Ein bangender Gigant, ein euphorischer Geheimfavorit, ein glücklicher Titelaspirant, der durch die Hintertür das Weiterkommen perfekt gemacht hat, und ein stolzer Champion: Der Auftakt der abschließenden Gruppenspiele bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2009 hatte jede Menge Emotionen und eine faustdicke Überraschung parat.

Die nigerianischen Gastgeber sorgten mit einem Paukenschlag dafür, dass man sie nach dem schwerfälligen Turnierauftakt spätestens jetzt wieder als einen der ganz großen Favoriten auf den Gewinn der Trophäe betrachten muss. Ein 2:1-Erfolg vor den Augen der leidenschaftlichen Fans in Bauchi gegen keinen Geringeren als die bislang groß auftrumpfenden Argentinier machte mächtig Eindruck. Zudem sorgte Europameister Deutschland mit einem 3:1-Erfolg in Abuja gegen Honduras dafür, dass man mit vier Zählern und Platz drei in der Gruppe A in der K.o.-Phase steht, weil man dank des positiven Torverhältnisses von mindestens zwei anderen Drittplatzierten nicht mehr überholt werden kann. 

Die Sensation des Tages spielte sich aber in der Gruppe B ab. Die hoch gehandelten Brasilianer unterlagen den auch im dritten Match bärenstark auftretenden Schweizern mit 0:1 und müssen nun mit nur drei Zählern auf dem Konto richtig zittern, als Drittplatzierter noch weiter in Westafrika bleiben zu dürfen. Mexiko, mit großen Vorschusslohrbeeren zur WM-Endrunde gereist und dann mit einer Niederlage gestartet, stellte dagegen beim 2:0 in Lagos gegen die Japaner unter Beweis, dass man aus dem Fehlstart gelernt hat und nun durchaus in der Lage ist, sich mit den Großkalibern zu messen.

Die Ergebnisse
Deutschland - Honduras 3:1
Argentinien - Nigeria 1:2
Japan - Mexiko 0:2
Schweiz - Brasilien 1:0

Ausführliche Zusammenfassungen der einzelnen Partien finden Sie über die Links in der Spalte auf der rechten Seite.

Das Tor des Tages
Japan - Mexiko 0:1, Carlos Campos (65.)
Es war nicht nur die Art, wie der junge Mexikaner das Siegtor erzielt hat, es war auch der dazugehörige Kontext, der diesen Treffer zu einem bemerkenswerten Kunststück macht. Campos zog von links nach innen, sah den gegnerischen Schlussmann ein paar Zentimeter zu weit vor seinem Gehäuse postiert und zirkelte das Leder gefühlvoll in den rechten oberen Winkel. In der ersten Halbzeit hatte der Mittelamerikaner schon einmal eine nahezu identische Situation, scheiterte da aber noch am japanischen Keeper. Campos' Geniestreich war das 1300. Tor in der Geschichte der FIFA U-17-Weltmeisterschaft. Ein Moment für die Geschichtsbücher!

Momente des Tages
In Bauchi spielt die Musik
Bislang kam man nur in der Hauptstadt Abuja in den Genuß, die verehrten Lokalmatadoren zu feiern. Im riesigen Nationalstadion rang man den Deutschen einen Punkt ab und schickte die Honduraner als Verlierer vom Feld. Beim dritten Auftritt der Golden Eaglets ging es jedoch ins Abubakar-Tafawa-Balewa-Stadion von Bauchi. Und wer gedacht hätte, dass es in der von Landwirtschaft und Bergbau geprägten Gegend weniger leidenschaftlich zur Sache gehen würde, hatte sich gehörig getäuscht. Im Gegenteil: Nicht nur Vuvuzelas waren zu hören, sondern während der gesamten 90 Minuten Spielzeit gab auch eine etwa 50-köpfige Kapelle den Takt vor. Am Ende bedankten sich die Nigerianer mit einem Siegestanz. Fanszinierend!

Verkehrte deutsche Fussball-Welt
Deutschland und Effizienz sind in dem Sport mit dem runden Leder eigentlich zwei untrennbare Worte. In der ersten Halbzeit der Partie des Teams von Coach Marco Pezzaiouli gegen die Honduraner offenbarten sie sich aber vielmehr als Gegensätze. Die Deutschen stark im Spielaufbau, aber schwach im Abschluss: Ein seltenes Schauspiel! Nach dem Seitenwechsel stellten Lennart Thy und Kevin Volland mit ihren insgesamt drei Treffern die alte Fussball-Weisheit aber wieder her. Thy traf übrigens binnen 30 Sekunden doppelt: Ein Doppelschlag binnen kürzester Zeit. In den beiden vorherigen Partien gegen Nigeria und Argentinien hatten sie noch im Eiltempo die Gegentreffer kassiert.

Von wegen Reisestrapazen...
Nach neun gemeinsam verbrachten Stunden im Flieger und im Bus auf dem Weg von Abuja nach Bauchi brauchten Nigeria und Argentinien lediglich fünf Minuten, um jeweils einen Treffer zu erzielen. Für die Südamerikaner traf ausgerechnet Esteban Orfano, der als einer von nur vier Akteuren aus der Anfangself bereits in den beiden vorherigen Gruppenspielen von Beginn an dabei war. Ohne Zweifel kann man bei diesem jungen Mann wahrlich nicht von Müdigkeit sprechen.

Ein Japaner im Pech
Takashi Usami wird diesen Tag sicher so schnell wie möglich abhaken wollen. Der japanische Stürmer vergab gegen die Mexikaner gleich sechs hochkarätige Einschussmöglichkeiten und wurde damit zur tragischen Figur in Lagos. Ganz im Gegenteil zum mexikanischen Schlussmann, denn José Rodriguez war es, der Usami ein ums andere Mal verzweifeln ließ und sich den Szenenapplaus des Publikums abholte.

Die Zahl des Tages
3 - Die Anzahl der Gesamttreffer, mit denen sich der deutsche Stürmer Lennart Thy dank seines heutigen Doppelpacks an die Spitze der Torschützenliste setzte. Bereits bei der gewonnenen Europameisterschaft im eigenen Land teilte sich das Talent von Werder Bremen mit einigen anderen Akteuren den goldenen Schuh. Und auch damals traf er insgesamt drei Mal ins gegnerische Netz.

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