Es ist eine Mischung aus Frust und Stolz, die im Lager der neuseeländischen U-17-Auswahl vor ihrer Abreise aus Nigeria zu spüren ist. Frust, der mit 0:5-Niederlage im Achtelfinale gegen Gastgeber Nigeria zusammenhängt. "Als wir die Vorrunde überstanden hatten, haben wir uns gesagt, dass wir hier durchaus noch etwas bewegen können und für das Achtelfinale keine leichte Beute sein würden. Am Ende waren die Nigerianer für uns jedoch zu stark, zu schnell und zu ballsicher. Die Idee war, sie mit Kontern zu packen, doch das erwies sich für uns als zu schwierig", so die resignierenden Worte des sichtlich niedergeschlagenen Gordon Murie unmittelbar nach dem Spiel.

Nachdem sie von ihren Gegnern am Abend dieses 5. Novembers in Abuja förmlich vom Platz gefegt worden waren, dauerte es recht lange, bis die Neuseeländer völlig erschöpft wieder aus der Kabine kamen. Als ob das Geschehene dadurch leichter zu fassen wäre, nahm Murie bei der Analyse der Partie kein Blatt vor den Mund. "Wir waren zu keinem Zeitpunkt in der Lage, ihrer Schnelligkeit und ihrer geschlossenen Mannschaftsleistung etwas entgegenzusetzen. Wir haben alles gegeben. In den drei Gruppenspielen war es gerade unsere Abwehr, die sich als sichere Stütze unserer Mannschaft erwiesen hatte. Doch gegen Nigeria konnten wir nicht mehr daran anknüpfen. Deshalb bin ich enttäuscht darüber, dass wir uns gestern Abend nicht besser wehren konnten und dass wir dem Gegner das Toreschießen so leicht gemacht haben, obwohl das Verhindern von Toren normalerweise unsere Stärke ist", so Murie, der seine Fussballkarriere an einer U.S.-Universität fortsetzen und später in der Major League Soccer spielen möchte.

"Natürlich bin ich mit diesem Ergebnis nicht zufrieden, das kann man bei fünf Gegentoren auch nicht erwarten. Als wir hier ankamen, war uns bewusst, dass wir uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen werden müssen. Schließlich bekamen wir es hier mit Mannschaften der Weltklasse zu tun. Wir haben alles versucht, aber gegen die Nigerianer waren wir einfach machtlos. Trotzdem bin ich stolz auf meine Spieler, und ich meine, dass sie bei diesem Turnier eine Menge dazu gelernt haben, und zwar sowohl in fussballerischer Hinsicht als auch von ihrer persönlichen Entwicklung her. Davon bin ich überzeugt", relativierte Neuseelands Trainer Stephen Cain.

Historischer Erfolg 
Denn trotz allem darf nicht vergessen werden, dass Neuseeland mit dem Erreichen des Achtelfinales bei diesem Turnier einen historischen Erfolg feiern konnte, und das sogar ohne eine einzige Vorrundenniederlage! Bei ihren bislang 16 Teilnahmen an FIFA WM-Turnieren gelang den All Whites in Nigeria zum ersten Mal überhaupt der Einzug in die zweite Runde. "Man muss wissen, dass der Fussball in Neuseeland keinen so hohen Stellenwert besitzt wie in den anderen 23 Ländern, die sich für dieses Turnier qualifiziert haben", so Murie weiter. "Die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft ist ein fantastisches Erlebnis. Dabei sein Land vertreten zu dürfen, ist eine große Ehre", fügte Murie mit leuchtenden Augen hinzu.

Die Kiwis treten ihre Heimreise also nicht nur mit den fünf Gegentoren der Nigerianer im Gepäck an, denn bis zum gestrigen Tag gab es schließlich mehrmals Anlass zur Freude. "Zunächst erinnere ich mich an den Punkt, den wir gegen Costa Rica gewinnen konnten. Das war der Auslöser für unseren späteren Erfolg. Ich persönlich denke natürlich besonders gern an die Partie gegen Burkina Faso zurück, in der ich einen Treffer erzielt habe. Ohne dieses Tor hätten wir die nächste Runde nicht erreichen können, darauf bin ich sehr stolz", so Murie im Rückblick.

Und natürlich jener denkwürdige Moment im Gruppenspiel am 31. Oktober gegen die Türkei: "Dieser fantastische Treffer von Jack Hobson-McVeigh in der 92. Minute gegen die Türkei, der uns schließlich den Einzug ins Achtelfinale bescherte, ein für uns alle unvergesslicher Augenblick", sagte der neuseeländische Verteidiger mit leicht melancholischer Miene. Die Enttäuschung schien verflogen, und Murie konnte jetzt selbst der Niederlage noch etwas Positives abgewinnen. "Bei aller Enttäuschung überwiegt die Tatsache, dass wir in einem solch großen Stadion vor so vielen Zuschauern gespielt haben. Die Begeisterung der Massen war schon beeindruckend, vor so einer Zuschauerkulisse habe ich noch nie gespielt."

Demnach haben die All Whites ihre Auftritte in der Gruppenphase zweifellos genossen. Bleibt ihnen nur noch zu wünschen, dass dieser erste Erfolg für den neuseeländischen Fussball keine Eintagsfliege war.