"Ich kann gar nicht mehr aufhören, zu grinsen." Mit diesen Worten brachte Keelin Winters ihre Gefühlslage unmittelbar nach dem mit 1:0 gewonnenen Halbfinalkracher gegen Deutschland auf den Punkt. Treffender hätte es die Spielführerin der U.S.-Girls nicht ausdrücken können, denn das Erreichen des Endspiels der FIFA U-20-Frauen-WM 2008 am Sonntag in La Florida (Santiago) gegen Korea DVR war mit großer Erleichterung verbunden. "Wir haben elf Monate auf dieses eine Ziel hingearbeitet. Nun hängt alles nur noch von einem Spiel ab. Das ist großartig. Nun wollen wir uns mit dem WM-Titel belohnen."

Ohne Zweifel: Die Nordamerikanerinnen sind fest entschlossen, nach sechs Jahren endlich wieder Weltmeister in dieser Turnierserie zu werden. Dass man sich dabei selbst unter Druck setzt, ist kein Geheimnis. "In den USA haben wir hinsichtlich des Frauenfussballs einen hohen Standard. Wir gehen in jedes Turnier, um es zu gewinnen. Das ist sehr wichtig für unseren Sport. Doch wir betrachten den Druck als eine Chance", so Coach Tony DiCicco gegenüber FIFA.com, um unmissverständlich hinzuzufügen: "Wir blicken voller Vorfreude auf das Endspiel und zwar mit der klaren Vorgabe, die Nordkoreanerinnen zu bezwingen."

Entwicklung einer "sehr gesunden Rivalität"
Für das U.S.-Team ist dieses Finale gleich in doppelter Hinsicht eine Chance. Nicht nur, dass DiCiccos Nachwuchsspielerinnen die Trophäe gewinnen können. Sie haben auch die Möglichkeit, gegen Titelverteidiger Korea DVR unter Beweis zu stellen, dass man berechtigterweise den Anspruch hegt, die weltweite Nummer eins in der Talentförderung zu sein. Aus Sicht der USA ist es mal wieder an der Zeit, ein solches Ausrufezeichen zu setzen, nachdem man den Nordkoreanerinnen erst vor drei Wochen im Finale der erstmals ausgetragenen FIFA U-17-Frauen-WM in Neuseeland unterlegen war. "Wir betrachten das Duell nicht als Revanche, aber es entwickelt sich allmählich eine Rivalität - allerdings eine sehr gesunde, denn der Fussball soll Menschen zusammenbringen", so DiCicco.

Wir blicken voller Vorfreude auf das Endspiel und zwar mit der klaren Vorgabe, die Nordkoreanerinnen zu bezwingen.
Tony DiCicco (Trainer, USA)

Der 60-Jährige, der das U.S.-amerikanische Frauen-Nationalteam zwischen 1994 und 1999 zum Olympischen Gold und zum WM-Titel führte, möchte mit seinem aktuellen Team eine neue Ära einleiten. Nichts würde dazu besser passen als die U-20-Trophäe. Doch DiCicco weiß, dass das Finale kein Spaziergang wird: "Nordkorea ist schließlich der amtierende Champion, technisch sehr stark und garantiert gut auf uns vorbereitet."

Mit Disziplin zurück zu früherer Dominanz
Voller Selbstvertrauen präsentieren sich auch die Leistungsträgerinnen im U.S.-Team. "Wenn wir uns auf unsere eigenen Stärken konzentrieren, dann bin ich mir sicher, dass wir gewinnen werden", erklärte Winters im Gespräch mit FIFA.com. "Ich glaube, dass der Schlüssel zum Erfolg sein wird, über die gesamte Spielzeit hinweg organisiert zu bleiben." Die Spielführerin weiß, wovon sie redet, schließlich war sie es, die bereits im Duell mit Deutschland aus der Position der defensiven Mittelfeldspielerin heraus immer wieder Kommandos gab, um ein taktisch perfektes Kollektiv zu dirigieren, welches den verzweifelten Giganten aus Europa nie zwingenden Druck ausüben ließ.

Gegen die Nordkoreanerinnen soll es ähnlich laufen. Die USA schickt sich an, den Titelverteidiger mit seinen eigenen Waffen, nämlich einer durchweg disziplinierten Defensive, zu schlagen. Zwar muss man im Fussball bekanntlich auch Tore schießen, um zu gewinnen, doch dieses Problem braucht die Nordamerikaner nicht zu belasten. Sie haben Sydney Leroux, die bereits viermal ins gegnerische Netz getroffen hat. Die 18-Jährige ist derzeit die Zuversicht in Person und lebt genau jenes Selbstverständnis vor, das DiCicco wieder hervorrufen will: "Wir möchten siegen, denn wir sind das U.S.-Team!"