Ri Hae-yon bescherte der DVR Korea mit ihrem Treffer im Endspiel der AFC U-16-Frauen-Meisterschaft am vergangenen Sonntag in Wuhan (VR China) einen 1:0-Sieg über Japan. Das Team von Hwang Yong-song holte sich somit den zweiten kontinentalen Titel nach 2007.

In der Neuauflage des Endspiels der beiden vorangegangenen Turniere wären die Japanerinnen fünf Minuten vor der Halbzeit beinahe in Führung gegangen, doch der Schuss von Stürmerin Hana Takahashi prallte an die Latte. Nur eine Minute später gingen jedoch die Nordkoreanerinnen in Führung, als Topstürmerin Ri ihre Gegenspielerin stehen ließ und den Ball mit einem satten Schuss mit dem linken Fuß in die rechte obere Ecke des Tors zirkelte.

Angespornt durch den Führungstreffer dominierte die DVR Korea auch in der zweiten Halbzeit. Abwehrspielerin Choe Un-chung hatte sogar das 2:0 auf dem Fuß, doch ihr Freistoß zischte knapp über die Latte. Auch Ri scheiterte in der Schlussphase am Aluminium, so dass es beim knappen 1:0-Erfolg blieb. Die Mannschaft von Hwang konnte sich mit diesem Sieg für die beiden Niederlagen gegen Japan in den Endspielen 2011 und 2013 rehabilitieren.

"Ich bin überglücklich, dass wir dieses Turnier gewinnen konnten", sagte Hwang. "Wir haben bereits in der Gruppenphase gegen Japan gespielt und wussten daher ziemlich genau, womit wir zu rechnen hatten. Ich habe meinen Spielerinnen gesagt, dass sie das Spiel besser kontrollieren müssten. In der Halbzeitpause haben wir ihnen gesagt, dass sie das hohe Tempo bis zur letzten Minute durchziehen sollten. Unser konzentriertes Spiel war heute ausschlaggebend für den Erfolg."

Der Weg nach Jordanien
Das Turnier mit acht Mannschaften fungierte auch als Qualifikation für die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Jordanien 2016. Da sich nur die besten zwei Teams für die WM-Endrunde qualifizieren konnten, war das Turnier wie erwartet hart umkämpft. An dieser Asienmeisterschaft nahmen nicht weniger als drei ehemalige Weltmeister teil: Die DVR Korea (Weltmeister 2008 in Neuseeland), die Republik Korea (2010 in Trinidad und Tobago) und Japan (2014 in Costa Rica).

Die späteren Finalisten trafen gemeinsam mit Usbekistan und Chinese Taipei bereits in der Gruppenphase aufeinander und qualifizierten sich wenig überraschend für die Runde der letzten Vier. Beide Teams waren mit klaren Siegen über Usbekistan bzw. Chinese Taipei in das Turnier gestartet, bevor sie im letzten Gruppenspiel direkt aufeinander trafen.

In einem erwartet engen Spiel brachte Sung Hyang-sim die Nordkoreanerinnen in Führung, ehe Takahashi den Japanerinnen noch ein 1:1-Unentschieden rettete. Am Ende hatten beide Mannschaften sieben Punkte zu Buche stehen, doch die Japanerinnen sicherten sich aufgrund der besseren Tordifferenz den Gruppensieg.

Im Halbfinale traf die DVR Korea dann auf den bis dato ungeschlagenen Gastgeber VR China, der die andere Gruppe gewonnen hatte. Japan bekam es hingegen mit der Überraschungsmannschaft aus Thailand zu tun, die sich mit 1:0 gegen den Favoriten aus der Republik Korea durchgesetzt hatte. Die Japanerinnen schossen die Thailänderinnen schließlich mit 8:0 aus dem Stadion, während sich die Nordkoreanerinnen mit 2:1 gegen die Chinesinnen durchsetzten. Abgesehen vom Einzug in das Endspiel bedeuteten diese Siege auch die direkte Qualifikation für die U-17-WM im kommenden Jahr, für die auch Gastgeber Jordanien automatisch qualifiziert ist.

"Wir sind überglücklich, bei der U-17-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr wieder dabei zu sein", sagte Hwang mit Blick auf die fünfte WM-Teilnahme der Nordkoreanerinnen. "Wir werden alles daran setzen, unser Land glücklich zu machen - so wie wir es auch heute getan haben."

Aufstrebende Stars
Bei diesem Turnier wurden auch einige junge Talente entdeckt, die sich ins kontinentale Rampenlicht spielen konnten. Mit insgesamt vier Toren, einschließlich eines Doppelpacks gegen die VR China, avancierte Ri gemeinsam mit Mittelfeldspielerin Kim Pom-ui zur besten Torjägerin der DVR Korea. Die Nachwuchsspielerin begeisterte die Zuschauer während des gesamten Turniers mit ihren unermüdlichen Sturmläufen und ihrem ausgeprägtem Torriecher und wurde schließlich auch zur wertvollsten Spielerin des Turniers gewählt.

Aber auch die Japanerin Takarada konnte mit ihrer Spielübersicht und ihrem Torinstinkt begeistern. Die japanische Torjägerin erzielte drei Treffer in ebenso vielen Spielen, einschließlich des Ausgleichstreffers gegen die DVR Korea, und hatte somit maßgeblichen Anteil am Finaleinzug ihrer Mannschaft. Bemerkenswert waren auch die Leistungen der Spielführerin Fuka Nagano, die ihre Führungsqualitäten eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Obwohl die Gastgeberinnen aus der VR China die WM-Qualifikation knapp verpasst haben, konnten sie mit dem Gruppensieg verdeutlichen, welche Fortschritte sie erzielt haben. Die Mannschaft, die größtenteils aus Spielerinnen besteht, die das Mädchen-Turnier im Rahmen der Olympischen Jugendspiele 2014 in Nanjing gewonnen hatten, und die von der legendären Gao Hong betreut wird, holte ein 3:3 gegen die Republik Korea, ehe sie mit Siegen über Iran und Thailand das Halbfinale erreichte. Stürmerin Wang Yanwen sicherte sich mit sechs Treffern die Torjägerkrone des Turniers, während Jin Kun und Ma Xiaolan, Veteraninnen von Nanjing 2014, mit jeweils drei Toren ebenfalls für Furore sorgen konnten.

"Das gesamte Turnier war für unsere Spielerinnen eine großartige Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln", sagte die ehemalige Nationaltorhüterin Gao, die bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 1999 in den USA mit den Chinesinnen den Vizeweltmeistertitel geholt hatte. "Die Mädchen konnten sich von Spiel zu Spiel steigern. Die Kluft zu den Spitzenmannschaften wird immer kleiner, doch wir müssen noch an unseren Fehlern arbeiten und uns weiterhin steigern."