Zwei Jahre oder fast 17.000 Kilometer trennen Chile derzeit von Indien. Das mag zunächst merkwürdig klingen, aber genauso ist es: Nach Abschluss der FIFA U-17-Weltmeisterschaft in der Andennation bereitet sich jetzt nämlich Indien auf die nächste Turnierauflage im Jahr 2017 vor.

Das wurde auch kurz vor dem Finale des Turniers in Viña del Mar noch einmal betont, als die Zuständigen des Lokalen Organisationskomitees in Chile den Staffelstab symbolisch an Javier Ceppi, Turnierdirektor in Indien, sowie Kushal Das, Generalsekretär des indischen Fussballverbandes und Mitglied des Lokalen Organisationskomitees  von Indien 2017, übergaben.

"Dies ist eine ganz wichtige Chance, nicht nur für den indischen Fussball, sondern vor allem auch für den Weltfussball", so Ceppi. Damit hat er sicher Recht, denn sein Land wird zum ersten Mal eine FIFA-Weltmeisterschaft organisieren, zum ersten Mal überhaupt an einem Weltturnier teilnehmen und dabei werden sämtliche kulturellen Eigenheiten Indiens zum Tragen kommen. "Wir reden hier von 1.250 Millionen Menschen, einem gigantischen Markt und einer enormen Fussballbegeisterung. Wir wollen mit der Organisation des Turniers enorm viel bewegen."

Ceppi ist Chilene und hält sich bereits seit einem Jahr im Austragungsland der WM 2017 auf. Daher haben seine Worte durchaus Gewicht, wenn es darum geht, die Tragweite eines Turniers dieser Größenordnung zu beurteilen. "Das wird die größte Sportveranstaltung in der Geschichte Indiens. Dort wurde bereits eine Cricket-Weltmeisterschaft und eine Feldhockey-WM organisiert, bei beiden Veranstaltungen waren allerdings weniger Länder an der Qualifikation beteiligt. Die U-17-WM selbst wird in 200 Länder übertragen. So etwas hat es noch nicht gegeben, und die Vorfreude ist groß."

Klare Herausforderungen
Auf den ersten Blick ist die FIFA U-17-Weltmeisterschaft eine Veranstaltung, die gerade einmal 20 Tage dauert. Für Ceppi stellt sich die Situation jedoch anders dar und er weist darauf hin, dass man darauf abzielt, "mindestens elf Millionen Kinder an den Fussball heranzuführen, 2,8 Millionen Menschen in die Stadien zu bringen, weiteren 300 Millionen das Fussballspiel bekannt zu machen. Des Weiteren sollen 600 Millionen das Ereignis am Bildschirm verfolgen. Das wird die Geschichte dieser Sportart im Land verändern."

Und wenn die Ziele klar sind, sind auch die nächsten Schritte vorprogrammiert. Laut Ceppi arbeitet das LOK eng mit den höchsten Regierungsbehörden zusammen, um den Fussball bevorzugt in das Lehrangebot der Schulen aufzunehmen. "Es kommt nicht darauf an, ob die Kinder zwei gegen zwei, drei gegen drei oder vier gegen vier spielen. Wichtig ist, dass sie in den nächsten beiden Jahren ihre Begeisterung für das runde Leder entdecken."

Ihre Begeisterung für eine Sportart, die bereits einen Großteil der Bevölkerung in ihren Bann ziehen konnte und sich schnell zum zweitbeliebtesten Nationalsport entwickelt hat. "Die Begeisterung für die Ligen Englands und Spaniens sowie für die Nationalmannschaften Argentiniens, Deutschlands und Brasiliens ist hier groß. Der Fussball wird immer beliebter", erklärt Ceppi und betont, wie wichtig es war, die Arbeit der chilenischen Kollegen aus der Nähe verfolgen zu können.

"Die Delegation reist mit dem Wissen aus Chile ab, dass man eine solche Veranstaltung nicht von einem Tag auf den anderen vorbereiten kann, sondern dass man zwei oder drei Jahre dafür braucht. Es kommt auf jedes Detail an und wir dürfen nichts dem Zufall überlassen. Die Leute, die nach Indien kommen, und die Teams werden beeindruckt von der Fussball-Leidenschaft der Menschen und der guten Organisation sein, die wir dort bieten können. Für ein Land, das mit Problemen zu kämpfen hat, die wir im Westen gar nicht kennen, wird hier eine hervorragende Cricket-Liga organisiert. Wenn es sich um Fussball handeln würde, könnte man die Liga auf eine Stufe mit der Premier League oder der spanischen Liga stellen. Die WM 2017 wird sehr beeindruckend werden."