Nur selten gab es ein Lächeln auf dem Gesicht von Hong Myung-Bo zu sehen, dem früheren Kapitän der Nationalmannschaft der Republik Korea, der nun Trainer der U-20-Auswahl seines Landes ist. Doch als er in der vergangenen Woche den Sieg seiner Mannschaft beim internationalen Nachwuchsturnier um den Suwon Cup feierte, fühlte man sich unweigerlich an den Jubel erinnert, als Hong vor sieben Jahren mit der koreanischen Mannschaft im eigenen Land sensationell bis ins Halbfinale vorstieß.
Einen ähnlichen Erfolg will er nun auch in Ägypten erreichen, doch Hong weiß, dass dies eine schwere Aufgabe ist. Dabei haben sich die Erwartungen an die jungen Schützlinge seit der Amtsübernahme des mittlerweile 40-Jährigen deutlich erhöht. Unter der Führung von Hong haben die Koreaner noch kein einziges Spiel verloren: Nach einem Unentschieden im März gab es in den folgenden Freundschaftsspielen sechs Siege in Folge - nicht schlecht für einen Trainer, der noch kein einziges Spiel unter Wettbewerbsbedingungen absolviert hat.
Nach der Teilnahme in Kanada 2007, bei der die Koreaner zwar schöne Leistungen zeigten, aber letztlich erfolglos blieben, wollte das Team auf der kontinentalen Ebene wieder seinen Status als Spitzenmannschaft untermauern. Doch der elfmalige Asienmeister verpasste den Einzug ins Finale durch eine Niederlage gegen den späteren Turnierzweiten Usbekistan. Zwar reichte es für die Qualifikation zur FIFA U-20-Weltmeisterschaft, doch die Art und Weise dieses Erfolgs war alles andere als überzeugend.
Hervorragende Zwischenbilanz
Als Hong das Amt im folgenden Jahr übernahm, stand der als Trainer noch völlig unerfahrene Hong von Beginn an mächtig unter Druck. "Wir haben nicht viel Zeit für die Vorbereitung auf die WM zur Verfügung", sagte er gegenüber FIFA.com. "Doch alles in allem denke ich, dass sich die Dinge in die richtige Richtung bewegen, wenn auch derzeit nicht alles ganz perfekt läuft."
Kaum einen Monat nach der ersten Zusammenkunft der Mannschaft reiste Hong mit seinen Schützlingen nach Ägypten, um an einem Drei-Nationen-Turnier in Alexandria teilzunehmen. Nach einem hart erkämpften 2:2-Unentschieden gegen die Tschechische Republik holten die Koreaner im Spiel gegen Gastgeber Ägypten einen Rückstand auf und gewannen am Ende mit 4:1. Mittelfeldspieler Seo Jung-Jin wuchs an diesem Tag über sich hinaus und erzielte einen Hattrick. Nach diesem Sieg, der die Moral im koreanischen Lager mächtig stärkte, folgten noch fünf weitere Siege, zwei davon im Mai in kurzer Folge gegen Trinidad und Tobago.
Bis zu jenem Zeitpunkt hatte Hong sich noch nicht entschieden, wer Kapitän der Mannschaft sein sollte, oder ob er sogar Ki Sung-Yueng zurückholen sollte, einen der Schlüsselspieler der Koreaner 2007 in Kanada, der mittlerweile schon zur Stammformation der A-Mannschaft gehört. "Über diese Dinge denke ich erst nach, wenn ich die endgültige Entscheidung treffe", sagte der Trainer. "Ich weiß, dass die Jungs sich bisher sehr gut geschlagen haben, doch ich muss alle Entwicklungen im Vorfeld der Endrunde berücksichtigen."
Jede Menge Verbesserungsbedarf
Knapp zwei Monate vor Beginn des Turniers in Ägypten bestritt die Republik Korea eine Art Generalprobe, bei der man in fünf Tagen gegen die WM-Teilnehmer Südafrika, Ägypten und Erzrivale Japan spielte. Nach einem perfekten Auftakt mit einem 4:0 gegen Südafrika gab es einen knappen 1:0-Erfolg gegen Ägypten, wenn auch nur durch einen späten Elfmeter, den Kapitän Koo Ja-Cheol verwandelte. Der defensive Mittelfeldakteur, der im Eröffnungsspiel noch gefehlt hatte, weil er seinem Klub zur Verfügung stehen musste, war somit der Garant des Sieges im zweiten Spiel und trug mit einer beeindruckenden Leistung auch zum folgenden 2:1-Sieg gegen Japan bei.
"Wir müssen noch eine ganze Menge verbessern, denn bei der Weltmeisterschaft werden wir gegen stärkere Gegner antreten", so die Einschätzung von Hong. "Wir hatten sowohl vor dem Tor wie auch in der Abwehr diverse Probleme: Wir haben zu wenige Chancen herausgespielt und unseren Gegnern zu viel Raum gelassen. Hoffentlich können wir diese Schwächen im kommenden Monat im Training noch abstellen."
