Anfang der 90er-Jahre sorgte in dem idyllisch am Rande eines Waldgebiets gelegenen Tennisverein von Århus 1900 ein junges talentiertes Mädchen für Aufsehen. Ihr Name: Maiken With Pape. Als Juniorin schaffte sie es im Einzel Ende 1995 bis unter die Top 200 in der Weltrangliste, im Doppel ein Jahr später sogar unter die Top 50.

Doch die Leidenschaft für den Fussball, die sie schon als fünfjähriges Mädchen gepackt hatte, ließ sie dennoch nicht mehr los. Nach Beendigung ihrer Tenniskarriere begann sie vor gut drei Jahren im Alter von 25 Jahren ernsthaft Fussball zu spielen - mit einem Erfolg, von dem andere nur träumen können.

2003 startete sie in der vierten dänischen Liga, heute ist die 28-Jährige Stürmerin von Bröndby IF nach einem kometenhaften Aufstieg der Shootingstar der dänischen Nationalmannschaft. Ihr Treffer zum 1:0-Erfolg gegen Finnland im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel sicherte dem Team die Qualifikation für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007.

"Dass ich vor dieser unglaublichen Kulisse das entscheidende Tor gegen Finnland schießen würde, das uns zur WM bringt, war ein unbeschreibliches Gefühl. Das ist alles schon ein bisschen schwer nachzuvollziehen, aber einfach eine tolle Sache, die ich genieße. Es war vor allem aber auch eine große Erleichterung, denn es stand ja wirklich viel auf dem Spiel", lässt Pape im Gespräch mit FIFA.com die Ereignisse noch einmal Revue passieren.

Dabei stand die WM-Qualifikation lange auf des Messers Schneide: "Die Spiele gegen Finnland wurden aufgrund des psychologischen Effekts noch viel aufregender als erwartet. Dabei waren wir auf jeden Fall das bessere Team und haben viel mehr Chancen kreiert. Unsere mangelnde Chancenverwertung hat uns das erste Spiel gekostet, aber im Rückspiel in Viborg haben wir zum Glück gewonnen", so Pape.

Erfolgreiches Debüt
Erst Anfang des Jahres hatte sie beim 3:2-Erfolg gegen die Schweiz in Bellinzona ihr Debüt in der Nationalmannschaft gefeiert, auch dort den entscheidenden Treffer erzielt und von allen Seiten Lob für ihre Leistung geerntet. In nun insgesamt elf Spielen hat sie nicht weniger als sechs Treffer erzielt und einen großen Anteil an der erfolgreichen WM-Qualifikation gehabt. Papes Erfolgsgeschichte liest sich wie ein Märchen.

"Als ich vor drei Jahren angefangen habe, habe ich in der 4. Liga in Dänemark gespielt, wir haben nur zwei Mal pro Woche trainiert, und mir ging es auch einfach nur darum, wieder Fussball zu spielen, was ich schon immer gerne gemacht habe. Das habe ich schon vermisst, als ich noch Tennis gespielt habe. Ich hatte zunächst keine größeren Ambitionen, aber das hat sich schnell geändert, als ich gesehen habe, zu welchen Leistungen ich fähig bin. Ich habe schnell gemerkt, dass ich mich enorm verbessert habe und deswegen auch geglaubt, dass ich mich weiterentwickeln und es in die Nationalmannschaft schaffen könnte", erinnert sie sich an ihre Anfänge.

Mit Entschlossenheit und Willenskraft arbeitete sich Pape nach oben. "Da ich deutlich älter war als meine Teamkolleginnen, wusste ich, dass ich sehr konzentriert und fokussiert arbeiten musste, um mit ihnen mithalten zu können."

Ihre beim Tennis erworbenen Fähigkeiten boten für den Fussball eine gute Grundlage. "Ich denke, dass ich schon einiges mitnehmen konnte. Was ich vom Tennis spielen gelernt habe ist, dass man immer hart arbeiten muss, wenn man in einer Sache gut sein will. Ich wusste also, was zu tun ist, um auch im Fussball Erfolg zu haben. Ich denke schon, dass ich härter als einige andere gearbeitet habe, aber das war auch nötig. Die Erfahrung im Tennis hat mir da schon sehr geholfen."

Die Entscheidung, das Tennis spielen für den Fussball aufzugeben, fiel ihr nicht schwer. "Tennis ist im Vergleich zum Fussball ein komplett anderer Sport. Dort ist man ganz auf sich alleine gestellt, man gewinnt und verliert alleine. Und man reist auch alleine durch die Weltgeschichte. Im Fussball ist das anders, da tritt man als Team auf und ist immer zusammen. Selbst, wenn man mal einen schlechten Tag hat, kann man als Mannschaft immer noch gewinnen. Ich denke, ich habe genau diesen Teamcharakter einer Sportart einfach vermisst."

Optimistischer Blick Richtung China
Nun ist der Blick bereits ganz auf die Titelkämpfe im kommenden Jahr gerichtet, denn mit einer Statistenrolle will sich Dänemark in China nicht abfinden. "Unser Zwischenziel ist natürlich erst einmal, die Vorrunde zu überstehen. Danach ist sowieso alles möglich. Wie alle anderen Teams wollen wir das Turnier natürlich gewinnen. Unsere Mannschaft ist stärker als je zuvor. Für einige unserer Spielerinnen ist es außerdem die letzte Chance, ein großes Turnier zu spielen, die Motivation wird dementsprechend hoch sein."

Vor allem im mentalen Bereich sieht Pape in ihrem Team noch Verbesserungsansätze. "Man kann sich natürlich immer in allen Mannschaftsteilen verbessern. Die Hauptaufgabe liegt bei uns vielleicht im psychologischen Bereich, denn wir sind sowohl körperlich wie auch vor allem technisch sehr gut. Wir müssen aber den Glauben an uns haben, dass wir auch die so genannten ‚Big Games' gewinnen können. Die mentale Stärke kann in manchen Spielen durchaus der entscheidende Faktor sein."

Aufgrund der langen und schwierigen WM-Qualifikation sieht sie den Vorteil bei der WM auf Seiten der Europäer: "Das kann uns helfen im Vergleich zu Teams, die in der Qualifikation vielleicht nicht 100 Prozent ihrer Leistung abrufen müssen. Das könnte sich für solche Teams als Nachteil erweisen. Wir haben hingegen die Erfahrung, von Beginn an hoch konzentriert zu Werke zu gehen. Das ist sicherlich ein Vorteil für die europäischen Teams."

In Dänemark ist die Begeisterung für den Frauenfussball deutlich gestiegen: "Das kann sogar ich spüren, obwohl ich erst seit wenigen Jahren spiele. Das Interesse im persönlichen Umfeld und in den Medien ist gewachsen und hat sich positiv entwickelt. Jetzt, wo wir uns für die WM qualifiziert haben, wird es noch größer werden."

Mit wachsamen Augen verfolgt sie den Aufbau einer neuen Profiliga in den USA. "Wenn ich ein Angebot bekäme, würde ich das auf jeden Fall machen. Die USA haben einige der besten Spielerinnen, und das wäre schon eine großartige Erfahrung zum Ausklang meiner Karriere."

Doch zuvor will Pape in China mit ihrer Schnelligkeit und ihren schnell wachsenden technischen Fähigkeiten ihren Gegenspielerinnen das Leben schwer machen. Wie früher beim Tennis.