Wenn Hausa, Gabriel und Tanimu an den Nachmittagen der letzten beiden Wochen die Universität von Kaduna verlassen und ihre Bücher zuhause abgelegt hatten, verließen sie an so manchem Tag eine Welt, und tauchten in einer anderen wieder auf. In einer Welt voller Leidenschaft und Begeisterung.
"Wir lieben die Südkoreaner"
Die drei Studenten im Alter zwischen 18 und 25 Jahren machten sich dann auf den Weg ins anschauliche Ahmadu-Bello-Stadion. Nicht nur, dass sie dort all die Theorien aus ihren Vorlesungen für ein paar Stunden vergaßen, um den Ballzauber der Stars von morgen zu verfolgen. Die jungen Nigerianer zogen auch die Trikots ihres Lieblingsteams an: Sie trugen die Outfits der Republik Korea.
Haben Sie sich verlesen? Von wegen! Die quirligen Ausnahmekicker aus Südkorea haben bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2009 ihren eigenen Fanklub. Immer wenn die Schützlinge von Coach Kwang-Jong Lee während der Gruppenphase in Kaduna zur Offensive geblasen haben, wurde es so richtig laut. Knapp 200 Einheimische heizten dem weiten Rund nämlich mächtig ein und machten die 90 Minuten während der Partien zu ihrer ganz persönlichen Bühne.
Stimmgewaltige Fangesänge, rhythmische Trommelschläge, riesige Südkorea-Flaggen sowie knallrote Tröten und Ballons trugen die jungen Kicker aus Ostasien wie eine Welle der Begeisterung durch die Gruppenphase. "Wir lieben die Südkoreaner. Sie spielen ganz einfach den mit Abstand schönsten Fussball. Außerdem haben wir bei ihnen vor zwei Jahren die U-17-WM gewonnen", erzählte der 25-jährige Hausa im Gespräch mit FIFA.com. "Südkorea hatte uns vor zwei Jahren bis zum Turniersieg unterstützt, jetzt singen wir für sie."
Danke auf Nigerianisch
Hausa trägt das rote Trikot der südkoreanischen Auswahl mit großem Stolz. Und er ist nicht der Einzige. Der gesamte nigerianische Südkorea-Fanklub ist dieser Tage in Knallrot gekleidet. "Wir haben alle unsere Fan-Sachen von den Südkoreanern geschenkt bekommen. Unsere Unterstützung ist unsere Art und Weise, danke zu sagen", so der 18 Lenze zählende Tanimu.
Für die Menschen in Nigeria ist die Tatsache, dass während der U-17-Endrunde unzählige Leute aus der ganzen Welt in ihrem Land voller Begeisterung den Fussball genießen, die größte Ehre. "Wenn wir sehen, dass sich die Jungs aus Südkorea darüber freuen, dass wir sie anfeuern, dann freuen wir uns umso mehr", erklärt Gabriel. Der 23-Jährige hofft natürlich, dass die Ostasiaten bis ins Finale kommen, das am 15. November in Abuja ausgetragen wird. "Ich glaube fest daran, dass sie es schaffen!"
Allerdings haben die drei jungen Studenten aus Kaduna ein Problem. Für wen würden sie halten, wenn der Gegner Südkoreas auf dem Weg ins Endspiel bereits im Viertelfinale, was durchaus möglich ist, Nigeria hieße, wollte FIFA.com wissen. "Oje, das ist eine gute Frage", antwortete Hausa, um dann sehr lange nachzudenken. "Um ehrlich zu sein, das weiß ich jetzt noch nicht." Tanimu, der jüngste, griff ein: "Für Nigeria natürlich!" Dann drehten sie sich um und bliesen wieder kräftig ins knallrote Südkorea-Horn...
Um noch mehr faszinierende Impressionen von Südkoreas nigerianischem Fanklub zu bekommen, klicken Sie sich durch die in der rechten Menüleiste befindliche Fotogalerie. Es lohnt sich!

