In einer Pressekonferenz während der vor Kurzem zu Ende gegangenen FIFA U-20-Weltmeisterschaft Ägypten 2009 machte der brasilianische Trainer Rogério Lourenço deutlich, was es bedeutet, das Trikot der Seleção zu tragen: "Die Menschen in Brasilien erwarten nicht nur, dass ihre Nationalelf immer gewinnt, sondern auch, dass sie auf spektakuläre Weise gewinnt. Nur eines dieser zwei Ziele zu erreichen, ist nicht genug. Und das gilt für alle Altersklassen und Kategorien: U-20, U-17, Männerfussball, Frauenfussball!"

Lourenços Amtskollege von der brasilianischen U-17-Nationalmannschaft, Lucho Nizzo, muss bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft Nigeria 2009 unter Beweis stellen, dass er mit diesem Druck gut umgehen kann. Er weiß genau, dass die brasilianische Nationalmannschaft - im Gegensatz zu anderen Mannschaften bei Turnieren dieser Art - nicht nur über Talente verfügt, die in ihren jeweiligen Vereinen kaum zum Einsatz kommen. Mindestens zwei Stammspieler der Elf von Nizzo zählen bereits zu den Stars ihrer Vereine und sind in Brasilien bereits bestens bekannt, weshalb sie mehr als alle anderen im Mittelpunkt des Interesses stehen: die Offensivspieler Neymar, der beim FC Santos bereits als Nachfolger von Robinho gehandelt wird, und Philippe Coutinho, die Nachwuchshoffnung von Vasco da Gama.

Im Laufe der letzten zwei oder drei Jahre konnten sich die beiden trotz ihres jungen Alters bereits als Hoffnungsträger ihrer Vereine etablieren und das Interesse von europäischen Top-Klubs wecken. Im Juli 2008 unterzeichnete Coutinho einen Vertrag bei Inter Mailand.

"Die Erfahrungen, die wir bei den Klubs sammeln, sind sehr wichtig und helfen uns weiter. Doch nun müssen wir unser Können in die Praxis umsetzen, um der Seleção dabei zu helfen, Weltmeister zu werden", sagte Neymar vor der Abreise nach Nigeria mit Hinblick auf die letzten beiden Teilnahmen der Brasilianer an der U-17-Weltmeisterschaft. Nachdem man 2003 in Finnland den dritten Weltmeistertitel geholt hatte, musste man sich zwei Jahre später in Peru im Finale den Mexikanern geschlagen geben. Beim der Auflage von 2007 in Korea scheiterte man sogar bereits im Achtelfinale an Ghana.

Das U-20-Team als Vorbild
Coutinho, dessen Ballführung ebenso beeindruckend ist wie sein Passspiel, stellte im vergangenen Mai sein großes Talent erneut unter Beweis, als er die Seleção in Iquique (Chile) zum dritten Titel in der südamerikanischen U-17-Meisterschaft führte. Bei diesem Turnier, bei dem die Brasilianer ohne Neymar antraten, der damals mit dem FC Santos im Finale des Campeonato Paulista im Einsatz war, erreichte man ein 2:2-Unentschieden gegen Argentinien, ehe man sich im Elfmeterschießen mit 6:5 durchsetzte. Solche Siege bringen einer Mannschaft die nötige Reife, die bei Turnieren wie dem, das am kommenden Samstag in Nigeria beginnt, unbedingt erforderlich ist. Diese Reife schien der brasilianischen U-20-Nationalmannschaft vor einigen Tagen in Ägypten zu fehlen, als man vor den Augen der Elf von Lucho Nizzo das Finale gegen Ghana im Elfmeterschießen verlor.

"Die Spieler sahen fast jede Partie der U-20-Mannschaft. Sie haben bestimmt gemerkt, dass bei solchen Turnieren nicht immer die bessere Mannschaft als Sieger vom Platz geht", weiß Nizzo. "Es ist schade, dass Brasilien verloren hat, doch vielleicht konnten meine Spieler etwas daraus lernen - vor allem darüber, wie kleinste Details in der K.o.-Phase solcher Turniere den Unterschied ausmachen können. Dieses Turnier ist natürlich sehr wichtig für unsere Mannschaft, aber vor allem auch für die zukünftige Entwicklung der Spieler."

Die brasilianische Talentschmiede ist so erfolgreich, dass es bereits in den Juniorenmannschaften Spieler wie Neymar oder Coutinho gibt, die überall für Furore sorgen. Sie stechen bereits seit einiger Zeit ins Auge, doch nun können Sie auch bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft ihr Können unter Beweis stellen. Bei einem Land, das bereits Spieler wie Ronaldinho (Ägypten 1997), Adriano (Neuseeland 1999) oder Diego (Trinidad und Tobago 2001) in seinen U-17-Teams hatte, dürfte eines feststehen: Wir werden in Nigeria einige Spieler sehen, die zu den zukünftigen Weltstars zählen könnten.