Die rund 21.000 Zuschauer im Estadio Municipal Ester Roa von Concepcion hielten in der 59. Minute des Halbfinales der FIFA U-17-WM 2015 zwischen Mexiko und Nigeria kurzzeitig inne. Was hatte ihnen den Atem geraubt? Ein fantastisches Solo von Diego Cortes, der El Tri den zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich bescherte und vom Endspiel träumen ließ.

Der Mittelfeldspieler bekam das runde Leder an der rechten Außenlinie und startete einen unglaublichen Alleingang, ließ dabei fünf Verteidiger wie Slalomstangen stehen und netzte schlussendlich mit einem Flachschuss ein. "Ich bekam den Ball zugespielt, lief los und habe einfach immer nur die Lücke gesucht. Auf einmal stand ich vor dem Tor und habe getroffen. Ich habe natürlich geguckt, ob ich einen freien Mitspieler sehe, aber da war keiner", beschreibt der Torschütze anschließend im FIFA.com-Interview seinen großen Moment. "Das mache ich nicht oft, aber es ist ein tolles Gefühl."

Auch sein Trainer Mario Arteaga war anschließend voll des Lobes und sprach von einem großartigen Treffer. Allerdings sei er auch etwas überrascht gewesen, denn Dribblings seien eigentlich nicht die Spezialität seines Mittelfeldspielers mit der Nummer zwei auf dem Rücken.

Ein packender Schlagabtausch
Bekannt ist aber, dass er zu den schnellsten Spielern des mexikanischen U-17-Kaders gehört, was er bereits schon im Achtelfinale unter Beweis gestellt hatte. Dort hatte er gegen Gastgeber Chile einen Angriff über seine rechte Seite eingeleitet, war dann in den Strafraum gesprintet, um den Querpass mit einem wuchtigen Kracher zum 4:1-Endstand zu seinem ersten Turniertor zu verwerten.

Dass Cortes in den Stadionkatakomben rund eine Woche später trotzdem nicht zum Feiern zumute war, lag daran, dass die Mittelamerikaner noch zwei Gegentreffer Nigerias kassierten und damit den Traum vom dritten Titel bei einer U-17-WM begraben mussten. "Ich bin natürlich traurig, aber wir können trotzdem stolz sein, denn wir haben alles gegeben."

Tatsächlich boten beide Teams in der Neuauflage des U-17-WM-Endspiels 2013 [Anm.d.Red.: Nigeria siegte 3:0] von Beginn an einen packenden Schlagabtausch. Nach der 1:0-Führung der Mexikaner schlugen die Golden Eaglets noch vor der Pause zweimal zurück. Nach dem umjubelten Ausgleich hatten die Afrikaner schlussendlich den längeren Atem.

Ein Hauch von Maradona

Dies ändert aber nichts daran, dass sich der Treffer von Cortes große Hoffnungen machen kann, zum schönsten Tor dieser WM gewählt zu werden, schließlich lag durchaus ein Hauch von Diego Maradona in der Luft. Zur Erinnerung: Der ehemalige argentinische Superstar startete bei der FIFA Fussball-WM 1986™ im Viertelfinale gegen England seinen Sololauf an der Mittellinie, tanzte ebenfalls fünf Verteidiger aus und traf. Ähnliches gelang Lionel Messi im Dienste vom FC Barcelona vor wenigen Monaten im spanischen Pokalfinale.

Auf die beiden argentinischen Superstars angesprochen, muss Cortes etwas schmunzeln und gibt zu, im Moment des Jubels kurz an das berühmte WM-Tor von El Pibe de Oro (der Goldjunge) gedacht zu haben. "Mein Idol ist er aber nicht. Natürlich bewundere ich alle großen Fussballer und schaue mir auch öfters Videos an, aber mein Vorbild ist eher Messi."

Nichtsdestotrotz steht am Ende das Aus im Halbfinale. Nach dem Triumph 2011 und dem Endspiel vor zwei Jahren wollte El Tri auch hier in Südamerika mindestens Silber holen. "Eine WM ist eine Erfahrung fürs Leben. Man weiß nie, ob man nochmal eine spielen darf. Leider ist der Titeltraum jetzt vorbei, aber nun soll es zumindestens eine Medaille sein. Daher werden wir gegen Belgien alles geben, damit wir das Turnier mit einem positiven Ergebnis beenden können."