Mit einem Tor und zwei Vorlagen hatte Katharina Baunach bislang maßgeblichen Anteil daran, dass die deutsche Auswahl im Halbfinale der FIFA U-20-Frauen-WM 2008 in Chile steht. Mit ihrer quirligen Spielweise, ihrer faszinierenden Schnelligkeit und ihrer feinen Technik ist die 19-Jährige aus dem linken Mittelfeld ohne Zweifel einer der Offensivmotoren des Ensembles von Trainerin Maren Meinert.

Auch gegen die USA werden Baunachs Qualitäten gefragt sein. Vor dem Halbfinal-Duell am Donnerstag in Coquimbo nahm sich die gebürtige Fränkin, die seit drei Jahren für Bayern München spielt, Zeit für ein Exklusiv-Interview mit FIFA.com.

Katharina, Euer Weg ins Halbfinale glich bislang einer Berg- und Talfahrt. Zunächst die Niederlage gegen Japan, dann die Befreiung gegen Kanada, und schließlich der überzeugende Viertelfinalsieg gegen Brasilien. Seid Ihr in den letzten Tagen als Mannschaft gereift?
Auf jeden Fall. Wir lernen von Spiel zu Spiel und profitieren davon. Außerdem merken wir, dass wir von Tag zu Tag als Team immer mehr zusammenwachsen. Zum Turnierbeginn waren wir schon auch ein bisschen nervös. Das hat sich jetzt gelegt, ohne aber auch nur im Geringsten an Anspannung zu verlieren.

Bleibt denn auch ein wenig Zeit, um diese Fussballbegeisterung hier in Chile zu genießen?
Ein wenig schon, ja. Eine WM ist natürlich ein großes Ereignis, man will so viel wie möglich mitnehmen. Es ist Freude pur, vor so einem Publikum spielen zu dürfen, und diese Euphorie, die die Fans hier aufbringen, pusht einen nur noch mehr. Ich bin das erste Mal in Chile und die Gastfreundschaft der Menschen ist der Hammer. Wenn man ins Stadion einläuft, dann ist das Gänsehaut-Feeling pur. Dann wird die ganze Energie freigesetzt, das ist der absolute Wahnsinn. Für mich ist diese WM ganz klar das Highlight meiner bisherigen Karriere.

Du gehörst in den Augen vieler Experten zu den herausragenden deutschen Spielerinnen bei diesem Turnier. Bist Du zufrieden mit Deinen Leistungen in Chile?
Ja, eigentlich schon. Ich will mit der Mannschaft Großes erreichen. Wir haben den Einzug ins Halbfinale geschafft und wollen nun natürlich auch ins Endspiel kommen, um alles mitzunehmen. So ein Ereignis, in jungen Jahren so ein Turnier spielen zu dürfen, ist super. Deshalb versuche ich, hier alles zu geben. Und ich hoffe, dass es mir bis jetzt gelungen ist.

Du spielst für Bayern München, sorgst stets für mächtig Dampf auf der linken Seite, und es ist auffällig, dass Dein Spielstil ein wenig an Philipp Lahm oder auch Bixente Lizarazu erinnert...
Ich bin schon einmal mit Lizarazu verglichen worden, und zwar von Michel Platini bei der Europameisterschaft im letzten Jahr. Das war eine riesengroße Ehre für mich, ich war wahnsinnig stolz, als ich das gehört hatte. Und auch Philipp Lahm ist ein toller Spieler. Ich mag sie beide sehr gerne, denn sie haben eine unglaubliche individuelle Klasse.

Wie bist Du zum Fussball gekommen?
Das ist eine ganz lustige Geschichte. Ich komme aus Würzburg und in meiner Familie haben eigentlich immer schon alle, und zwar wirklich alle, Fussball gespielt. Irgendwann bin ich mit meinen großen Brüdern mal zum Training gegangen und habe neben dem Platz ein wenig hin- und hergekickt. Plötzlich kam der Trainer und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, mitzutrainieren. Da musste er mich natürlich nicht zweimal fragen. Nach dem Training ging er dann zu meinen Eltern und sagte: 'Die Kleine hat Potential. Hat sie nicht Lust, hier bei uns im Verein anzufagen?'

Bei den Jungs?
Ja, klar! Ich war damals fünf Jahre alt und habe bis zur C-Jugend bei den Jungs gespielt, ehe ich dann zu einem Mädchenteam gewechselt bin.

Klingt so, als hätte der damalige Coach ein gutes Auge gehabt. Du setzt auf dem Spielfeld häufig Akzente. Wie ist Deine Rolle innerhalb des Teams, wenn Ihr nicht auf dem Platz steht?
Ich denke, es ist ganz wichtig, dass wir vor allem dann, wenn es mal nicht so läuft, so wie gegen Japan, zusammenhalten. Wir haben Spielerinnen dabei, die schon eine Weltmeisterschaft gespielt haben, und die sorgen natürlich auch außerhalb des Platzes für Unterstützung. Für mich ist es die erste WM, aber ich versuche schon auch, wie alle, meinen Teil dazu beizutragen, dass wir uns immer gegenseitig aufbauen. Als Einzelne kann man hier nix gewinnen, das ist klar.

Das deutsche Team ist mental unglaublich stark. Aber das sind sicherlich nicht Eure einzigen Stärken, oder?
Wir haben jede Menge Stärken [lacht]. Unsere Qualität liegt darin, dass wir genau wissen, wenn einer von uns mal die Luft ausgeht, kommt eine andere rein, die für frischen Wind sorgen kann. Dass wir keinen Leistungsabfall haben, ist ganz wichtig. Zudem sind wir alle technisch sehr stark und können viel am Ball.

Habt Ihr Angst vor dem Duell mit den U.S.-Girls? Immerhin haben sie Deutschland vor wenigen Wochen im Halbfinale der FIFA U-17-Frauen-WM in Neuseeland mit 2:1 nach Hause geschickt...
Nein! Keine Angst, aber Respekt. Die Stimmung passt und jede in unserem Team will hier etwas reißen. Wer Weltmeister werden will, muss auch solche Gegner schlagen. Nun ist es eben die USA. Und natürlich wollen wir uns auch für die Niederlage in Neuseeland revanchieren.

Was erwartet Euch gegen die USA?
Ich glaube, es wird ein unglaublich kampfbetontes Spiel. Es ist wichtig, dass wir von der ersten Sekunde an dagegenhalten. Wir haben aus dem Sieg gegen Brasilien zusätzliches Selbstvertrauen geschöpft. Wenn wir gegen die USA das zeigen, was wir gegen die Brasilierinnen gezeigt haben, und noch einen Tick mehr Tempo in unser Spiel kriegen, dann bin ich zuversichtlich, dass wir das Finale erreichen werden.

Wie groß schätzt Du Eure Chancen ein, die USA zu schlagen, ins Finale einzuziehen und am Sonntagabend die Trohäe in den Händen zu halten?
Ich glaube, unsere Chancen sind recht groß, denn wir haben das Potential dazu. Jetzt sind wir erstmal heiß auf das Spiel gegen die USA, und dann werden wir alles geben, damit wir das tolle Feeling hier in Chile mitnehmen können, um als Weltmeister nach Hause zu fliegen.