Nigerias fünfter Titelgewinn bei einer FIFA U-17-Weltmeisterschaft war der wohl auffälligste Meilenstein der Auflage von 2015 in Chile, jedoch bei weitem nicht der einzige. Mit der Finalteilnahme Malis standen zum zweiten Mal in der Wettbewerbsgeschichte zwei Teams derselben Konföderation im Endspiel. So hatte das "Fest bei uns zu Hause", wie das offizielle Turniermotto Chiles lautete, eine deutlich afrikanische Prägung.

"Das ist ein sehr wichtiger Erfolg für den Fussball des Kontinents. Und es ist zudem herausragend, weil es so etwas vorher erst einmal gab", so der Nigerianer Orij Okwonkwo nach dem Halbfinale gegen Mexiko. Er steht beispielhaft für ein athletisches und schnelles, gleichzeitig aber auch sehr geordnet agierendes und durchschlagskräftiges Team.

Bei der ersten Finalbegegnung zweier Teams vom selben Kontinent hatte sich Nigeria 1993 in Japan gegen Ghana seinen zweiten Titel gesichert. Insgesamt waren die Nigerianer bei elf Turnierauflagen vertreten, erreichten acht Mal das Halbfinale und schafften dann auch jedes Mal den Sprung ins Finale. Die Afrikaner ließen in Chile nichts anbrennen und verteidigten erfolgreich den Titel, den sie sich 2013 in den Vereinigten Arabischen Emiraten gesichert hatten.

"Unser Ziel war es, den Titel zu verteidigen. Wir sind alle Spiele mit der richtigen Arbeitseinstellung und Ernsthaftigkeit angegangen. Jedes Team, das in Chile dabei war, hat dafür gearbeitet", so der Mittelfeldspieler und nigerianische Teamkapitän Kelechi Nwakali, nachdem er als bester Spieler des Turniers mit dem Goldenen Ball von adidas ausgezeichnet worden war. Beim Weltmeister wusste auch der Stürmer Victor Osimhen zu glänzen, der mit zehn Treffern eine neue Bestmarke aufstellte und als bester Torschütze des Turniers den Goldenen Schuh von adidas erhielt.

Überraschungen auf dem Podium
Mali wurde zwar U-17-Afrikameister und zog vor einigen Monaten ins Halbfinale der FIFA U-20-Weltmeisterschaft ein, die Finalteilnahme des Teams stellte aber dennoch eine Überraschung dar. "Mali stand zum ersten Mal in einem WM-Finale. Wir können stolz sein. Einen zweiten Platz schaffen nicht viele Mannschaften. Unser Ziel ist eine A-Nationalmannschaft, die gewinnen und Erfolge feiern kann. Wir werden so weitermachen wie bisher. Es ist alles vorbereitet und angelegt, damit wir auch in Zukunft ein Finale erreichen können", erklärte Baye Ba, Nationaltrainer Malis. Sein Team hatte sich im Angriff als ausgesprochen kreativ und effektiv erwiesen und gleichzeitig solide verteidigt.

Den dritten Platz auf dem Podest belegte das ausgesprochen diszipliniert agierende Team Belgiens, der einzige Halbfinalist, der die Gruppenphase nicht als Gruppensieger abschloss. Außerdem waren die Belgier wohl das europäische Team, von dem man diesen Erfolg am wenigsten erwartet hatte, insbesondere, nachdem sich Frankreich und Deutschland in der Gruppenphase hervortun konnten. Beide Teams schieden allerdings im Achtelfinale aus. "Das ist einmalig. Bei der WM 1986 und bei Olympia holte Belgien Platz 4. Nun ist es erstmals eine Medaille. Es ist ein großartiger Moment für uns", erklärte Trainer Bob Browaeys.

Mexiko wird den Erwartungen gerecht
Mexiko wurde seiner Mitfavoritenrolle gerecht und zog zum dritten Mal in Folge ins Halbfinale des Turniers ein. Auch spielerisch hinterließ das Team seine Spuren. Die Mexikaner gewannen eine der kniffligsten Gruppen und waren an zwei der besten Spiele des Turniers beteiligt, nämlich am Halbfinale gegen Nigeria und dem Spiel um Platz drei gegen Belgien.

Zu den Mannschaften, die hier einen starken Eindruck hinterließen, zählten auch Costa Rica, Ecuador und Kroatien, die mit ganz unterschiedlichen Spielweisen ins Viertelfinale einzogen. Bis ins Viertelfinale schaffte es auch Brasilien, blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück.

Russland, Australien, Neuseeland und die DVR Korea konnten mit ihrem Achtelfinaleinzug hingegen zufrieden sein. Diese Instanz erreichte auch Gastgeber Chile, das trotz der hohen Niederlage gegen Mexiko mit viel Applaus aus dem Turnier verabschiedet wurde.

England, Paraguay und Argentinien wussten hingegen nicht zu überzeugen, und die Argentinier landeten in dieser Altersklasse zum ersten Mal auf dem letzten Platz.

Die Stars von morgen
Im nigerianischen Team boten Nwakali und Osimhen herausragende Leistungen, sie erhielten allerdings auch wertvolle Unterstützung von den Mittelfeldspielern Samuel Chukwueze, der sich mit je drei Toren und Vorlagen den Bronzenen Schuh von adidas sicherte, und Kingsley Michael. Bei Mali rückten vor allem Torhüter Samuel Diarra und Stürmer Aly Malle ins Rampenlicht, die mit dem Goldenen Handschuh von adidas bzw. mit dem Bronzenen Ball von adidas ausgezeichnet wurden. Viel Lob ernteten auch die Stürmer Sidiki Maiga und Boubacar Traoré.

Der belgische Innenverteidiger Wout Faes rief Erinnerungen an den Brasilianer David Luiz wach, und zwar nicht nur wegen seiner Mähne, sondern auch aufgrund seiner spielerischen Eigenschaften und Führungsqualitäten. Ein weiterer Leistungsträger war Mittelfeldspieler Dante Rigo. Im selben Spielfeldbereich konnten sich mit Pablo López und Alan Cervantes auch zwei Mexikaner auszeichnen, die besonders durch ihr intelligentes Spiel beeindruckten.

Außer Nwakali gab es weitere Spielmacher, die dem Trikot mit der Rückennummer zehn alle Ehre machten. Beispielsweise sind hier der Südkoreaner Lee Seungwoo, der Ecuadorianer Yeison Guerrero, der Chilene Marcelo Allende, der U.S.-Amerikaner Christian Pulisic, der Kroate Nikola Moro sowie der Franzose Timothé Cognat zu nennen.

Mit herausragenden Leistungen machten außerdem der deutsche Stürmer Johannes Eggestein, der mit dem Silbernen Schuh von adidas ausgezeichnet wurde, sowie sein Landsmann, der Mittelfeldspieler Felix Passlack auf sich aufmerksam. Gleiches gilt für den ecuadorianischen Außenverteidiger Pervis Estupiñán, den mexikanischen Innenverteidiger Francisco Venegas, den französischen Stürmer Nicolas Janvier und den brasilianischen Mittelfeldspieler Lincoln.

Das Vermächtnis von Chile 2015
Im Rahmen des Nachhaltigkeitsprogramms der FIFA wurden im Turnierverlauf zwei Initiativen umgesetzt, um das durch die WM entstandene Fussballfieber im Land positiv zu nutzen. Die erste Aktivität war ein Regionalseminar für Jugendtrainer, bei der 24 Trainer aus ganz Südamerika in Viña del Mar zusammenkamen.

Die Teilnehmer unter denen sich auch große Namen wie der Venezolaner Richard Paéz, der Uruguayer Fabián Coito, der Kolumbianer Carlos Restrepo sowie der Peruaner Juan José Oré befanden, wurden in Gruppen eingeteilt und analysierten die Spiele der Gruppe A in einem Workshop, der theoretische und praktische Module beinhaltete.

Später waren dann die Anlagen des Parque La Araucana im Südosten von Santiago Schauplatz eines Grassroots-Festivals. An der Veranstaltung nahmen 240 Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis zwölf Jahren Teil, die aus 14 nationalen Nachwuchszentren kamen. Außerdem waren 30 Ausbilder mit von der Partie, die damit einen Trainerkurs abschlossen, der ebenfalls anlässlich des Großereignisses in der Hauptstadt stattfand.

Abschließende Platzierungen
1) Nigeria 2) Mali 3) Belgien 4) Mexiko 5) Ecuador 6) Brasilien 7) Kroatien 8) Costa Rica; 9) Frankreich 10) Russland 11) Korea Republik 12) Deutschland 13) Chile 14) Korea DVR 15) Neuseeland 16) Australien 17) Paraguay 18) England 19) Südafrika 20) Guinea 21) USA 22) Syrien 23) Honduras 24) Argentinien

Austragungsorte (Stadien)
Viña del Mar (Sausalito), La Serena (La Portada), Coquimbo (Francisco Sánchez Rumoroso), Concepción (Municipal Alcaldesa Ester Roa), Chillán (Néstor Oyarzún Arenas), Puerto Montt (Regional de Chinquihue) , Talca (Fiscal), Santiago de Chile (Nacional Julio Martínez Prándanos).
 
Tore / Spiele
151 / 52 (2.9 Tore pro Partie)
 
Zuschauer
482,503 Zuschauer (9,279 pro Partie)
 
Spieldauer
54.7 Minuten Nettospielzeit pro Partie
 
Karten gelb / rot
171 / 10 (3.29 / 0.19 Pro Partie)
 
Auszeichnungen
Goldener Ball von adidas: Kelechi Nwakali (NGA)
Goldener Schuh von adidas: Victor Osimhen (NGA)
Goldener Handschuh von adidas: Samuel Diarra (MLI)
Fair Play: Ecuador