USA erneut ganz oben
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Die Frauen-Nationalmannschaft der USA holte in London 2012 zum dritten Mal in Folge Olympisches Gold und ihre insgesamt vierte Goldmedaille bei den bislang fünf Auflagen des Olympischen Fussballturniers der Frauen. Damit bestätigten die U.S.-Girls auf eindrucksvolle Weise ihre Dominanz bei Olympischen Spielen.

Trainerin Pia Sundhage war im Wesentlichen mit der gleichen Mannschaft nach London gereist, die bereits in Peking 2008 triumphiert hatte. Hinzu kamen einige neue Gesichter, die schon bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011™ für Furore gesorgt hatten. Allen voran Alex Morgan, die inzwischen von einer Ergänzungsspielerin zu einer wichtigen Stammkraft in der U.S.‑amerikanischen Offensive gereift ist. Überdies haben die Stars and Stripes nachhaltig unter Beweis gestellt, dass sie gerade in schwierigen Situationen in der Lage sind, noch enger zusammenzurücken und ein Spiel selbst nach einem Rückstand noch für sich zu entscheiden – so wie es in der Auftaktpartie gegen Frankreich oder im Halbfinale gegen Kanada der Fall war.

Mehr noch: Am Ende gelang sogar die Revanche gegen die Japanerinnen, an denen die USA im Finale des WM-Turniers in Deutschland gescheitert waren. Die Asiatinnen konnten sich im Turnierverlauf von Spiel zu Spiel steigern und zeigten im Finale einen ihrer besten Auftritte bei diesem Turnier. Die 80.203 begeisterten Zuschauer im Wembley-Stadion – übrigens ein neuer Zuschauerrekord in der Turniergeschichte – sahen eine überaus spannende Partie.

Obgleich Homare Sawa und Co. etwas weniger glänzten als vor einem Jahr, in der Schlussphase machten sie noch einmal mächtig Druck und kamen durch Yuki Ogimi zum verdienten Anschlusstreffer. Trotz der Finalniederlage ist diese Silbermedaille für die Nadeshiko der bisher größte Erfolg bei einem Olympischen Fussballturnier, weshalb sie sich nach der Siegerehrung auch durchweg zufrieden zeigten.

Hoffnungsvolle Perspektiven
Zu den wohl größten Überraschungen des Turniers zählt zweifellos das kanadische Team. Ein Jahr nach dem enttäuschenden Ausscheiden in der Vorrunde der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011 – damals verlor Kanada alle drei Gruppenspiele und kam dabei nur zu einem einzigen Torerfolg – demonstrierten die Nordamerikanerinnen spätestens mit ihrer bärenstarken Vorstellung in der Halbfinalpartie gegen die USA, dass das neue Konzept von Trainer John Herdman voll aufgegangen ist. Und im Spiel um Platz drei krönten sie die seit Deutschland 2011 gemachten Fortschritte dann mit dem historischen Gewinn der Bronzemedaille.

Damit ließen die Kanadierinnen den Traum der im Vorfeld des Turniers als favorisiert gehandelten französischen Mannschaft, die zum zweiten Mal in Folge mit dem undankbaren vierten Rang vorlieb nehmen musste, ein weiteres Mal platzen. Am Ende reichte die gute taktische Vorbereitung der Bleues nicht aus, um ihre mangelnde Konsequenz im Abschluss zu kompensieren, die ihr besonders im Halbfinale und im Spiel um Bronze teuer zu stehen kam. Denn obwohl sie in beiden Partien deutlich mehr Ballbesitz hatten, fielen die Französinnen in beiden Fällen den eiskalten Kontern ihrer Gegner zum Opfer.

Das gastgebende Team aus Großbritannien weckte bei den einheimischen Fans mit seinem Gruppensieg, dem unter anderem ein Erfolg über keinen Geringeren als Brasilien vorausgegangen war, kurzzeitig die Hoffnung auf einen Podestplatz. Vor allem Stephanie Houghton und die Schottin Kim Little taten sich in einer überwiegend aus englischen Nationalspielerinnen bestehenden Mannschaft hervor, die sich dann im ersten Spiel der K.o.-Runde dem späteren Bronzemedaillengewinner Kanada beugen musste.

Die Enttäuschungen
Die Brasilianerinnen dagegen haben im Vergleich zu ihren vorangegangenen Teilnahmen am Olympischen Fussballturnier der Frauen einen Rückschlag hinnehmen müssen. Nach zwei Mal Silber in Folge und trotz der Tatsache, dass Jorge Barcellos wie schon in Peking vor vier Jahren auch in London 2012 die Mannschaft als Trainer betreute, nachdem er in Deutschland 2011 nicht auf der Trainerbank gesessen hatte, scheiterte Brasilien bereits im Viertelfinale. Und auch Schweden, das gegenüber Platz drei in Deutschland 2011 ebenfalls an Boden eingebüßt hat, offenbarte wiederholt Schwächen in der Abstimmung. Gleiches trifft auf die Mannschaft aus Korea DVR zu. Obwohl die Nordkoreanerinnen zuletzt in den Juniorenkategorien zur Weltspitze aufschließen konnten, mussten sie bei der FIFA Frauen-WM 2011 ebenso nach der Gruppenphase die Heimreise antreten wie in London 2012 – angesichts der ehrgeizigen Ziele des asiatischen Landes eine herbe Enttäuschung.

Auf der anderen Seite zeigte der Auftritt Neuseelands, dass sich der dortige Frauenfussball weiter auf dem Vormarsch befindet. Ein konkreter Beleg dafür ist die historische Leistung der Mannschaft von Trainer Tony Readings, die als erstes neuseeländisches Team überhaupt bei einem FIFA-Turnier die zweite Runde erreichte.

Die afrikanischen Vertreter Südafrika und Kamerun sowie Kolumbien als zweiter südamerikanischer Teilnehmer mussten ihrerseits erkennen, dass es noch einer deutlichen Steigerung bedarf, um mit den weltbesten Mannschaften mithalten zu können. Dennoch waren auch bei diesen Teams spürbare Fortschritte zu verzeichnen, zumal sie in Ländern beheimatet sind, in denen der Frauenfussball weitaus weniger Anerkennung genießt als in anderen Breiten.

Teilnehmer:
Brasilien, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kamerun, Kanada, Kolumbien, Korea DVR, Neuseeland, Südafrika, Schweden, USA

Die Abschlusstabelle:
1. USA (Gold)
2. Japan (Silber)
3. Kanada (Bronze)
4. Frankreich

Fairplay-Auszeichnung: USA

Stadien und Spielorte
Wembley-Stadion (London), Old Trafford (Manchester), Hampden Park (Glasgow), Millennium Stadium (Cardiff), City of Coventry Stadium (Coventry), St. James' Park (Newcastle)

Tore insgesamt: 71 (Durchschnitt pro Spiel: 2,73)

Beste Torschützinnen:
1. Christine Sinclair (CAN) – 6 Tore
2. Abby Wambach (USA) – 5 Tore
3. Melissa Tancredi (CAN) – 4 Tore und 2 Vorlagen

Gesamtzuschauerzahl: 660.986
Durchschnittliche Zuschauerzahl: 25.423