Solo und Wambach - ein bitterer Beigeschmack
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Die U.S.-Amerikanerinnen Hope Solo und Abby Wambach mussten tief durchatmen, bevor sie aufs Podium stiegen. Mit einem traurigen Lächeln nahmen sie die individuellen Preise entgegen, mit denen sie für ihre Leistungen bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011™ ausgezeichnet wurden.

Solo erhielt nicht nur den Goldenen Handschuh von adidas als beste Torhüterin des Wettbewerbs, sondern auch den Bronzenen Ball als drittbeste Spielerin des Turniers. "Es hat einen bitteren Beigeschmack. Es war immer mein Ziel, die beste Torhüterin der Welt zu werden, aber es war auch immer mein Ziel, Weltmeisterin zu werden. Das komplette Glück blieb mir also verwehrt. Es war hart, dort oben die individuellen Auszeichnungen entgegenzunehmen. Es wäre mir lieber gewesen, dort oben zu stehen und mit meinen Kameradinnen den anderen Pokal in die Höhe zu stemmen, nicht die individuellen Trophäen", sagte Solo nach dem Finale in Frankfurt gegenüber FIFA.com.

Mehr als nur der sportliche Erfolg
Ähnliche Worte vernahmen wir auch von ihrer Kollegin Wambach, die mit dem Silbernen Ball von adidas als zweitbeste Spielerin und dem Bronzenen Schuh von adidas für ihre vier Tore (alle vier per Kopf) im Verlauf des Turniers ausgezeichnet wurde. "Diese zwei Preise sind eine Ehre, doch es bricht mir das Herz, nicht ein wenig mehr geschafft zu haben", sagte die Torjägerin, als sie das Stadion verließ.

Keine der beiden Fussballerinnen indes wollte die Leistung der neuen Weltmeisterinnen schmälern. "Es war ein hartes und umkämpftes Spiel. Die japanische Mannschaft spielte mit so viel Leidenschaft und kämpfte so sehr – ich sage das nicht zu allen Mannschaften, aber vor dieser japanischen Auswahl habe ich den größten Respekt. Sie haben um viel mehr als nur den sportlichen Erfolg gekämpft. Es gab für sie so viele andere wichtige Gründe...", sagte die amerikanische Torhüterin, die sich im Anschluss an die Partie freundschaftlich mit der Japanerin Aya Miyama unterhielt, bevor sie sich mit einer Umarmung verabschiedeten.

"Ich bin untröstlich. Doch wir müssen Japan gratulieren. Was für eine Partie von Sawa! Sie war fantastisch und hat es sich durch ihre harte Arbeit verdient. Für uns ist das ein schwieriger Moment, denn wir waren so nah dran. Doch ich denke, dass Japan, das so viel Leid erfahren musste, den Sieg fast mehr gebraucht hat als wir. Der Gedanke, dass dieser Triumph dem japanischen Volk etwas Freude und Hoffnung bringen könnte, ist tröstlich", sagte Abby Wambach edelmütig.

Das Glück war auf der Seite Japans
Nach einem so engen Duell voller Leidenschaft und Dynamik, das erst im Elfmeterschießen entschieden werden konnte, kann keiner Mannschaft irgendein Vorwurf gemacht werden. "USA hat bewiesen, dass es ein Team mit Charakter in der Offensive ist, dass wir nicht nur eine defensive Mannschaft sind. Wir haben uns viele Chancen erspielt, doch am Ende war das Glück nicht auf unserer Seite. Es war auf der Seite Japans", verteidigte Solo ihr Team.

Ihre Auszeichnung als drittbeste Spielerin des Turniers wird dabei helfen, das Image ihrer Position im Frauenfussball zu heben. Tatsächlich standen die Schlussfrauen unter besonderer Beobachtung während dieser WM. "Das ist ein guter Punkt. Ich denke nicht, dass die Torhüterinnen der Schwachpunkt des Frauenfussballs sind. Man muss doch nur auf die japanische Torhüterin heute Abend blicken – sie hat ein fantastisches Spiel und ein großartiges Turnier gemacht. Ich denke, dass die Torhüter in den Spielen den Unterschied ausmachen, und ich fühle mich durch die Auszeichnung geehrt", ergänzte Hope Solo. "Über die Elfmeter heute Abend – was soll ich sagen? Es ist schwer, zwei Spiele im Elfmeterschießen zu gewinnen – ich habe keine Worte..."