Noch heute ruft die Erinnerung an Russland 2006 ein breites Grinsen in ihm hervor. Stéphane Pilard, seines Zeichens Nachwuchstrainer der französischen Frauen, denkt mit Stolz zurück: "Damals waren wir das einzige Team, das gegen den späteren Weltmeister Nordkorea ein Tor schießen konnte." Was den Übungsleiter so erfreut, während er zum Exklusiv-Gespräch in Santiago mit FIFA.com zusammensitzt? "Nun sind wir in Chile. Und wir haben in der Zwischenzeit an Erfahrung hinzugewonnen." Nach dem imposanten 2:0-Sieg gegen die Chinesinnen und vor dem letzten Gruppenspiel der FIFA U-20-Frauen-WM 2008 gegen Argentinien gibt es also allerhand Gründe, Frankreich ernst zu nehmen.

Dass wir nun drei Punkte haben und gegen Argentinien ins Viertelfinale einziehen können, ist eine großartige Leistung.
Stéphane Pilard (Trainer, Frankreich)

"Ich bin durchaus zufrieden mit dem bisherigen Abschneiden meines Teams. Wir wussten, dass wir mit den USA und China zwei echte Großmächte in unserer Gruppe haben. Dass wir nun drei Punkte haben und gegen Argentinien ins Viertelfinale einziehen können, ist eine großartige Leistung", sagt Pilard und nickt dabei anerkennend. Doch der Franzose warnt auch: "Wir müssen aber noch gegen die Argentinierinnen gewinnen. Mit Selbstvertrauen gehen wir natürlich schon in die Partie, aber wir dürfen dieses unglaublich hart kämpfende Team bloß nicht unterschätzen. Und das werden wir auch nicht."

Mit Ballfertigkeit zur absoluten Weltklasse
Pilard ist ein Mensch, der es versteht, gleichzeitig Gelassenheit, Zuversicht und Ehrgeiz auszustrahlen. Diese Einstellung ist es, unter der sich seine französischen Talente zuletzt bis hinauf zur Augenhöhe mit den Großkalibern entwickelten. "Natürlich gibt es noch Unterschiede zu den USA, Deutschland, Brasilien oder Nordkorea, vor allem im physischen Bereich. Aber wenn wir hier erstmal die K.o.-Runde erreicht haben, dann ist es ein komplett neues Turnier", so der Coach vielsagend, ohne seine Spielerinnen unnötig unter Druck zu setzen.

Die französischen Auswahlteams standen schon immer für eine ausgezeichnete Technik. Diese Philosophie möchten wir auch in unserem Frauenfussball fortsetzen.
Stéphane Pilard (Trainer, Frankreich)

"Wir haben andere Qualitäten. Und darauf möchten wir auch setzen. Die französischen Auswahlteams standen schon immer für eine ausgezeichnete Technik. Diese Philosophie möchten wir auch in unserem Frauenfussball fortsetzen", erklärt Pilard und verweist auf die starke Offensive seines Teams. "Wir wissen aber, dass wir unsere Defensive stabil halten müssen, um bei diesem Turnier weit zu kommen." Ein Spagat, der bisweilen nicht einfach ist, und von dessen Gelingen auch die Beantwortung der Frage abhängt, wie lange Frankreich in Chile auf Torejagd gehen darf.

Delies Qualität kann den Unterschied ausmachen
Gerne würden Pilard und sein Ensemble so lange wie möglich den südamerikanischen Flair erleben. "Dieses Turnier ist ein wundervolles Erlebnis für meine Spielerinnen. Es bringt sie auch in ihrer persönlichen Entwicklung weiter. Die Gastfreundschaft und Begeisterung dieser Menschen und die Emotionalität in den Stadien ist großartig", beschreibt der Coach.

Um den Motor seines Teams weiter auf Hochtouren laufen zu lassen, vertraut er auf die Klasse seiner Torfrau und seiner Torjägerin: "Karima Benameur und Marie-Laure Delie sind sehr wichtig für die Mannschaft. Vor allem Delie hat schon große Erfahrung", sagt Pilard und wirkt dabei äußerst optimistisch.

Vielleicht gibt es ganz bald einen Grund, nicht mehr nur auf Russland 2006 mit breitem Grinsen zurückzublicken...