pokal zurückgekehrt war. Faaiuaso ist die führende Persönlichkeit im Fussball Samoas. Mit einem Gastspiel als erster Samoaner in der nationalen Liga Neuseelands hat er seinen Ruf als fussballerische Kultfigur weiter gefestigt.

Nun steht er an der Seitenlinie vor ganz neuen Herausforderungen und kann sich und sein Team auf das Turnier im Februar vorbereiten. "Ich war natürlich bis in die letzten Minuten hinein sehr nervös. Dann sind uns glücklicherweise noch zwei schöne Tore gelungen", so Faaiuaso. "Das war eine großartige Leistung und ich freue mich sehr über meine Spieler, die eine ganz besondere Gruppe sind."

Richard Anderson, der Trainer der Cook-Inseln, wurde bei diesem Finale schmerzhaft an eine ganz ähnliche Niederlage erinnert. Der Engländer war Assistenztrainer der A-Nationalmannschaft, die in der Qualifikation für Russland 2018 auf nahezu identische Weise an Samoa scheiterte.

Tonga belegte am Ende mit einem Sieg gegen Amerikanisch-Samoa und einem Unentschieden gegen den späteren Gewinner Samoa den dritten Platz. Dieses Resultat dürfte Tonga wieder Auftrieb verleihen, nachdem das Team im vergangenen Jahr im Rennen um einen Platz in Russland bereits früh im eigenen Land ausgeschieden war. Insbesondere Trainer Timote Moleni, der auch die A-Nationalmannschaft seines Landes betreut, dürfte zufrieden sein.

Solide Grundlagen schaffen
Amerikanisch-Samoa war mit acht Spielern angetreten, die wenige Tage zuvor in Tonga auch in der Vorausscheidung der U-20-Qualifikation zum Einsatz gekommen waren. Der jüngste Akteur im Team war indes der erst 13-jährige Mittelfeldspieler Masila Siua.

Insgesamt konnte man während des Turniers bei allen Teams den Trend hin zum modernen Ballbesitzfussball mit starkem Passspiel beobachten. Auch dies deutet auf eine starke Zukunft für den Sport in Ozeanien hin. Großer Wert wird mittlerweile auch darauf gelegt, bei den Nachwuchsmannschaften das Fundament für den späteren Sprung in die A-Nationalmannschaften zu legen.

"Wir als Verband müssen solche Gelegenheiten nutzen, um unseren Jungs das Sammeln wertvoller Erfahrungen gegen andere Nationalmannschaften zu ermöglichen", meinte beispielsweise Anderson. "Wenn sie dann vor dem Sprung in die A-Mannschaft stehen, können sie von ihren Erfahrungen profitieren. Das sollte den Cook-Inseln bei künftigen Turnieren zugute kommen."

Die OFC U-17-Meisterschaft findet vom 11. bis 24. Februar 2017 in Papeete (Tahiti) statt. In Gruppe A treten Tahiti, Vanuatu, Neukaledonien und Papua-Neuguinea an. In Gruppe B treffen Fidschi, die Salomon-Inseln und Samoa auf Titelverteidiger Neuseeland.