Die USA hat sich ihren Platz im Achtelfinale der FIFA U-20-WM 2009 dank zweier knapper 1:0-Siege gesichert. Dabei haben die Nordamerikaner allerdings einen überraschend eleganten Fussball gezeigt. Für die jungen U.S.-Boys, die eigentlich eher für eine nüchterne und körperlich geprägte Spielweise bekannt sind, ist das so etwas wie ein Aufbruch zu neuen Ufern. Die Zuschauer in Kano jedenfalls ließen sich gern begeistern.
"Ich kenne nur technisch anspruchsvollen Fussball", so Wilmer Cabrera, der U.S.-amerikanische Trainer und frühere kolumbianische Nationalspieler, gegenüber FIFA.com, nachdem seine Mannschaft den Einzug ins Achtelfinale geschafft hatte. "Die physischen Aspekte des Spiels haben die Jungs ohnehin drauf, also konzentriere ich mich mehr auf die technische Seite. Den Erfolg dieser Arbeit kann man, glaube ich, an unserer bisherigen Spielweise gut ablesen", fügte der Trainer hinzu.
Luis Gil hat sich beispielsweise im Mittelfeld der Stars and Stripes von Cabrera als eleganter und kreativer Spielmacher etabliert. Jack McInerny seinerseits, der erfolgreichste Torjäger in der CONCACAF-Qualifikation, hat sich bei der WM bislang als einer der auffälligsten und beeindruckenden Offensivspieler gezeigt. In ihren Gruppenspielen ließen die USA den Ball gut übers ganze Feld laufen. Zum Beginn der K.o.-Runde steht ihnen allerdings am 4. November in Kaduna gegen die Italiener eine wohl deutlich schwerere Aufgabe bevor. Cabrera, der bei zwei WM-Endrunden und zwei FIFA Junioren-Weltmeisterschaften für Kolumbien antrat, hofft darauf, dass seine unkomplizierte Taktik auch weiterhin aufgeht.
"Wir haben uns bisher in jedem Spiel gesteigert", so der Trainer, der noch in der Auftaktpartie mit ansehen musste, wie seine Mannschaft trotz Überzahl eine 1:0-Führung gegen Spanien verspielte. "Wir können nicht unsere Spielweise völlig umkrempeln und ganz anders spielen, je nachdem wer an dem Tag unser Gegner ist. Wir müssen einfach nur den Ball am Boden halten und unser Spiel aufziehen, das ist der Schlüssel zum Erfolg. Und wenn wir den Ball nicht haben, dann müssen wir sofort reagieren und kämpfen, um ihn so schnell wie möglich wieder zu kriegen."
Abschlussschwäche
Sorgen bereitet Cabrera, der in seiner aktiven Zeit auf der Außenverteidigerposition spielte, die Angriffsabteilung. Auch bei ihren zwei Siegen gegen die VAE und Debütant Mali ließen die U.S.-Amerikaner zahlreiche gute Chancen aus und konnten so ihre Erfolge nicht vorzeitig unter Dach und Fach bringen. "Wir haben in unseren bisherigen Spielen sehr viele Chancen herausgespielt, doch konnten wir viel zu viele davon nicht nutzen", so die realistische Analyse des Trainers. "Aber genau darum geht es ja. Wir müssen unsere Chancen nutzen. So ist es manchmal im Fussball. Wir müssen ruhig und konzentriert bleiben und weiterhin gut spielen."
Als wir das Gespräch auf die Erfolgsaussichten der Nordamerikaner bringen und die Frage stellen, wie weit die Mannschaft hier in Nigeria kommen kann, wird der Kolumbianer nachdenklich und will die Chancen seiner Jungs nicht überschätzen. "Es ist schwer zu sagen, wie weit wir kommen können", so die Antwort des Trainers. "In dieser Altersklasse kann eine Mannschaft an einem Tag eine Spitzenleistung zeigen, und ein paar Tage später tritt die gleiche Mannschaft völlig unkonzentriert auf. Bei diesen Jungs ist es das Wichtigste, dass die Konzentration über die vollen 90 Minuten stimmt."
Bei aller Kritik an der Abschlussschwäche und allem Lob für die Kreativität und die Kontrolle über das Geschehen wäre der Trainer im Achtelfinale trotzdem mit einem knappen 1:0-Sieg gegen Italien zufrieden, auch wenn seine Mannschaft wieder viele Chancen auslassen würde. "Klar wäre ich damit einverstanden", sagt er mit einem breiten Grinsen. "Man muss mir bloß zeigen, wo ich unterschreiben soll!"

