Von der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft wird in Erinnerung bleiben, dass Korea DVR die fünfte Auflage des Turniers nach einem Finalsieg gegen Japan für sich entschieden hat. Aber nicht nur der nordkoreanische Fussball kann seiner Erfolgsliste eine weitere Zeile hinzufügen. Vielmehr sind ein ganzes Land und eine ganze Region die weiteren Gewinner dieses Turniers.

Zum ersten Mal ist ein FIFA-Frauenwettbewerb im Nahen Osten ausgetragen worden. In einer Region, in der Frauen noch vor nicht allzu langer Zeit praktisch keinerlei Zugang zu diesem Sport hatten. Nicht auf dem Spielfeld und teilweise nicht einmal auf den Tribünen. Drei Jahre nach der Entscheidung der FIFA, Jordanien den Zuschlag für die Ausrichtung der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft zu geben, und zwei Jahre nach der Änderung der Spielregeln, die nunmehr das Tragen einer Kopfbedeckung erlauben, ist der schönste Sport der Welt nun auch hier Frauensache - das Eröffnungsspiel zwischen den Gastgeberinnen und Spanien ging als erste Partie in die Geschichte der FIFA-Wettbewerbe ein, an der Spielerinnen mit Kopfbedeckung teilnahmen. Und dies wird sicher noch lange so bleiben, denn die Veranstaltung hat im Land und in der Region ein bedeutendes Vermächtnis hinterlassen.

"Wir wollten ein Erbe hinterlassen und ich glaube, dass wir einen großen Schritt nach vorne gemacht haben", bekräftigt Samar Nassar, die Geschäftsführerin des Lokalen Organisationskomitees. "Es war von grundlegender Bedeutung, die Infrastruktur, Stadien und 14 Trainingsplätze zu errichten, um internationalen Standards gerecht zu werden. Es ist uns außerdem gelungen, eine große Zahl von Menschen für den Spitzensport auszubilden. Diese Bemühungen werden zweifellos zur Entwicklung des jordanischen Fussballs beitragen und gleichzeitig dem Gemeinwesen zugutekommen."

Außergewöhnliche Leidenschaft
Zu diesem Gemeinwesen gehören unter anderem die jungen Mädchen, die am "Live-Your-Goals"-Festival in Zarka, einem der Austragungsorte des Turniers, teilnehmen durften. 150 Schülerinnen aus allen Winkeln des Königreichs kamen zusammen, die alle eine Gemeinsamkeit hatten: Die Liebe zum Fussball. Das von der FIFA in Zusammenarbeit mit dem jordanischen Fussballverband organisierte Programm verfolgt das Ziel, junge Mädchen an diesen Sport heranzuführen und seine Popularität zu steigern.

Angesichts der Begeisterung der Jordanier für den Fussball scheint dessen Beliebtheit tatsächlich kontinuierlich zu wachsen. Das ganze Land, einschließlich Hunderter Kinder, die in Flüchtlingslagern leben und als Zuschauer in die Stadien eingeladen wurden, begeisterte sich für das Turnier. Vor allem natürlich für die Nationalmannschaft. Nicht einmal die drei Niederlagen des jordanischen Teams haben den Stolz der Bewohner, ihr Land zum ersten Mal bei einem FIFA-Turnier vertreten zu sein, mindern können. Die Menschen strömten in Scharen in die Arenen, um die ersten Schritte Jordaniens auf der weltweiten Bühne zu verfolgen. Und niemand wurde außen vor gelassen. Tatsächlich war es der FIFA und dem LOK ein besonderes Anliegen, möglichst allen Bevölkerungsgruppen den Zugang zum Stadion zu ermöglichen. So wurde dafür Sorge getragen, beispielsweise Menschen mit Behinderung oder eingeschränkter Mobilität alle Unterstützung zukommen zu lassen, die sie benötigen.

Nicht nur für die Infrastruktur, sondern auch für die Entwicklung des Fussballs allgemein und insbesondere des Frauenfussballs hinterlässt das Turnier in der Region ein Vermächtnis. Das Niveau in einem Land für die Dauer eines Wettbewerbs zu steigern, ist schön. Dafür zu sorgen, dass es sich nachhaltig weiterentwickelt, ist aber noch besser. Dies war der Zweck eines regionalen Workshops, der im Rahmen des Wettbewerbs in Amman organisiert wurde. An ihm nahmen 16 Frauenfussballtrainerinnen und -trainer aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Palästina, Syrien, Bahrain, Oman, Iran und Jordanien teil. Sie bildeten sich unter anderem bei Vorträgen von FIFA-Expertinnen weiter und können ihre erworbenen Kenntnisse nun in ihren Ländern weitergeben, um den Frauenfussball im Mittleren Osten weiterzuentwickeln.

Ein erster Schritt
Dank dieses Turniers ging das Engagement der Frauen weit über die Grenzen des Fussballplatzes hinaus. Es war von großer Bedeutung, dass sie an der Planung, Organisation und der täglichen Verwaltung aller Aspekte beteiligt waren, die mit der Veranstaltung eines solchen Ereignisses einhergehen. Angesichts des Erfolgs des Turniers kann sich Jordanien glücklich schätzen, so viele Aufgaben in die Hände der Frauen gegeben zu haben. 75 Prozent der Mitglieder des Lokalen Organisationskomitees waren Frauen.

Ihre Vorsitzende Samar Nassar würdigt zu Recht den Erfolg des Turniers und ist sich dessen bewusst, dass sie eine unauslöschliche Spur in der Region hinterlassen haben. "Ich bin sehr stolz auf unser Personal und unsere Volunteers. Aber unsere Mission ist damit nicht beendet. Dieses Turnier ist nur die erste Etappe einer noch sehr langen Reise. Wir werden die Hilfe Aller benötigen, um die Fans weiterhin anzulocken und zu halten und den Aufschwung, den dieses Turnier ausgelöst hat, fortzusetzen", lautet ihr Fazit.

Tausende Fussbälle für die Menschen in Jordanien dank zahlreicher Tore
Kurz vor dem Eröffnungsspiel des Turniers, erhielten die eifrigen und zielstrebigen Stürmer der 16 teilnehmenden Nationen eine zusätzliche Motivation, als die FIFA und der Jordanische Fussballverband bekanntgaben, dass sie jedes Tor, das in Jordanien 2016 erzielt wird, mit einer Spende von 150 Fussbällen belohnen. Insgesamt wurden in den 32 Spielen 103 Tore erzielt. In den kommenden Monaten werden 15.450 adidas Bälle an die Gemeinden im ganzen Königreich verteilt. Damit wird  allen jordanischen Kindern die Chance gegeben, in Jordanien Fussball zu spielen und hoffentlich an der Fussball-Zukunft teilzunehmen.

Entdecken Sie fantastische Bilder des Vermächtnisses der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Jordanien 2016 im Video oben.