Es ist heiß in Santiago. Und trotzdem jagt der Nachwuchs des deutschen Frauenfussballs jedem Ball hinterher. Auf dem Trainingsplatz der Universidad Mayor gilt es, sich den letzten Schliff für das ganz große Ziel zu holen: einen Erfolg bei der unmittelbar bevorstehenden FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Chile 2008.

Seit rund drei Jahren spielt Maren Meinerts Auswahl nun schon zusammen. Am vergangenen Freitag ließ man die winterliche Heimat hinter sich, um in den Frühsommer Südamerikas zu fliegen. Am kommenden Donnerstag fällt für die deutsche Mannschaft in der Partie der Gruppe C gegen Kongo DR schließlich der Startschuss für jene Mission, die möglichst mit der Krönung enden soll. Die ambitionierten Talente aus dem Land des amtierenden Welt- und Europameisters wollen hoch hinaus.

"Ein Sieg wäre sehr wichtig für uns"
Fast sinnbildlich stellt sich das Übungsgelände der Deutschen dar. Bei fast 30 Grad sind die imposanten Gipfel der Anden am Horizont deutlich zu erkennen, scheinbar greifbar nahe, aber dennoch ganz weit weg. Sogar Schnee kann man sehen. Ein Anblick, der angesichts der erdrückenden Hitze zu erfrischenden Gedanken verführt, doch eben nicht mehr als eine Ablenkung von den eigenen sportlichen Ambitionen ist.

Die deutschen Mädels wirken zielgerichtet. "Das hier ist ein wahnsinniges Panorama, wirklich sehr schön. Wir nehmen es auf, aber unsere Konzentration gilt dem Spiel gegen Kongo. Ein Sieg wäre sehr wichtig für uns", so Stürmerin Stephanie Goddard vom FCR Duisburg im Gespräch mit FIFA.com. Der erste Gegner, gegen den es anzukämpfen gilt, ist die Hitze. "Mit dem Jetlag haben unsere Spielerinnen keine Probleme. Aber sie müssen sich an die Temperaturen gewöhnen. Da hilft es natürlich, viel zu trinken", erklärt Carsten Lueg.

Leichte Verletzungsprobleme bei Mirlach
Der Mannschaftsarzt hat keinen Zweifel daran, dass das deutsche Team bis Donnerstag voll auf der Höhe sein wird, um in Santiago gegen die körperlich starken Afrikanerinnen einen perfekten Start hinzulegen. Auch Verteidigerin Stefanie Mirlach von Bayern München, die mit Sprunggelenk-Problemen zu kämpfen hat, soll bis dahin wieder fit sein, während Mittelfeldakteurin Nadine Kessler nach ihrer fünfmonatigen Verletzungspause aufgrund eines Knorpelschadens im linken Knie zwar einsatzbereit ist, wahrscheinlich jedoch erstmal auf der Bank Platz nehmen wird. Doch schon die bloße Anwesenheit der eigentlichen Spielführerin, die in Diensten des 1. FC Saarbrücken steht, gibt den Mitfavoritinnen auf den Titel zusätzliches Selbstvertrauen.

Ohnehin ist die Stimmung im deutschen Lager gut. "Wir haben Spaß zusammen und genießen die Erfahrung, in Chile zu sein. Die Menschen sind hier unglaublich freundlich und hilfsbereit. Wir fühlen uns sehr wohl und brennen darauf, dass es endlich losgeht", sagt Goddard.

Erster Schritt auf dem Weg zum Gipfel
Auch mit dem Kunstrasen, auf dem das Meinert-Ensemble seit der Ankunft in der chilenischen Hauptstadt trainiert, kommen die deutschen Mädels gut zurecht. Schließlich steht ihnen im Estadio Municipal de la Florida gegen Kongo DR genau dieser Bodenbelag bevor. Goddard betont: "Wir gewöhnen uns daran und werden vorbereitet sein. Der Kunstrasen darf für uns keine Ausrede darstellen."

Man ist bereit für den Weg hoch auf den Gipfel. Einen kleinen Vorgeschmack werden die deutschen Talente schon an diesem Dienstag erhalten: Dann nämlich geht es mit der Seilbahn hinauf auf den Cerro San Cristóbal. 300 Meter erhebt sich dieser Hügel, um im Stadtbild von Santiago deutlich ins Auge zu fallen. Der Ausflug kann als erstes Herantasten an die "Höhenluft" betrachtet werden - am Donnerstag soll dann der erste richtige Schritt nach oben erfolgen.