Die Schweiz hat Fussball-Geschichte geschrieben: Das Team von Dany Ryser holte sich am Sonntagabend vor 60.000 Zuschauern im Nationalstadion von Abuja sensationell den Titel bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2009. Die jungen Eidgenossen, die erstmals überhaupt bei diesem Turnier im Teilnehmerfeld standen, bezwangen Gastgeber und Titelverteidiger Nigeria dank eines Treffers von Haris Seferovic mit 1:0 und haben ihrem Land damit den ersten Sieg bei einem FIFA-Turnier überhaupt beschert. Für die nigerianische U-17 war es die erste Niederlage seit 2003.

Vom frenetischen Publikum nach vorne gepeitscht, legten die Platzherren erwartungsgemäß los wie die Feuerwehr. Bereits nach drei Minuten hätte Stanley Okoro mit einem Flachschuss von der Strafraumgrenze die Führung erzielen können, doch der Schweizer Verteidiger Yannick Kamber rettete auf der eigenen Torlinie. Der Sturmlauf auf das Gehäuse von Benjamin Siegrist riss nicht ab und der Schlussmann von Aston Villa parierte in den folgenden Minuten gleich drei brandgefährliche Distanzschüsse in überragender Manier.

Es dauerte rund zehn Minuten, ehe sich die Schweizer von den ersten Eindrücken der überwältigenden Kulisse erholt hatten. Doch dann suchten auch die Schützlinge von Dany Ryser ihr Heil in der Offensive. Nach einem feinen Pass von Pajtim Kasami scheiterte Linksverteidiger Kamber mit einem Schuss aus spitzem Winkel nur knapp am nigerianischen Torwart Dami Paul. Von diesem Moment an entwickelte sich eine hochansehnliche Partie, welche von den athletischen Titelverteidigern leicht dominiert wurde.

Während es den Schweizern nicht gelang, Filigrantechniker Nassim Ben Khalifa ins Spiel kommen zu lassen, um dank seiner individuellen Klasse für mögliche Überzahlsituationen zu sorgen, stand die Innenverteidigung des Turnierdebütanten aus Europa derart felsenfest, dass Nigeria lediglich mit Distanzschüssen für Gefahr sorgen konnte, die allerdings allesamt am Gehäuse vorbeiflogen. Nur unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff setzte sich der nigerianische Super-Joker Sani Emmanuel, der im Finale von Beginn an ran durfte, auf links gegen zwei Gegenspieler durch, schoss jedoch vor dem Schweizer Schlussmann auftauchend am langen Pfosten vorbei.

Nach dem Seitenwechsel tat sich Nigeria zunächst überraschend schwer, gegen die nun noch zweikampfstärkeren Schweizer, die offensichtlich noch genug Kraftreserven hatten, um gegen die pfeilschnellen Westafrikaner zu bestehen, zu klaren Torgelegenheiten zu kommen. Okoro war es, der mit einem Linksschuss aus 15 Metern nach knapp einer Stunde am überragenden Siegrist scheiterte, und die Platzherren waren beeindruckt.

Das Ryser-Ensemble hatte den richtigen Riecher, es merkte, dass das Publikum unruhig wurde und die nigerianischen Akteure fortan weniger selbstbewusst in die Offensive gingen. Entsprechend versuchten sie, selbst mit langen Bällen die gegnerische Abwehrreihe zu beschäftigen und zu Fehlern zu zwingen. Dieser Mut zahlte sich aus: Nach einem Eckball von Oliver Buff stieg der Schweizer Torjäger Haris Seferovic am höchsten und köpfte den Ball überlegt zur Führung ins lange Eck. Das weite Rund in Abuja war geschockt.

Nach einer flachen Freistoß-Hereingabe von Granit Xhaka hätte Charyl Chappuis am kurzen Pfosten lauernd nach 73 Minuten sogar den zweiten Treffer erzielen können, doch der Ball verfehlte Nigerias Tor denkbar knapp. Nun war Nigeria wieder wach und warf natürlich alles nach vorne. Der Keeper der Schweiz, Siegrist, wuchs über sich hinaus und entschärfte einen Schuss nach dem anderen. Infolge eines Wirrwarrs direkt vor seinen Augen gelang es ihm gar, gleich drei Einschussmöglichkeiten der wütenden nigerianischen Angreifer zu blocken, um das Leder dann fest in die Arme zu schließen.

Das Schweizer Abwehrbollwerk hielt auch in den Schlussminuten der nigerianischen Offensive stand. Als Abdul Ajagun in der 88. Minute zum Freistoß anlief, wurde es aber nochmal dramatisch, denn sein abgefälschter Schuss ging nur knapp am Tor vorbei. Am Ende jubelten jedoch die Eidgenossen, denn sie haben das Unmögliche möglich gemacht: Rysers Talente sind U-17-Weltmeister!