Im Quartier der spanischen Mannschaft in Kano herrscht Ruhe, nachdem man die Qualifikation für das Achtelfinale bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft Nigeria 2009 souverän unter Dach und Fach gebracht hat. Jetzt heißt es, die Beine hochlegen und neue Kräfte sammeln, bevor es am 5. November um 16:00 Uhr (Ortszeit) im Sani Abacha Stadium von Kano gegen Burkina Faso geht.

Der spanische Auswahltrainer Ginés Meléndez und sein Stab öffneten FIFA.com die Tür zum Quartier, während sie Statistiken prüfen, die Trainingseinheiten vorbereiten und Videoaufzeichnungen des nächsten Gegners analysieren. Im Fernsehen sieht man eine Wiederholung der Partie zwischen den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

"Den schönsten Fussball"
"In diesen Tagen dreht sich absolut alles um Fussball. Solange es das Training und die eigenen Spiele zulassen, verpassen wir keine einzige Partie dieser WM", erzählt Meléndez, ein Trainer, der seit Beginn seiner Tätigkeit mit der spanischen U-16-Auswahl 2002 den Fussball mit Leidenschaft lebt.

Während dieser sieben Jahre sind einige der großen Namen des spanischen Fussballs durch seine Schule gegangen: Andrés Iniesta, David Silva, Cesc Fábregas, Gerard Piqué, Bojan Krkic oder Fran Mérida, um nur einige zu nennen. "Dem spanischen Fussball geht es in den letzten Jahren richtig gut. Spanien ist Europameister und spielt den schönsten Fussball auf dem Kontinent", bekräftigt der Trainer, der bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft VAE 2003 mit so bekannten Trainern wie José A. Ufarte, Iñaki Sáez oder Juan Santisteban auf der Bank saß.

Ausbildung der Spieler hat Vorrang
"Die Erfolge der spanischen Auswahl sind ja nicht das Ergebnis der Arbeit eines einzigen Trainers, sondern einem ganzen Trainerstab zu verdanken. Wir sind gemeinsam für Erfolge wie auch für Misserfolge verantwortlich", betont er gegenüber FIFA.com. Neben mehreren Nachwuchs-Europameistertiteln gab es in den letzten Jahren zwei Vize-Weltmeistertitel mit der U-17 in Finnland 2003 und Korea 2007 sowie eine weitere Vize-Weltmeisterschaft mit der U-20 in den VAE 2003.

Ein Weltmeister-Titel fehlt den Spaniern im Nachwuchsbereich indes noch, doch Meléndez stellt klar, dass man den Erfolg seiner Arbeit nicht nur an Titelgewinnen festmachen kann. "Wenn wir einen Titel holen, dann ist das wunderbar. Aber unser vorrangiges Ziel ist es, Spieler auszubilden. Der spanische Verband hat uns angewiesen, mit den Vereinen bei der Ausbildung ihrer Spieler eng zusammenzuarbeiten. Die A-Nationalmannschaft ist diejenige, die erfolgreich sein muss. Bei der Europameisterschaft 2008 hatten zehn der elf Spieler, die das Finale bestritten, bereits in den Nachwuchsteams gespielt. Darin besteht der Erfolg unserer Arbeit", bekräftigt er und fährt fort: "Bei den Turnieren, an denen spanische Auswahlmannschaften teilnehmen, bieten sich den Spielern, Chancen, um sich weiter zu entwickeln, die sie zu Hause nicht bekommen. Wenn von den Spielern, die hier in Nigeria dabei sind, drei oder vier später Stammspieler in der A-Nationalmannschaft werden, haben wir unsere Arbeit gut gemacht."

Schritt für Schritt
Gemeinsam mit Aitor Karanka, Ex-Spieler von Real Madrid und Athletic Bilbao, arbeitet er bereits seit zwei Jahren, als er die U-17-Auswahl übernahm, an der Ausbildung der Spieler. "Wir unternehmen hier alles, um möglichst weit zu kommen. Wichtig ist, dass die Mannschaft weiter gut spielt und ihrer Spielweise treu bleibt. Wir haben viel vom Ball, spielen von hinten heraus. Unser Team ist stark und nach zwei Jahren sehr gut eingespielt. Die Spieler sind mittlerweile alle Freunde", erzählt er und hat bereits die Partie am Donnerstag im Blick. Den unangefochtenen ersten Platz in Gruppe E holte man mit drei Siegen gegen die USA (2:1), die Vereinigten Arabischen Emirate (3:1) und Malawi (4:1). Dabei wussten besonders die großen Talente Pablo Sarabia, Borja González, Adriá Carmona und Isco zu überzeugen.

"Burkina Faso hat eine physisch starke Mannschaft mit schnellen Spielern. Auf dem Kunstrasen in Kano werden sie sich äußerst wohl fühlen. Wir haben jedenfalls sehr viel Respekt vor ihnen. Anderseits verfügen wir über die Mittel, diesen Gegner zu stoppen. Fehler können wir uns dennoch keine leisten. Wenn wir unser Spiel konsequent durchziehen, haben wir sehr gute Chancen", analysiert Meléndez zum Schluss. "Wie immer die Partie am Donnerstag ausgehen wird, wir werden erhobenen Hauptes den Platz verlassen. Bei einem einzigen Spiel kann immer alles passieren, wenn wir jedoch alles geben, können wir stolz auf uns sein."