Wer das Glück hatte, die jungen Nigerianer bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft VAE 2013 spielen zu sehen, wird die eleganten Spielzüge und den flüssigen Kombinationsfussball so schnell nicht vergessen. Und auch die Freudentänze der Golden Eaglets nach dem Schlusspfiff im Finale von Abu Dhabi werden noch lange in Erinnerung bleiben.

"Ich finde keine passenden Worte für diesen Moment", meinte Abdullahi Alfa gegenüber FIFA.com auf dem Weg in die Umkleidekabine. "Daher tanzen wir einfach. Das ist ohnehin die beste Möglichkeit, unsere riesige Freude zu zeigen", meinte er mit einem breiten Lachen in seinem jungen Gesicht. "Ich verrate jetzt mal ein Geheimnis: Ich bin der beste Tänzer im Team. Und das wissen die anderen auch."

Allerdings hatte Alfa bei dem Freudentanz im Mittelkreis nach dem 3:0-Sieg im Finale gegen Mexiko starke Konkurrenz. Man konnte allen Spielern ihre Begeisterung ansehen, als sie sich alle im Rhythmus der wummernden Bässe aus den Lautsprechern im Mohammad Bin Zayed Stadium bewegten und ihrer Freude freien Lauf ließen. Dann ließen sie sich alle lachend zu Boden fallen. Sie umarmten ihren Trainer Manu Garba und versuchten dann, ihn auf ihre noch jungen, schmalen Schultern zu heben – ohne Erfolg. Immer wieder versuchten Funktionäre, die Spieler zusammenzubringen, um mit der Siegerehrung zu beginnen und anderen protokollarischen Verpflichtungen nachkommen zu können. Doch die Nigerianer machten es ihnen nicht leicht und entkamen immer wieder mit eleganten Bewegungen.

Auch in der Umkleidekabine wurde weiter getanzt, als die Spieler mit ihren zahlreichen Trophäen und individuellen Auszeichnungen für Fotos posierten und mit ihren Familien in der Heimat telefonierten. Mittelfeldtalent Musa Yahaya, eine der großen Entdeckungen des Turniers, konnte der Versuchung nicht widerstehen, mit einer leeren Coca-Cola-Flasche noch etwas zu jonglieren. "Ich bin einfach überglücklich, dass ich meinen Teil beigetragen habe", freute sich Kapitän Musa Muhammed, der im Finale ein fantastisches Freistoßtor erzielte und zu einem weiteren Treffer die Vorarbeit leistete. "Es ist einfach ein traumhaftes Gefühl, dass ich meinem Team zum Gewinn des Weltmeistertitels verholfen habe. Ohne die Menschen in der Heimat wären wir allerdings nichts."

Die Party geht weiter...
Die Energie im Raum war derart spürbar, dass man kaum glauben konnte, dass die Jungs gerade anstrengende 90 Minuten Fussball hinter sich hatten. Dele Alampasuu, der hoch aufgeschossene Torhüter, küsste den Goldenen Handschuh von adidas, den er als bester Keeper des Turniers gewonnen hatte. "Wir waren optimistisch, dass wir siegen würden, aber nachdem wir das geschafft haben, ist es jetzt ein ganz anderes Gefühl, ein Gefühl völliger Freiheit", meinte er mit seiner sanften Stimme, die nicht so richtig zu seinem hünenhaften Körper passen will. "Das war nicht nur ein Triumph für Nigeria. Ich empfinde Stolz, ein Afrikaner zu sein und sende meine Liebe in die Heimat."

Und die Party ging weiter… Keiner der Nigerianer wollte sich auf den Weg zum Mannschaftsbus machen. Immer wieder musste der Trainer umarmt werden, musste noch ein Witz erzählt werden, damit die Jungs den bisher größten Erfolg ihres Lebens bis zur letzten Sekunde auskosten konnten. "Ich bin einfach sehr, sehr, sehr begeistert", sagte Taiwo Awoniyi, der große Stürmer, der als Reservespieler in die Emirate kam und letztlich in sechs der sieben Partien Nigerias zum Einsatz kam und dabei vier Treffer erzielte. "Ich habe einfach versucht, so viel wie möglich zu laufen und meinen Teamkameraden zu helfen. So konnten wir uns als Team auch aus schwierigen Situationen befreien. Ich wollte einen Beitrag leisten, und als sich die Chance ergeben hat, da habe ich sie ergriffen."

Awoniyi hatte während des Endspiels ein langärmliges Unterzieh-Shirt unter seinem Trikot getragen und schlüpfte nach der Partie gleich in einen dicken, warmen Daunenmantel. Denn ihm ist immer kalt – und wenn er deswegen aufgezogen wird, lacht er nur. Schließlich sind wir hier in der Wüste. Als er noch einmal darüber sinnierte, was er und seine Teamkameraden hier in den Emiraten geleistet haben, wurde Awoniyis Grinsen noch etwas breiter. "Ich wusste am Anfang nicht einmal, ob ich überhaupt spielen würde - und jetzt sind wir alle Weltmeister. Das ist einfach unglaublich."

Und immer noch wurde getanzt. und auch der ein oder andere Schnappschuss wurde noch gemacht. Einige Spieler knieten in einer Ecke nieder und priesen Allah. Die Freude in der Kabine war einfach unbeschreiblich. Die jungen Eaglets werden sie ganz bestimmt so schnell nicht vergessen. "Auf mich stürzen Millionen Gefühle ein", meinte denn auch Kelechi Iheanacho, der beste Spieler des Turniers, bevor auch er sich wieder in die Jubeltänze mit seinen Teamkameraden stürzte.