Japan besteigt erstmals den WM-Thron
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Eine riesige Begeisterung, volle Stadien, mitreißender und hochklassiger Fussball sowie ein Champion, der erstmals den Thron bestieg: Die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011™ in Deutschland hat den nächsten Schritt in eine neue Dimension für die feminine Seite der schönsten aller Sportarten gemacht und bleibt genau deshalb für immer in ganz besonderer Erinnerung.

Dass Japan nach einem hochklassigen Endspiel mitsamt packendem Elfmeterschießen die Trophäe in den Nachthimmel von Frankfurt stemmen durfte, ist gleich in mehreren Hinsichten das "Tüpfelchen auf dem i". Zum einen begeisterte das Team um Superstar Homare Sawa mit modernstem Kombinationsspiel und technischer Brillanz, um unter Beweis zu stellen, dass die Weltspitze des Frauenfussballs längst in weiteren Ecken des Globus angekommen ist. Zum anderen zauberte dieser Triumph den Menschen im "Land der aufgehenden Sonne" nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe im vergangenen März wieder ein Lächeln in die Gesichter.

Ein Sieg für den modernen Frauenfussball
Neben Norwegen (1995), den USA (1991, 1999) und Deutschland (2003, 2007) hat der Frauenfussball somit einen vierten Weltmeister. Die Japanerinnen gehören fortan zu den Giganten. "Wir wollten unbedingt eine Medaille, aber ich wagte nicht davon zu träumen, dass wir gewinnen würden, und ich hätte mir nie träumen lassen, auch den Goldenen Schuh von adidas zu gewinnen und Weltmeisterin zu werden", so die zum Superstar der Endrunde in Deutschland avancierte Mittelfeldregisseurin Sawa, die zudem mit dem Goldenen Ball von adidas geehrt wurde, im exklusiven Gespräch mit FIFA.com.

Es war das Turnier einiger Überraschungen. Dass die Norwegerinnen bereits nach der Gruppenphase den Heimweg antreten mussten, erstaunte. Als dann im Viertelfinale auch noch Gastgeber, Titelverteidiger und Topfavorit Deutschland sowie die als Vize-Champions ins Turnier gestarteten Brasilianerinnen um FIFA Weltfussballerin Marta die Segel streichen mussten, kam einem großen Paukenschlag gleich. Im Spiel um Platz drei setzte sich Schweden gegen Frankreich durch, womit diese beiden europäischen Ensembles ihre Tickets für Olympia 2012 in der Tasche haben. Während sich die Skandinavierinnen mit herzerfrischenden und sympathischen Auftritten in die Herzen der Fans spielten, verdienten sich die Bleues dank ihres filigranen und kreativen Offensivspiels großen Respekt.

Hochklassig, bewegend und spektakulär
Mit purer Dynamik und typischer Siegermentalität stürmten die USA in der Hoffnung, wieder alleiniger Rekord-Weltmeister zu werden, ins Endspiel gegen Japan. In einem Finale, das von Spannung und Dramatik kaum mehr zu überbieten sein wird, gelang den Ostasiatinnen, die bereits die Deutschen aus dem Wettbewerb warfen, gleich zwei Mal, einen Rückstand auszugleichen, um dann im finalen Elfmeterschießen die stärkeren Nerven unter Beweis zu stellen. "Für uns ist das ein schwieriger Moment, denn wir waren so nah dran. Doch ich denke, dass Japan, das so viel Leid erfahren musste, den Sieg fast mehr gebraucht hat als wir. Der Gedanke, dass dieser Triumph dem japanischen Volk etwas Freude und Hoffnung bringen könnte, ist tröstlich", so U.S.-Topstürmerin Abby Wambach, die gemeinsam mit der Keeperin der Stars and Stripes, Hope Solo, zu den herausragenden Akteurinnen bei dieser Frauen-WM zählte.

Auch die Teams aus Afrika und Ozeanien konnten unterstreichen, dass in ihren Regionen eine Weiterentwicklung stattgefunden hat. Während Neuseeland in der Vorrunde seinen ersten Punktgewinn in der Geschichte der FIFA Frauen-WM feierte, nutzte vor allem Offensivjuwel Anonman aus Äquatorial-Guinea die große Bühne, um ihre außergewöhnlichen Qualitäten zu präsentieren. Enttäuscht verließen die Kanadierinnen derweil das Turnier, nachdem sie mit einem komplett leeren Zählerkonto nach der Gruppenphase ausschieden und nun die Rolle des Gastgebers der FIFA Frauen-WM 2015 übernehmen werden. "Es war ein hochklassiges Turnier hier in Deutschland. Wir müssen in den nächsten vier Jahren also jede Menge Erwartungen erfüllen. Aber die Weltmeisterschaft ist eine großartige Gelegenheit, etwas für uns selbst zu tun", so die kanadische Star-Stürmerin Christine Sinclair.

Ein neuer Meilenstein ist erreicht
Nach der zum großen Erfolg gewordenen FIFA WM 2006 erlebte Deutschland nun bei der FIFA Frauen-WM 2011 zweifelsfrei sein zweites Sommermärchen. Eine phänomenale Zahl von insgesamt 845.711 Zuschauern verfolgten die 32 Partien. Unvergessen werden vor allem die atemberaubenden Kulissen in jeweils ausverkauftem Haus beim Eröffnungsspiel im traditionsreichen Berliner Olympiastadion (73.680 Zuschauer) und beim Finale in Frankfurt (48.817 Zuschauer) bleiben. "Die Stadien waren großartig, die Begeisterung des Publikums hat sich fortgesetzt, auch nachdem die deutsche Mannschaft gestrauchelt war", so FIFA-Präsident Joseph S. Blatter.

Bunt bemalte Gesichter der euphorisierten Fans, unzählige "La Ola"-Wellen und Fangesänge sowie eine freundliche, begeisterte und mitreißende Gänsehaut-Atmosphäre machten die sechste Veranstaltung dieser Turnierserie zum Erlebnis. Dank des hohen Spielniveaus und der vielen knappen Resultate erwies sich Deutschland 2011 als richtungsweisender Meilenstein auf dem Weg zu einer rosigen Zukunft des Frauenfussballs. Die Spitze ist breiter geworden, das weiß auch Tina Theune, Mitglied der Technischen Studiengruppe (TSG). "Nun ist der richtige Zeitpunkt gekommen, hinsichtlich der Frauen-WM 2015 das Teilnehmerfeld von 16 auf 24 Teams zu vergrößern", erklärte die deutsche Weltmeister-Trainerin von 2003 exklusiv gegenüber FIFA.com.

Deutschland 2011 war ein Frauenfussball-Festival der Extraklasse. Nun richtet sich der Blick nach Kanada 2015. Die immer größer werdende Fangemeinde und die Experten, aber auch die Spielerinnen schwelgen in wundervollen Erinnerungen. Und sie können das nächste Highlight schon jetzt kaum erwarten!

Teilnehmer
Äquatorial-Guinea, Australien, Brasilien, Deutschland, England, Frankreich, Japan, Kanada, Kolumbien, Korea DVR, Mexiko, Neuseeland, Nigeria, Norwegen, Schweden, USA

Abschlusstabelle
1. Japan
2. USA
3. Schweden
4. Frankreich

Austragungsorte
Augsburg, Berlin, Bochum, Dresden, Frankfurt, Leverkusen, Mönchengladbach, Sinsheim, Wolfsburg

Anzahl der Tore
86 (durchschnittlich 2,69 pro Spiel)

Beste Torschützinnen
1. Homare Sawa (Japan), 5 Tore und 1 Assist
2. Marta (Brasilien), 4 Tore und 2 Assists
3. Abby Wambach (USA), 4 Tore und 1 Assist