Wenn am Sonntag in La Florida/Santiago das Spiel um Platz drei angepfiffen wird, schickt sich Deutschland an, eine etwas undankbare Serie zu komplettieren. In allen drei Frauen-Turnieren dieses Jahres hat man das "kleine Finale" erreicht. Nach dem Olympischen Fussballturnier und der FIFA U-17-Frauen-WM soll nun auch in Chile der Sprung auf das Podest geschafft werden - als Trostpflaster, nachdem man den Einzug ins Endspiel jeweils verpasst hat.
"Wir wollten unbedingt das Finale der U-20-WM erreichen. Es ist bitter, dass es nicht gereicht hat", erklärte Kim Kulig im Gespräch mit FIFA.com. Die Mittelfeldspielerin musste das mit 0:1 verlorene Halbfinalspiel gegen die USA von der Tribüne aus verfolgen, da sie aufgrund der zweiten Gelben Karte gesperrt war. Im Duell mit Frankreich wird sie wieder dabei sein und hofft, die gegen die Nordamerikanerinnen zu großen Löcher in der Schaltzentrale stopfen zu können.
"Ich bin überzeugt, dass wir mental stark genug sind, um nochmal alles zu geben und uns den dritten Platz zu sichern. Wir hätten ihn verdient", sagte Kulig. Es wäre aus deutscher Sicht ein runder Abschluss für ein Turnier, bei dem man phasenweise für Glanzlichter sorgen konnte, jedoch auch Rückschläge zu verkraften hatte. Die überzeugenden Siege gegen Brasilien (3:2) und Kanada (2:1) halten sich die Waage mit den knappen Niederlagen gegen Japan (1:2) und die USA (0:1).
"Müssen uns selbst wieder aufbauen"
Maren Meinert gibt sich demnach mit gemischten Gefühlen: "Normalerweise ist die Bilanz positiv. Wir können die Niederlage im Halbfinale akzeptieren, denn das U.S.-Team hat verdient gewonnen. Am Einsatz hat es nicht gelegen. Und über das gesamte Turnier hinweg war ich auch damit zufrieden, wie wir vor unseren Toren miteinander kombiniert haben. Aber ich muss auch sagen, dass ich im Spiel gegen die USA nie den Eindruck hatte, dass wir uns zwingende Torchancen erbarbeiten können."
Enttäuscht ist sie natürlich schon, doch die ehemalige Weltklasse-Spielerin blickt nach vorne. "Wir müssen uns nun selbst wieder aufbauen und sammeln, denn wir wollen den dritten Platz erreichen. Wir treffen mit Frankreich allerdings auf einen Gegner, der hier in Chile bewiesen hat, welche Klasse er besitzt."
Von einer Pflichtaufgabe ist deshalb im deutschen Lager keinesfalls die Rede. Vielmehr geht es darum, nachhaltig unter Beweis zu stellen, dass man trotz der Niederlagen gegen die Japanerinnen und die U.S.-Girls weiterhin zur absoluten Elite in der weltweiten Nachwuchsförderung des Frauenfussballs zählt. Und außerdem, so weiß Meinert, geht es auch noch um etwas anderes: "Ich denke, wir werden ein paar unserer Spielerinnen bei der WM 2011 im eigenen Land wiedersehen."
Wen sie meint, sagte sie nicht. Wahrscheinlich weiß sie es auch selbst noch nicht so genau, schließlich ist bis dahin noch eine Menge Zeit. Aber Spiele wie am Sonntag gegen die Französinnen sind für Deutschlands Nachwuchshoffnungen dazu da, um sich für Höheres zu empfehlen...
Schauen Sie sich hier rechts in der Menüleiste noch einmal alle Tore der Spiele mit deutscher Beteiligung bei der FIFA U-20-Frauen-WM 2008 in Chile als Video-Highlights an.
