Die Stunde der Wahrheit ist gekommen. Sehr bald schon rollt der Ball bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007. Nach monatelangem Training, Tests und Arbeit auf höchstem Niveau sind auch sie bereit. Die Rede ist von den 14 Schiedsrichterinnen und 22 Schiedsrichter-Assistentinnen, die die 32 Partien leiten werden, nach deren Ende wir wissen, wer die beste Mannschaft der Welt im Frauenfussball ist.
Alles beginnt mit einem Pfiff - und diese Ehre kommt Tammy Ogston am Montag im Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Argentinien in Shanghai zu. Die Australierin ist eine erfahrene Schiedsrichterin auf höchstem Niveau im Frauenfussball und war bereits bei den letzten beiden Weltmeisterschafts-Turnieren dabei, nämlich 1999 und 2003 in den Vereinigten Staaten. Dennoch kribbelt es bei ihr noch wie beim allerersten Mal.
"Ich kann es gar nicht erwarten, dass es endlich so weit ist. Ich bin sehr bewegt und auch glücklich darüber, dass man mir die Leitung des Eröffnungsspiel anvertraut hat", so Ogston gegenüber FIFA.com, ohne dabei ein zufriedenes Lächeln zu verbergen.
Vor ihrer dritten WM-Endrunde im Frauenfussball bestätigt die Unparteiische die Fortschritte, die es bei den weiblichen Spielleiterinnen gegeben hat. "Die Schiedsrichter-Abteilung der FIFA leistet wirklich tolle Arbeit. Wir sind jetzt viel professioneller. Gegenüber 1999 sind wir um hundert Prozent besser". Nach einer bislang zehnjährigen internationalen Karriere ist Ogston die erfahrenste Schiedsrichterin bei dieser Weltmeisterschaft. Lächelnd gesteht sie ein, dass viele ihrer Kolleginnen sie um Rat fragen.
Einer der Neulinge beim Turnier ist Adriana Correa, die trotz einer bereits achtjährigen Erfahrung als internationale Schiedsrichterin zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei ist. Sie leitet am Mittwoch in Hangzhou die Partie zwischen Ghana und Australien. "Ich bin sehr begeistert, denn eine Partie hier ist etwas ganz anderes als eine Erstligabegegnung in meinem Land. Ich weiß, dass ich große Verantwortung trage", erklärt die Kolumbianerin. "Doch meine Assistentinnen sind sehr erfahren, und das gibt mir viel Selbstvertrauen. Wir bereiten uns nun schon eine ganze Weile vor und harmonieren gut. Das ist auch beruhigend."
Beständige Arbeit
Die Schiedsrichterinnen, die zehn Tage vor dem
Eröffnungsspiel in China eingetroffen sind, leben während des
gesamten Turniers in einem Hotel in Shanghai, das man als Quartier
ausgewählt hat. Von hier aus reisen sie in die verschiedenen
Spielorte, um die Partien zu leiten, für die man sie eingeteilt
hat. Anschließend kehren sie ins 'Hauptquartier' zurück, um
weiter zu trainieren. Neben Ausdauertraining stehen auch regelmäßig
Theoriestunden sowie Analysen der bisherigen Partien auf dem
Programm, bei denen mögliche Fehler gesucht werden, um auf diese
Weise die Leistungen weiter zu verbessern. Darüber hinaus werden
die Schiedsrichterinnen von einem Psychologen betreut, der ihnen
bei der mentalen Vorbereitung während des Turniers hilft.
Bei dieser Frauen-WM besteht ein Schiedsrichtergespann nicht unbedingt aus Schiedsrichterinnen und Assistentinnen aus derselben Konföderation, wenngleich man bei der Auswahl der Gespanne Wert auf gutes gegenseitiges Verständnis auf dem Spielfeld legt.
Sonia Denoncourt, die in der Schiedsrichter-Division der FIFA für den Bereich der weiblichen Spielleiter zuständig ist, erläutert uns diese Maßnahmen. "Bei den Frauen gibt es einfach weniger Schiedsrichterinnen und wir haben auf die Forderung der Zugehörigkeit zur selben Konföderation zugunsten der Qualität ihrer Arbeit verzichtet. Wir werden versuchen, dass die Harmonie auf dem Platz so groß wie möglich ist und dass sich die Mitglieder des Schiedsrichtergespanns auch sprachlich verstehen. Am Wichtigsten ist für uns, dass wir unserem Sport dienen und auf dem Platz eine gute Leistung abliefern."
Ebenso wie der Fussball macht auch das Schiedsrichterwesen bei den Frauen große Fortschritte. Jedes Jahr nimmt die Zahl der Frauen zu, die Schiedsrichterin werden möchten, und auch die FIFA trägt ihren Teil dazu bei, deren Ausbildung immer besser werden zu lassen. "Unser Ziel ist es, für eine immer professionellere Arbeit der Schiedsrichterinnen zu sorgen. Die Anzahl der Spielleiterinnen nimmt zu und wir sind dabei, ein System der Kontrolle und Weiterbildung einzurichten", erklärt dazu Sonja Denoncourt.
In den letzten zweieinhalb Jahren wurden regelmäßig Lehrgänge für Schiedsrichterinnen abgehalten und verschiedene internationale Turniere herangezogen, um deren Standard zu beurteilen. "Der Gedanke, der dahinter steht, ist, das Programm in den Vierjahreszeiträumen zwischen Weltmeisterschaften zu konsolidieren. Natürlich sind wir heute besser als 2003, aber wir wissen, dass noch ein weiter Weg vor uns liegt", versichert Sonja Denoncourt.

