Trotz eines eher glücklichen Sieges gegen Costa Rica im zweiten Spiel und des hart erkämpften Unentschiedens gegen Nigeria im letzten Gruppenspiel wurde Japan Erster in Gruppe F und geht am Mittwoch mit erstaunlichem Selbstvertrauen in das Achtelfinalspiel gegen Tschechien.
Im deutlichen Kontrast zur A-Nationalmannschaft, die sich derzeit beim Asien-Pokal abmüht, kennt die Begeisterung um die U-20-Auswahl bei der Weltmeisterschaft in Kanada keine Grenzen. Einige japanische Medien gaben der Mannschaft aufgrund ihres erfrischenden und attraktiven Offensivfussballs und ihrer guten Stimmung bereits den Spitznamen "Smile Generation". Die positive Stimmung entwickelte sich automatisch, und die Mannschaft konnte ohne allzu großen Erwartungsdruck spielen, unter dem japanische Mannschaften gewöhnlich so leiden. Das erstaunt umso mehr, da es die erste japanische U-20-Mannschaft ist, die die Gruppenphase ohne Niederlage überstanden hat.
Gelöste Atmosphäre
Stammtorhüter Akihiro Hayashi erklärte gegenüber
FIFA.com: "Die Mannschaft ist sehr locker. An
Spieltagen sind wir voll konzentriert, aber eine unserer Stärken
ist, dass wir vor den Spielen keine Anspannung empfinden."
Der beeindruckende Mittelfeldakteur Tsukasa Umesaki brachte es am Dienstag nach dem Training auf den Punkt: "Wir fühlen uns derzeit sehr wohl", betonte er. "Wir empfinden keine Anspannung, konzentrieren uns jedoch sehr intensiv auf das Spiel gegen Tschechien, da wir wissen, dass es nicht einfach wird."
Obwohl es keine echten Stars in der Mannschaft gibt, veranlasst ihr allgemein hohes technisches Können viele dazu, sie mit der U-20-Auswahl von 1999 um Junichi Inamoto und Naohiro Takahara zu vergleichen, die das Finale der FIFA U-20-Weltmeisterschaft in Nigeria erreichte, in dem man schließlich Spanien unterlag. Die Tschechen werden von vielen als ebenso große Herausforderung gesehen wie die Schotten, die die Japaner im ersten Spiel deutlich mit 3:1 bezwangen. Aus diesem Grund wächst langsam der Glaube daran, dass die Mannschaft in diesem Turnier viel erreichen kann.
Die Ankunft einer Vielzahl weiterer Reporter sowie zahlreicher Fans im Mannschaftsquartier in Victoria steigerte die Erwartungen vor dem Spiel und verleiht der Mannschaft in der beschaulichen Hafenstadt einen Hauch von Rockstars. Autogrammwünsche und Applaus erwarten die Spieler nach den Trainingseinheiten. Doch sie scheinen das nicht als Druck zu empfinden, sondern nehmen das gestiegene Interesse mit einem Lächeln zur Kenntnis. Trainer Yasushi Yoshida spricht immer wieder davon, dass seine Mannschaft an mentaler Stärke gewinnen müsse, um mit den besten Teams der Welt mitzuhalten. Das scheinen seine Schützlinge inzwischen verinnerlicht zu haben.
Enormer Motivationsschub
Bereits vor dem letzten Gruppenspiel gegen Nigeria wussten
beide Teams, dass sie für die nächste Runde qualifiziert waren. Aus
diesem Grund gönnte der japanische Trainer acht seiner Spieler eine
Auszeit. Gegen den Finalisten von 2005 fand der zweite japanische
Anzug jedoch gut ins Spiel und hätte durchaus einen Sieg verdient
gehabt. Erstaunlicherweise waren die Spieler mit dem Unentschieden
zufriedener, als man es hätte erwarten können. Es half ihnen zudem,
eine gewisse Unsicherheit, mit der sie ins Turnier gestartet waren,
zu überwinden.
Im Vorfeld hatten sie mit Leistungsschwankungen zu kämpfen. Das gilt insbesondere für die 1:5-Schlappe gegen Frankreich im prestigeträchtigen internationalen Turnier von Toulon, nach der sich die Japaner fragten, ob sie mit den besten Mannschaften der Welt mithalten könnten. Viele Auswechselspieler kamen in dieser Partie zum Zuge, und trotz der Rückkehr vieler Stammspieler in der Partie gegen die Elfenbeinküste ging das Spiel und damit auch das Selbstvertrauen verloren. In diesem Turnier hatte die vielversprechende Leistung der Ersatzspieler nun genau den gegenteiligen Effekt. Die Mannschaft ließ sich davon inspirieren, dass die zweite Garnitur gegen die hoch gelobten Nigerianer mithalten konnte. Vor diesem Hintergrund sollte es ihnen möglich sein, es mit jeder Mannschaft aufnehmen zu können.
"Unsere Spieler entwickeln sich kontinuierlich weiter", erklärte Yoshida. "Tatsächlich können selbst einige unserer Ersatzspieler auf diesem hohen Niveau mithalten, und das sagt viel über die Entwicklung des japanischen Fussballs." Hinzu kommt die Tatsache, dass bis auf eine Ausnahme alle Spieler in der J.League aktiv sind und viele der besseren Spieler (Atsuto Uchida, Michihiro Yasuda, Yohei Fukumoto, Umesaki) Stammspieler in ihren Vereinen sind und bereits Einladungen zur A-Nationalmannschaft erhalten haben.
Uchida beschrieb die Gefühle nach dem Spiel gegen Nigeria wie
folgt: "In gewisser Weise war das Spiel ein Ergebnis der
Niederlage gegen Frankreich und unserer Enttäuschung darüber.
Dieses Gefühl verlieh uns jedoch viel Kraft, und wir haben jetzt
das nötige Selbstvertrauen für das Achtelfinale."
Der entschlossen dreinblickende Kapitän Yohei Fukumoto, ein
Fels in der japanischen Abwehr, brachte die Stimmung innerhalb der
Mannschaft auf den Punkt: "Wir sind auf dem richtigen Weg. Wir
sind hoch motiviert und haben keine Angst."



