Wenn er am Ball ist, steht den gegnerischen Verteidigern die Angst im Gesicht geschrieben. Lennart Thy ist Deutschlands Nachwuchs-Torjäger vom Dienst und belegt nach der Vorrunde der FIFA U-17-WM 2009 in Nigeria mit drei Treffern alleine den Spitzenplatz auf der Jagd nach dem Goldenen Schuh von adidas. Doch der Jungstar von Werder Bremen ist hungrig auf mehr!

Er war es, der im entscheidenden dritten Gruppenspiel, als sein Team bereits mit 0:1 gegen Honduras zurücklag und mit dem Rücken zur Wand stand, binnen nicht einmal einer Minute mit einem Doppelschlag die Wende herbeiführte. Und er war es auch, der als geteilter Torschützenkönig der letzten Europameisterschaft im eigenen Land das Team von Coach Marco Pezzaiouli zum Titel schoss. Doch Thy, der auf dem Platz explosiv wirkt, sich aber fernab des Feldes äußerst überlegt und zurückhaltend gibt, hat noch höhere Ziele: "Es ist gut, dass wir in der Vorrunde Moral und Charakter bewiesen haben und jetzt voll durchstarten können. Diese Erfahrung hat uns noch mehr zusammengeschweißt. Ob wir Weltmeister werden? Ja!"

Thy trotzt dem Druck
Für die Deutschen war die Gruppe A ein echtes Abenteuer. Nach einem 3:0-Vorsprung gegen Gastgeber Nigeria noch 3:3 gespielt, gegen Argentinien innerhalb von Sekunden nach einer 1:0-Führung mit 1:2 verloren und sich gegen die Honduraner nach einem 0:1-Rückstand letztlich mit 3:1 befreit. Im Gespräch mit FIFA.com erklärte Thy:"Es ist besser, dass das schon am Anfang des Turniers passiert ist. Schlimmer wäre diese Erfahrung in der K.o.-Runde gewesen. Dies war ein Schlüsselerlebnis für uns."

Mit großen Ambitionen ist der Kontinental-Champion nach Westafrika gereist. Durchaus als außergewöhnliche Drucksituation muss man die WM-Endrunde in Nigeria für die deutschen "Youngster" bezeichnen. Doch der hochgewachsene Thy, der sowohl in der Luft als auch am Boden seine Stärken hat, macht sich nicht verrückt: "Natürlich sind wir mit einem gewissen Anspruch hierher geflogen. Der eine geht damit positiv um, für den anderen mag es eine Belastung sein." So wie der Bremer bislang aufgetreten ist, scheint er bestens damit zurecht zu komen.

"Wir sind bereit"
Nun geht es am Mittwoch um 19 Uhr in der nigerianischen Metropole Lagos zum Duell der Nachbarländer gegen die Schweiz, die bislang mit glänzendem Offensivfussball für Furore sorgte. Die wieder zu Selbstbewusstsein gekommenen Deutschen zeigen sich aber zuversichtlich: "Wir müssen aufpassen, denn sie sind taktisch sehr diszipliniert und äußerst zweikampfstark. Aber wir sind bereit!"

Bereit sein müssen auch die Schweizer. Und zwar auf Thy. Schließlich ist er einer dieser Juwelen, die stets gut für einen Treffer im richtigen Moment sind, um den Unterschied auszumachen. Beeindruckend wäre durchaus, wenn er am Ende auch bei der WM zum Top-Torjäger avanciert. "Aber das ist nicht so wichtig. Es geht um den Teamerfolg. Wenn der stimmt, und ich mit meinen Treffern dazu beitragen kann, dann ist das natürlich doppelt schön."

Es wäre für den jungen "Bomber" der perfekte Abschluss einer tollen Reise: "In Nigeria zu sein ist eine tolle Erfahrung. Ja, ich bin sehr stolz, die Zuschauer hier mit Fussball zu begeistern!" Das würde Thy gerne noch länger tun. Länger als nur bis zum Achtelfinale...