All diejenigen, die bei dieser FIFA U-17-Weltmeisterschaft Chile 2015 gegen sie das Nachsehen hatten, wissen: Die Malier sind schnell, sehr schnell. Auch FIFA.com musste dies im Anschluss an den Halbfinalsieg gegen Belgien am 5. November feststellen, denn offenbar hatten unmittelbar nach der Pressekonferenz schon alle jungen Adler das Stadion in La Serena verlassen.

Also ging es in aller Eile zum Hotel, um noch Sidiki Maiga und Sekou Koita zu erwischen. Diese beiden Akteure hatten mit ihren Toren in der zweiten Halbzeit den Sieg der Malier perfekt gemacht. Maiga brachte sein Team nach der Pause in Führung, als er kaltschnäuzig einen Fehler von Torhüter Jens Teunckens ausnutzte, der sich bei einem langen Ball verschätzt hatte. "Ich habe den weiten Ball von Moussa Diakité gesehen und sofort gemerkt, dass ich ein Tor schießen könnte", schildert er die Szene. "Ich glaube, es gab ein Missverständnis zwischen dem Torhüter und dem Verteidiger. Solche Tore gelingen mir nicht oft, mein Ding sind eher die Schüsse aus der Distanz."

Koita hingegen machte fünf Minuten vor dem Ende die letzten Hoffnungen der Belgier zunichte, indem er das tat, was er am besten kann: "Diese Schüsse von der Seite sind ein bisschen meine Spezialität. Ich ziehe gerne von rechts oder von links in die Mitte, um zu treffen. Dank meiner Schnelligkeit bin ich nach außen ausgewichen und der belgische Verteidiger hat in der Deckung einen Fehler gemacht."

Diese gnadenlose Effizienz steht in starkem Kontrast zum ersten Spiel zwischen den beiden Mannschaften zum Auftakt der Gruppe D, in dem Mali ohne Unterlass, aber erfolglos das belgische Tor unter Beschuss nahm. "Es war der Beginn des Wettbewerbs, wir wussten noch nicht, wie es bei einer WM zugeht. Wir standen etwas unter Druck, aber jetzt läuft es besser auf diesem Niveau. Wir wollten schnell sein und haben überhastet agiert", erinnert sich Maiga. "Ich glaube, wir waren etwas übereifrig. Deshalb haben wir all diese Chancen vergeben", ergänzt Koita.  

Sorglos zum Ziel
"Wir haben uns das Video vom ersten Spiel angesehen und viele Lehren aus unseren Fehlern gezogen. Danach haben wir verstärkt den Abschluss vor dem Tor geübt. Das war der Grund für unseren Erfolg heute", fährt Maiga fort. Der Erfolg der Malier verdankte sich aber auch ihrer Reaktion nach der Führung Belgiens. Eine Situation, an die sie eigentlich nicht gewöhnt sind. "In zwei Jahren ist es das erste Mal, dass meine Mannschaft in einem Länderspiel zuerst ein Tor kassiert. Das hat mich etwas beunruhigt, doch wir sind damit sehr gut umgegangen", sagt er lächelnd und erleichtert darüber, dass Boubacar Traoré so schnell ausgleichen konnte.

Auch der Trainer Baye Ba leistete seinen Beitrag. Nach der Halbzeitpause kamen seine Schützlinge wie verwandelt aus der Kabine. "Der Coach hat viel mit uns gesprochen. Er hat uns strategisch wieder zur Ordnung gerufen und vor allem gesagt, dass wir ruhig bleiben und die Übersicht behalten sollen", erklären die zwei Jungs.

Zum Zeitpunkt des Interviews wissen sie noch nicht, dass Nigeria ihr Gegner sein wird. Das andere Halbfinale ist noch in vollem Gange, doch weder der eine noch der andere achten wirklich auf den Fernseher, der nur wenige Meter entfernt steht. Die Super Eagles scheinen indes auf dem besten Weg zum Sieg zu sein. "Wir haben in der Qualifikation nicht gegen sie gespielt, aber ich glaube, dass sie eine gute Mannschaft haben. Wir werden sehen. Wir haben sie nicht so sehr verfolgt. Das ist keine Pflicht. Wir machen uns nur vor dem Spiel ein Bild von unserem Gegner, das ist alles", verrät Maiga.

Und warum sollte man dieses Erfolgsrezept jetzt noch ändern? Ihrer Sorglosigkeit und Spontanität verdanken es die jungen Malier, in das Finale einer WM eingezogen zu sein. Eine Premiere für ihr Land, in dem sie schon jetzt Helden sind. Und die restliche Welt kann sich auf ein rein afrikanisches Finale freuen, welches eine entfesselte und spektakuläre Angelegenheit zu werden verspricht.