Wenn Japan auf die Tschechische Republik trifft, dann hat das etwas von einem Hochgeschwindigkeitszug, der auf einen unverrückbaren Berg zurast. Zu bestaunen gibt es dieses Schauspiel am Mittwoch im Rahmen des Achtelfinals der FIFA U-20-Weltmeisterschaft in Victoria. Dann nämlich stehen sich die schnellen und leichtfüßigen Japaner und die gut organisierten Tschechen im direkten Duell gegenüber. Als Gewinner der Gruppe F gilt Japan dabei als Favorit. Die Tschechen, die sicherlich versuchen werden, über viel Ballbesitz das Tempo zu bestimmen, können als wichtigsten Erfolg bei der bisherigen Endrunde ein torloses Unentschieden gegen Titelverteidiger Argentinien vorweisen.

Das Spiel
Japan - Tschechische Republik, Victoria, 11. Juli, 20.15 Uhr (Ortszeit)

Die Ausgangslage
Es geht um einen Platz im Viertelfinale, eine Reise nach Edmonton und eine Verabredung mit dem Sieger der Begegnung Brasilien gegen Spanien. Japan stellt derweil die einzige asiatische Mannschaft im Achtelfinale. Nach dem souveränen Sieg gegen die im Vorfeld hoch gehandelten Schotten, dem etwas glücklichen Erfolg gegen Costa Rica und dem hart erkämpften torlosen Unentschieden gegen Nigeria (ohne acht geschonte Stammspieler) dürften die Japaner aber umso mehr Selbstbewusstsein haben. Nach der konzentrierten Mannschaftsleistung, die nötig war, um die vielen gefährlichen Individualisten Argentiniens zu neutralisieren, war das zweite Unentschieden für die Tschechen höchst unbefriedigend. 2:2 hieß es am Ende gegen die DVR Korea, und sogar einen Elfmeter in der Schlussphase verschossen die Europäer noch. Gegen Panama genügten explosive 15 Minuten vor dem Ende für einen 2:1-Sieg. Wollen die Tschechen weiter kommen, müssen sie das in dieser Phase gezeigte Niveau einmal über 90 Minuten demonstrieren.

Die Spieler
Trainingsschwerpunkt der Japaner in den vergangenen Tagen waren Standardsituationen. Der Grund indes ist logisch: Man will Körpergröße und Robustheit der Osteuropäer kontern können. Innenverteidiger und Kapitän Yohei Fukumoto kommt dabei einmal mehr die Aufgabe zu, sich im und um den Strafraum der gefährlichsten gegnerischen Spieler anzunehmen. Die Frage für die Tschechen ist, welche Mannschaft auflaufen wird - die konservative oder die offensiv ausgerichtete. So oder so ist das Angriffsspiel der Osteuropäer jedoch ganz klar auf Martin Fenin ausgerichtet. Marek Stresik ist für die kreativen Momente und die gefährlichen Standards zuständig.

Bisherige Bilanz
Die U-20-Auswahlteams aus Japan und der Tschechischen Republik bestritten in Argentinien 2001 das letzte Gruppenspiel. Damals gewannen die Japaner zwar scheinbar deutlich mit 3:0, aber die Tschechen waren auch nicht in Bestbesetzung angetreten. Der Sieg war nämlich bedeutungslos. Tschechien kam weiter, und Japan flog raus. Ansonsten sind die Tschechen bei einer FIFAU-20-Weltmeisterschaft gegen asiatische Vertreter noch ungeschlagen und kommen auf zwei Siege und ein Unentschieden (nämlich das gegen die DVR Korea in Gruppe E).

Zitate
"In der Abwehr ist Tschechien bekanntermaßen sehr stark. Die Leistung gegen Argentinien war beeindruckend. Sie haben kaum Chancen zugelassen und die Räume in der eigenen Hälfte schnell zugestellt. Es wird eine Herausforderung für uns werden, eine Lücke in dieser Defensive zu finden. Jede Chance und jedes Tor kann Gold wert sein. Wir trainieren ganz normal, haben aber wegen der großen tschechischen Spieler einen gezielten Schwerpunkt auf Standardsituationen gelegt. Ich glaube jedoch, das Spiel wird im Kopf und durch den größeren Siegeswillen entschieden. Yasushi Yoshida (Cheftrainer Japan).

"Wir wissen, dass wir es mit großen, robusten und kantigen Gegenspielern zu tun bekommen werden. Wir müssen wie schon gegen Schottland mit Kampfkraft dagegen halten. Die größten Sorgen bereiten uns Chancen aus Freistößen und Ecken. Diese Chancen zu unterbinden wird der Schlüssel zum Erfolg sein." Tsukasa Umesaki (Mittelfeldspieler Japan).

"Wir haben in letzter Zeit gegen zwei ganz ähnliche Mannschaften gespielt - Nordkorea hier in Kanada und Südkorea in der Vorbereitung. Ich denke, wir wissen, was uns erwartet. Die große Schnelligkeit der Japaner macht uns einige Sorgen, aber wenn wir als Mannschaft spielen und kämpfen, sollten wir das in den Griff bekommen." Martin Fenin (Stürmer Tschechien).