Die FIFA U-20-WM ging mit dem historischen Sieg der "Black Satellites" zu Ende und begeisterte die Fussball-Fans weltweit. FIFA.com blickt zurück.
Geschichte zu schreiben, ist in Ägypten nichts Außergewöhnliches. Denn diese Nation gründet auf den außergewöhnlichen Errungenschaften einer antiken Zivilisation, die sie auch weltberühmt gemacht hat. Daher sollte es eigentlich kaum jemanden überraschen, dass im Gastgeberland der FIFA U-20-Weltmeisterschaft Ägypten 2009 ein neues Kapitel Fussballgeschichte geschrieben wurde.
Die U-20-WM in Ägypten erwies sich als ein Turnier der Superlative, denn hier wurden mehr Tore erzielt und mehr Zuschauer gezählt, als bei allen bisherigen Endrunden der U-20-WM. Und wie man von einem Turnier erwarten würde, das einst solche Weltklassespieler wie Diego Maradona und Lionel Messi hervorgebracht hat, präsentierte sich auch bei der diesjährigen U-20-WM eine Vielzahl vielversprechender Nachwuchstalente erstmals auf der ganz großen internationalen Fussballbühne. Aber in Afrika wird man sich in Zukunft nicht wegen dieser tollen Rekorde und der Neuentdeckungen an die FIFA U-20-Weltmeisterschaft Ägypten 2009 zurückerinnern. Vielmehr wird dieses Turnier aufgrund der Tatsache in die Geschichte eingehen, dass es zum ersten Mal überhaupt ein Team von diesem Kontinent geschafft hat, den Weltmeistertitel beim zweitgrößten und zweitältesten FIFA-Wettbewerb zu erringen.
Die Mannschaft, die sich in den Geschichtsbüchern mit farbenfrohem und begeisterndem Fussball verewigt hat, heißt Ghana. Ein würdiger Gewinner der begehrtesten Trophäe des Weltfussballs. Angeführt vom Torschützenkönig und überragenden Protagonisten des Turniers, Dominic Adiyiah, zeigten die Black Satellites Durchschlagskraft und technische Brillanz. Die jungen Afrikaner erzielten auf ihrem Weg zum Finale insgesamt 16 Tore. Auch wenn am Ende im Entscheidungsspiel gegen die Brasilianer nach 120 Minuten Tore noch immer Mangelware waren, besann sich Sellas Tettehs Elf auf eine ihrer Tugenden und glänzte durch eine Eigenschaft, die einen wahren Champion ausmacht: Charakterstärke.
Die Seleção 83 von den 120 Spielminuten mit nur zehn Mann
in Schach zu halten, war bereits eine überaus beeindruckende Leistung.
Aber dann noch das Stehvermögen aufzubringen und die mentalen
Kraftreserven zu mobilisieren, sich im alles entscheidenden
Elfmeterschießen durchzusetzen, war schon grandios. Die 70.000
Zuschauer im Cairo International Stadium bejubelten daher zu Recht die
außergewöhnliche Energieleistung des jungen ghanaischen Teams. Und
gerade in der Phase, in der Afrika in den Mittelpunkt des Weltfussballs
gerückt ist, hat Ghana - dank solch überragender Nachwuchstalente wie
Dominic Adiyiah, Andre Ayew und Ransford Osei - der ganzen Welt zeigen
können, warum der gesamte WM-Kontinent so zuversichtlich in die Zukunft
blickt. So sagte Sellas Tetteh nach dem Erfolg seiner Mannschaft
gegenüber FIFA.com: "Wir haben viele Menschen glücklich gemacht."
Ein Turnier der Überraschungen
Auch wenn Sellas Tettehs Schützlinge die absoluten Stars der FIFA
U-20-Weltmeisterschaft Ägypten 2009 waren, konnten doch viele Akteure
der anderen Teams mit ebenso beeindruckenden Darbietungen überzeugen.
Im Endspiel gegen Brasilien konnte sich Ghana erst im Elfmeterschießen
gegen den Südamerikameister durchsetzen. Und einige Fans werden
durchaus die Meinung von Giuliano teilen, der nach dem Finale den
Ghanaern zwar zum Titelgewinn gratulierte, gleichzeitig aber auch
anmerkte, dass seiner Meinung nach das bessere Team verloren hat.
Trotzdem war Brasiliens Nummer zehn, der Gewinner des Bronzenen Balls
von adidas, einer der vielen beeindruckenden Spieler der Seleção,
zu denen sicherlich auch Alex Texeira, Alan Kardec und Douglas zählten.
In nicht allzu ferner Zukunft werden sie sicher mit berechtigten
Hoffnungen an die Tür von A-Nationalmannschaftstrainer Dunga anklopfen.
Die U-20-WM 2009 in Ägypten war außerdem - wie FIFA-Vize-Präsident Jack
Warner unterstrich - "ein Turnier der Überraschungen". Nur wenige
hätten zu Beginn des Wettbewerbs zum Beispiel gedacht, dass das Spiel
um Platz drei Costa Rica gegen Ungarn lauten würde. Die Tatsache
jedoch, dass diese Teams in ihren jeweiligen Auftaktspielen eine 0:5-
bzw. 0:3-Niederlage gegen Brasilien bzw. Honduras einstecken mussten,
macht ihre erfolgreiche Steigerung im Verlauf des Wettbewerbs umso
bemerkenswerter.
Die Ungarn, die von ihrem exzellenten Spielgestalter und
Mannschaftskapitän Vladimir Koman angeführt wurden, mussten ebenfalls
die Tortur des Elfmeterschießens über sich ergehen lassen. Am Ende
gewannen sie jedoch den Kampf um Bronze gegen die Ticos.
Allerdings hatten sich die jungen Ungarn diesen Podiumsplatz aufgrund
ihrer unglaublichen Energieleistung im Laufe des Turniers auch redlich
verdient. Die Mittelamerikaner treten die Heimreise ebenfalls mit
erhobenem Haupt und voller Stolz an. Spieler wie Diego Estrada, Esteban
Alvarado und Josue Martinez haben mit ihren guten Leistungen bewiesen,
dass sie zur Weltspitze gehören. Das gilt vor allem für den
Achtelfinalsieg gegen den Gastgeber.
Für viele Fans bedeutete das frühe Ausscheiden des Gastgebers Ägypten -
um es mit den Worten des Präsidenten des Lokalen Organisationskomitees,
Hany Abo Rida, auszudrücken -, dass die Erinnerung an die U-20-WM im
eigenen Land immer mit einem "Hauch von Enttäuschung" verbunden sein
wird. Aber die Erinnerungen an die Jubelstürme der Fans in Kairo als
Trinidad und Tobago sowie Italien in der Gruppenphase geschlagen
wurden, werden noch lange in den Köpfen der Menschen weiterleben,
genauso wie der denkwürdige Doppelschlag von Bogy gegen die Azzurrini.
Die Italiener hatten mit Andrea Mazzarani und Mattia Mustacchio einige
Stars in ihren Reihen, während der tschechische zentrale
Mittelfeldspieler Ondrej Mazuch, der Deutsche Lewis Holtby und das
spanische Duo Aaron Niguez und Fran Merida allesamt dazu beigetragen
haben, die Ehre des europäischen Fussballs hochzuhalten. Die Anhänger
der asiatischen Teams konnten sich darüber freuen, dass Amer
Abdulrahman und Koo Ja Cheol beide in die engere Auswahl für die
prestigeträchtigen Turnier-Auszeichungen genommen wurden. Dies ist
sicherlich eine verdiente Anerkennung für deren vorbildlichen Einsatz,
mit dem sie den Vereinigten Arabischen Emiraten bzw. der Republik Korea
erfolgreich zum Einzug ins Viertelfinale verholfen haben.
All diese Spieler und noch viele andere haben dazu beigetragen, dass
bei der FIFA U-20-WM in Ägypten mit 167 Treffern ein neuer Torrekord
aufgestellt wurde. Die bisherige Bestmarke von 165 Treffern, die bei
der FIFA U-20-Weltmeisterrschaft 1997 in Malaysia erreicht wurde,
konnte knapp übertroffen werden. Mit insgesamt 1.295.586 zahlenden
Zuschauern wurde ebenfalls Geschichte geschrieben. Denn der bisherige
Zuschauerrekord von 1.195.239 Fans bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft
Kanada 2007, konnte in Ägypten deutlich überboten werden.
Zum Abschluss eines so erfolgreichen Turniers ist es angebracht, dass
das letzte Wort seinem Star zu überlassen. Er hat seine Mannschaft zum
Titel geschossen, wurde zum drittbesten Torschützenkönig in der
Geschichte der U-20-WM gekürt und gewann den Goldenen Ball und den
Goldenen Schuh von adidas, aber der Blick von Dominic Adiyiah war
dennoch stets auf seine Zukunft gerichtet. "Ich werde mich nicht auf
dem Erfolg ausruhen", sagte er gegenüber FIFA.com.
"Ich bin in die Fußstapfen von Spielern wie Messi, Saviola und Agüero
getreten. Nun würde ich gern eine ähnliche Karriere machen, und ich
werde sehr hart dafür arbeiten. Ich bereite mich darauf vor, nach ganz
oben zu kommen."
Die gesamte Fussball-Welt wird den Aufstieg von Dominic Adiyiah und
seinen Mannschaftskameraden, die gemeinsam mit ihm das Abenteuer FIFA
U-20-Weltmeisterschaft Ägypten 2009 erfolgreich gemeistert haben,
sicherlich mit großem Interesse mitverfolgen.
Teilnehmer:
Ägypten, Australien, Brasilien, Costa Rica, Deutschland, England,
Ghana, Honduras, Italien, Kamerun, Korea Republik, Nigeria, Paraguay,
Spanien, Südafrika, Tahiti, Trinidad und Tobago, Tschechische Republik,
Ungarn, Uruguay, USA, Usbekistan, Venezuela, Vereinigte Arabische
Emirate
Abschlusstabelle:
1. Ghana
2. Brasilien
3. Ungarn
4. Costa Rica
Austragungsorte:
Alexandria, Kairo, Ismailia, Port Said, Suez
Anzahl der Tore:
167
Beste Torschützen:
8 Tore: Adiyiah (GHA)
5 Tore: Koman (HUN)
4 Tore: Niguez (ESP), Del Valle, Rondon (beide VEN), Kardec (BRA), Osei (GHA)
Gesamtzuschauerzahl:
1.295.586
Durchschnittliche Zuschauerzahl:
24.915
