Gastgeber Nigeria hat mit einem beeindruckenden 3:1-Halbfinalsieg in Lagos gegen Spanien das Endspiel der FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2009 erreicht. Damit können die Golden Eaglets am Sonntag in Abuja gegen Turnierdebütant Schweiz ihren Titel verteidigen, während die Iberer gegen Kolumbien um den dritten Platz kämpfen müssen.
Von der riesigen Begeisterung und Euphorie der nigerianischen Fans im ausverkauften Teslim-Balogun-Stadion nach vorne gepeitscht, suchte der amtierende Champion in der Neuauflage des Endspiels von Korea 2007 von Beginn an sein Heil bedingungslos in der Offensive. Die Iberer ließen sich davon jedoch nicht beeindrucken und zogen ihr cleveres Kombinationsspiel auf, das Nigeria dank Spaniens Ballsicherheit ein ums andere Mal in Verlegenheit brachte. Distanzschüsse von Aigbe Oliha auf der einen und Sergi Roberto auf der anderen Seite verfehlten ihr Ziel in den Anfangsminuten nur knapp.
Nach einer guten Viertelstunde nahm der Druck der Nigerianer zu und Stanley Okoro versuchte sein Glück mit einem fulminanten Flachschuss aus 16 Metern, doch der junge Nigerianer fand seinen Meister im spanischen Schlussmann Edgar. Wenig später ein Schock für die jungen Kicker von Ginés Meléndez: Unter Tränen musste Spaniens Jungstar Iker Muniain verletzungsbedingt ausgewechselt werden, für ihn kam Adria Carmona. Aber das Ensemble aus Südeuropa ließ sich davon nicht beeindrucken. Stattdessen hätte Spielmacher Isco fast das 1:0 erzielt, als er gleich drei nigerianische Gegenspieler in deren Strafraum ausspielte und sein Abschluss gerade noch so mit den Fingerspitzen von Schlussmann Dami Paul entschärft wurde.
Gerade als es danach aussah, als würden die Spanier das Spiel vollends in den Griff bekommen, sorgte Okoro mit einer phänomenalen Einzelaktion für die Führung der Platzherren: Der Rechtsaußen nahm das Leder an der Mittelline an und übersprintete zwei Gegenspieler, um dann alleinstehend vor Edgar aus leicht spitzem Winkel einzuschieben. Der Jubel kannte im weiten Rund keine Grenzen mehr und schien schließlich auch Spanien beeindruckt zu haben, denn fortan konnten Isco und Co. kaum mehr für Gefahr sorgen, um den möglichen Ausgleich vor der Pause zu erzwingen.
Nach dem Seitenwechsel präsentierte sich das Meléndez-Team wieder mit einem anderen Gesicht. Fortan drängte es Nigeria in deren eigene Spielhälfte, während die jungen Westafrikaner auf Konter lauerten. Ein 25-Meter-Schuss von Jordi Amat stellte Keeper Paul vor eine harte Probe, die dieser aber meistern konnte. Angetrieben vom nun wieder präsenten Isco ließen die Iberer ihren Offensivmotor auf Hochtouren laufen, doch der finale Pass fehlte.
Als nach genau einer Stunde der bullige Keilstürmer Borja erstmals von einer Freistoß-Hereingabe von Isco in Szene gesetzt wurde und aus kurzer Distanz zum Kopfball kam, stand den nigerianischen Fans der Schrecken bereits im Gesicht geschrieben, doch Paul konnte reflexartig auf der Linie parieren. Nur Sekunden später wurde aus einem vermeintlichen Schock ein Riesenjubel: Aigbe Oliha warf einen Einwurf vor das Gehäuse von Edgar und der einmal mehr eingewechselte Super-Joker Sani Emmanuel stach, indem er infolge eines Wirrwarrs aus sechs Metern mit links zum 2:0 einschoss.
Doch Emmanuel hatte noch nicht genug. Nach 77 Minuten nahm er einen präzisen 35-Meter-Pass von Mohammed Aliyu mit der Brust mit, tauchte völlig freistehend vor Edgar auf und machte seinen fünften Turniertreffer perfekt, um zum 3:0 einzuschieben. Nigeria spielte von diesem Moment an wie im Rausch und steuerte, obwohl Borja in der Schlussphase aus kurzer Distanz noch der Anschlusstreffer gelang, einem verdienten Triumph gegen Spanien entgegen.
