In der Auftaktpartie gegen Brasilien traf sie nach einer halben Stunde ins Schwarze. Und sie sorgte auch für die endgültige Qualifikation ihres Teams für das Finale der FIFA U-20-Frauen-WM 2008 in Chile. Dazwischen erzielte die überaus effiziente Ri Ye Gyong zwei weitere Treffer gegen Mexiko und Norwegen und liegt damit in der Torschützenliste des Turniers weit oben.
Es ist schwierig, mit den nordkoreanischen Spielerinnen zu sprechen, die wenig geneigt sind, Reportern Interviews zu geben oder sich mit Fans zu unterhalten. Die Sprachbarriere und auch die extreme Zurückhaltung der nordkoreanischen Delegation machen jede Annäherung sehr schwierig. FIFA.com nutzte jedoch die Gelegenheit der Jubelfeiern nach dem Halbfinalsieg und sprach mit der Torjägerin des Teams.
"Wir hatten bisher noch nicht gegen die Französinnen gespielt, wussten also nicht genau, was uns erwartete. Es war ein schweres Spiel, gegen einen sehr komplizierten Gegner", erklärte Ri Ye Gyong im Exklusiv-Interview gegenüber FIFA.com und konnte dabei ein Lächeln über das Glück des Tores in der Nachspielzeit nicht verhehlen, hatten die Französinnen doch zuvor drei Mal nur die Querlatte getroffen.
Auf dem Weg zum Double
"Wir haben beim letzten Mal in Russland den Titel geholt, und ich habe volles Vertrauen auch in dieses Team. Wenn wir alle das Beste geben, können wir erneut das Turnier gewinnen", versicherte Ri.
Nur noch einen Schritt sind sie von ihrem großen Ziel entfernt, und der Weg dorthin war alles andere als leicht. Sie begannen das Projekt Titelverteidigung mit einer 2:3-Niederlage gegen Brasilien und mussten anschließend alles geben, um Norwegen mit 3:2 zu besiegen. Ihr Trainer Choe Kwang Sok erklärte dazu, die schwachen Leistungen seien in erster Linie auf die Müdigkeit seiner Spielerinnen zurückzuführen, die noch unter der langen Anreise nach Chile gelitten hätten.
Alles deutet darauf hin, dass diese Einschätzung richtig war, denn schon im nächsten Spiel erwiesen sich die Koreanerinnen als die disziplinierte und unfehlbare Maschinerie, die sie bereits in Russland gewesen waren: so unterlagen die Mexikanerinnen klar mit 1:5, dann bezwang man im Viertelfinale Japan mit 2:1, bevor man schließlich mit demselben Ergebnis mit Routine und auch etwas Glück Frankreich besiegte.
Die Torjägerin von Amrokgang blickt nicht mehr zurück, denn ihr erstes Ziel hat sie erreicht und will nun einen Traum wahr werden lassen. "Nachdem ich bereits im Halbfinale ein Siegtor erzielt habe, möchte ich das im Endspiel noch einmal schaffen", so die selbstbewusste 19-Jährige.
Finalgegner USA sollte sich auf einiges gefasst machen. Erst vor wenigen Wochen unterlagen die U.S.-Girls ebenfalls einem entschlossenen nordkoreanischen Team, nämlich im Endspiel der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Neuseeland 2008.
