"Nachdem ich die Spiele der anderen Gruppen gesehen habe, halte ich Brasilien und Korea für die klaren Titelfavoriten, denn sie haben sich am stärksten präsentiert", lautete die Aussage des japanischen Trainers Norio Sasaki nach dem beeindruckenden Sieg seines Teams gegen Deutschland. Nun will es das Schicksal, dass es sein Team im Viertelfinale auf einen dieser harten Brocken trifft. Am Montag kommt es in Santiago zu einem rein asiatischen Duell um eines der begehrten Tickets für das Halbfinale.

"Wir haben bereits zwei Mal gegen die Koreanerinnen verloren, werden aber noch besser vorbereitet in die nächste Partie gehen, denn wir wollen unbedingt unter die vier besten Teams dieses Turniers kommen", erklärte der japanische Coach nach dem beeindruckenden Abschneiden seiner Schützlinge in der Gruppenphase mit einem breiten Lächeln.

Die Statistik spricht in der Tat nicht unbedingt für seine Mannschaft. Berücksichtigt man sämtliche Partien zwischen beiden Ländern, so gab es in 19 Spielen 13 koreanische Siege, drei Unentschieden und lediglich drei japanische Erfolge. Doch Statistiken können Schall und Rauch sein, wie wir in Chile bereits erfahren haben, und einiges spricht durchaus für die Schützlinge von Sasaki - schließlich waren sie bislang eine der großen Entdeckungen dieses Turniers.

So hat Spielführerin Rumi Utsugi in der Abwehr geschickt die Fäden gezogen, während ihre Mittelfeldkollegin Natsuko Hara zu den am höchsten gelobten Kreativspielerinnen des Turniers zählt. Die Nummer zehn macht sich keine Sorgen um die physische Überlegenheit der Nordkoreanerinnen. "Ich habe mit meinem Vater und meinen Brüdern das Fussballspielen gelernt, deswegen beunruhigt es mich nicht, dass ich schmächtiger und kleiner bin. Wir sehen das nicht als Nachteil, sondern konzentrieren uns auf unsere Stärke, das heißt unsere mannschaftliche Geschlossenheit."

Ihr Trainer verweist auf andere Qualitäten. "Unsere Stärke ist, dass wir auch auf kleinste Details achten, auf Dinge, die sonst wenig beachtet werden. Wir sind immer sehr konzentriert."

Korea DVR: Ein Mysterium
Die Koreanerinnen hatten sich im Finale der asiatischen U-20-Frauen-Meisterschaft 2007, dem Qualifikationsturnier für Chile 2008, in der chinesischen Stadt Chongqing durchgesetzt. Trotz der Auftaktniederlage gegen Brasilien zeigte sich Trainer Choe Kwang Sok nicht beunruhigt und schrieb den Ausrutscher der Müdigkeit nach der langen Anreise zu.

Soweit immerhin eine Meinungsäußerung aus der Delegation der DVR Korea. Außer den Kommentaren auf den Pressekonferenzen nach den Partien hat es keinerlei Erklärungen des Titelverteidigers zu den eigenen Spielen im Turnier gegeben. Die Koreanerinnen ziehen es vor, ihre Leistungen auf dem Platz sprechen zu lassen - und hier ragen die beiden Stürmerinnen Ra Un Sim und Ri Jong Sim, die die gegnerischen Abwehrreihen immer wieder schwindelig spielen, aus der starken und geschlossenen Mannschaft heraus.