Wenn's am schönsten ist, soll man aufhören. In diesem Sinne nähert sich auch die FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2009 langsam ihrem Ende. Nach drei Wochen rassigem Fussball und zwei spektakulären Halbfinals ist nun bekannt, welche Begegnung Höhe- und Schlusspunkt des Turniers sein wird.
13 Mal hat es die FIFA U-17-Weltmeisterschaft nun schon gegeben, da sollte man kaum glauben, dass es noch Neulinge gibt. Und doch steht nun ein Debütant im Finale. Die Schweizer können jetzt schon sicher sein, mindestens mit Silber aus Afrika zurückzukehren. Im Achtelfinale musste die Verlängerung herhalten, das Viertelfinale war bestenfalls ein Arbeitssieg. Die Vorschlussrunde aber sah eine glänzend aufgelegte schweizerische Mannschaft, der freilich auch die Hinausstellung des kolumbianischen Verteidigers Santiago Arias zugute kam. Vier Tore schenkten die Eidgenossen den Südamerikanern ein, die einfach zu früh in Unterzahl gerieten, um der taktischen Disziplin und Kaltschnäuzigkeit der Europäer etwas entgegen zu setzen.
Im Finale werden die Spieler eben jene Qualitäten wohl erneut benötigen, denn am Sonntag heißt der Gegner im National Stadium von Abuja Nigeria. Nigeria wiederum ist dreimaliger Weltmeister, Titelverteidiger und Gastgeber – ein echter Goliath im Vergleich zu David Schweiz. Und dieser Goliath kennt nur ein Ziel: den vierten Titel. Auf dem Weg dorthin haben sich die Afrikaner auch nicht von den ambitionierten Spaniern aufhalten lassen. 2007 noch im Elfmeterschießen des Endspiels unterlegen, müssen die Iberer weiter auf die Gelegenheit zur Revanche warten. Gegen die Eaglets waren sie diesmal deutlicher unterlegen als noch vor zwei Jahren.
Die Ergebnisse
Kolumbien – Schweiz 0:4
Spanien – Nigeria 1:3
Das Tor des Tages
Kolumbien - Schweiz, Haris Seferovic (36. Minute)
Die schweizerische Innenverteidigung spielte einen Flachpass aus der Abwehr heraus, Nassim Ben Khalifa legte per Hacke ab auf Seferovic. Wie blind sich diese beiden Angreifer verstehen, zeigte der dann folgende Doppelpass: Seferovic legte zurück auf seinen Mannschaftskameraden vom Grasshopper Club Zürich, und der spielte sofort steil. Der Rest war Technik und Torjägerinstinkt des Schweizers mit der Nummer 9. Per Direktabnahme zirkelte Serefovic den Ball mit links an den rechten Innenpfosten des von Cristian Bonilla gehüteten Tors.
Denkwürdige Momente
Leidenschaftliches Lagos
Das Teslim Balogun Stadium hatte zum Abschied noch so einiges zu sagen, wie die zahlreich aufgehängten Transparente verrieten. "Danke, FIFA! Macht das bald wieder!", stand da beispielsweise warmherzig zu lesen. Aber natürlich gab es auch reichlich Unterstützung für die nigerianische Mannschaft, die für viele jetzt schon als Sieger feststeht. "Eaglets champions" stand auf einigen Transparenten und auch Gegner Spanien bekam sein Fett weg: "Auch mit Torres, Xavi und Iniesta könntet Ihr nichts an Nigerias Sieg ändern."
Fast vorhersehbar
Was, wenn der Goldene Schuh von adidas an den Nigerianer Sani Emmanuel geht? Verdient hätte er es allemal, der junge Bursche, der immer richtig steht, so wahnsinnig schnell ist und immer nur das Tor im Blick hat. Fünf Tore hat er so schon erzielt – als Joker! Wenn Emmanuel ins Spiel kommt, kann man fast die Uhr danach stellen, dass er trifft. So geschehen zuletzt gegen Spanien. In der 48. Minute eingewechselt, traf der Stürmer von My People sogar gleich doppelt und schloss damit zum Uruguayer Sebastian Gallegos auf. Der Spanier Borja schaffte gegen Ende der Begegnung noch den Ehrentreffer und zog so ebenfalls gleich.
Eine große rote Torheit
Die Spannung im Halbfinale zwischen Kolumbien und der Schweiz hielt gerade einmal 13 Minuten. Dann patzte die Defensive der Südamerikaner gleich doppelt. Erst rutschte Jeison Murillo aus, wodurch Ben Khalifa in Ballbesitz kam und schießen konnte. Dann ging die Hand von Arias beim Nachschuss der Schweizer zum Ball. Weil Torhüter Bonilla schon geschlagen war, war Arias letzter Mann. Die Folge: Rot!
Die Unglücksbringer
Ins Schwimmen geraten ist die spanische Hintermannschaft gegen Nigeria – und das trotz prominenter Unterstützung auf der Tribüne. Denn neben Aitor Karanka, dem Co-Trainer von Ginés Meléndez, hatte auch Fernando Hierro die Reise nach Lagos gemacht, um dem spanischen Nachwuchs Glück zu wünschen. Die beiden bildeten Ende der 90er Jahre die Innenverteidigung von Real Madrid und hätten ihren Nachfolgern sicherlich einige Tipps geben können.
Zahlenspiele
85 – So viele Jahre ist es her, dass eine schweizerische Mannschaft das Endspiel eines internationalen FIFA-Wettbewerbs erreicht hat. Ihren letzten – und einzigen – Endspielauftritt hatte die Schweiz bei den Olympischen Spielen in Paris 1924. Damals gab es ein 0:3 gegen Uruguay. Machen es die Spieler von Dany Ryser am Sonntag gegen Nigeria besser?
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